Monthly Revelations (erweitert – October & November)
I dream a way of living
A way of sharing what we find
A way of walking slowly
Through the smokey leaves of time
When I woke up this morning
I heard a melody and a rhyme
I knew the song was over
But I couldn’t find the time
The words just tumbled forward
In this second song of mine
Seit „Psychedelic Pill“ hat mich kein Neil Young-Album so sehr berührt wie „Second Song“. It equals the emotional impact, Marianne Faithfull’s „Negative Capability“ had on me. Und somit kommen auch in der Oktoberkollektion der kleinen Offenbarungen ein paar der üblichen Verdächtigen zusammen. Meine Hörgeschichte mit Neil begann in den Sommerferien 1970 in einem Plattenladen in Paignton. Oder war es 1971. Sowas nennt man dann wohl „lebensbegleitende Musik. „Second Song“ kommt wie ein „Farewell-Album“ daher und ist ein traumhafter „Schleicher“. Mit dabei ein weiterer wunderbarer „alter Sack“, Spooner Oldham! Die Besprechung aus Aquarium Drunkard stellt „Second Song“ in den Kontext seines Lebenswerkes. Excellent music writing, ich habe den Text mit deepl übersetzt. Hier ein ausführliches Werkstattgespräch mit Neil Young.
In der Archivabteilung habe ich nicht die „Frank Tiberi Coltrane Tapes“ anzubieten, denn sie klingen schrecklich. Was nicht an Coltrane, sondern an der Aufnahme liegt, dagegen sind all die Can-Ausgrabungen nahezu audiophil. Richard Williams hat am 100. Geburtstag des Meisters die pure Exstase von „Om“ und „Kulu Se Mama“ daheim aufgelegt (ich bin ein grosser Fan von Kulu Se Mama!), ich werde demnächst „Crescent“ lauschen. Menschen mit einer engen Beziehung zur Musik wissen genau, welche Platte ihnen in einer bestimmten Situation wirklich guttut! Man hat da einen ganz persönlichen Seismographen. Kleine Abschweifung.
(Und noch eine: heute las ich, dass die Vinyl-Edition von Lambchops Meisterwerk „Punching The Clown“ in gloriosem Mono erschienen sein soll. Weil‘s Kurt Wagner ist, kann ich es mir gut vorstellen. Aber ist das auch so? Wäre einer mal so freundlich, die Platte aufzulegen?)

Und so finden sich (Überraschung!!) im Archiv die „Reissues“ von „Drawn From Life“ (ein wundervolles neues Cover!) und „Another Day On Earth“ – ein guter Grund, mein Gespräch mit Brian Eno aus dem Jahr 2005 einmal mehr zu posten. Ich hoffe. Ich finde für den November irgendwo mein Interview mit Peter Schwalm aus der Jazzthetik wieder, worin sich alles um „Drawn From Life“ drehte – Martina ist ein grosser Fan des Stückes „Bloom“. „Drawn From Life, originally released on Virgin Records in 2001, was a full collaboration between Brian Eno and J. Peter Schwalm, the two having met through Eno’s longtime friend Rolf Engel. It will carry that joint billing for the first time. The album featured Holger Czukay, Laurie Anderson, Nell Catchpole and Leo Abrahams, and was supported by a tour taking in Porto, Lanzarote and a headline appearance at Japan’s Fuji Rock Festival.“ Fragt mal Thomas Pannhorst nach diesen beiden Alben!

Ansonsten hole ich jetzt, wo die „12 Conversations“ von Ryuichi Sakamoto und Alva Noto erschienen sind (und was für ein fantastisches Album ist das denn bitteschön!) zu gerne Jan Reetzes Filmbesprechung von „Opus“ wieder hervor. Ansonsten: „Last Seen“ ist meine derzeitige Lieblingsserie, knapp vor der zweiten Staffel von „Women In Blue“. Die „Radio-Rubrik“ ist nun selber ein kleines Archiv geworden meiner letzten drei Sendungen – ich werde demnächst noch mein Laurie Anderson-Porträt von 1994 hinzufügen.
Und was das Buch des Oktobers angeht – da gibt es ein Lob der Vielfalt mit Lajlas „beach book highlights“! ich bin reif für die Insel und habe mir gleich das Buch mit dem wilden weiten Ozean besorgt. Lajla, du warst doch damals auf den Shetland Inseln. Mich würde ja sehr ein Text von dir interessieren, welche Erinnerungen die Lektüre an deinen Shetland-Trip freigelegt hat. Ich erinnere mich an deinen „Blindflug“ bei der Landung auf einem ziemlich kleinen Flughafen!

P.S. Im November gibt es keine neuen Empfehlungen ausser in der Rubrik „Album“. Vielleicht Keith Jarretts „Roma“, vielleicht Oren Ambarchis „Cooked“, vielleicht Immersion‘s „What Is Lost, Will Return“! Und – vielleicht – in der Rubrik „Binge / Television“. Wie wäre es mit „Die Revoluzzer“ auf Arte!? Der Rest bleibt bis Ende November, umgefähr so wie es jetzt ausschaut – vielleicht findet sich noch mein altes Peter Schwalm-Interview irgendwo.

Die Fotos in Lajlas Büchertipps stammen aus Hierro und Matala, die Fotos dieses kleinen Überblicks aus Matala und dem Dortmunder Rombergpark. Die Fotos von Enos Studio in Notting Hill (über das er einiges erzählt, in der Rubrik „Archive“), stammen von meinem Interviewtag mit Brian Eno und Karl Hyde im April 2014. As time goes by. (m.e.)
4 Kommentare
Martina Weber
„Drawn from Life“ hatte ich mir gestern rausgesucht, weil ich es mal wieder hören wollte. Die Aufnahme der Klanghorizonte, in der du „Bloom“ gespielt hast, habe ich sehr oft gehört. Wann erschien denn dein Interview mit Peter Schwalm in der Jazzthetik? Ich habe es bestimmt in meinem Jazzthetikordner und kann es für dich scannen.
Die „12 Conversations“ waren für mich die musikalische Entdeckung der letzten Klanghorizonte.
flowworker
@ Martina: das müsste so Zweite Hälfte 2000, Anfang 2001 gewesen sein in der Jazzthetik.
Bloom ist wunderbar, aber ich mochte stets das ganze Album sehr. Fast. Es hat nämlich das Sgt. Pepper-Syndrom😉
Ihr kennt nicht das Sgt Pepper Syndrom? Ihr kennt das geläuf8ge Wort „only killer no filler“. Wie oft hören wir bestimmte Alben, die uns durchweg gefallen, von Anfang bis Ende, aber suüue haben einen Song, ein Stock, den oder das wir dann auch zwar irgemdwie ganz okay finden als Teil des Gesamtlerlebnisses, aber nicht really sooo toll. Bei Sgt. Pepper ist das dieser Song mit good morning, food morning (man stelle sixh vor, Penn Lane und Strawbery Fields wären stattdessen auf Sgt. Pepper gewesen.)
Bei Drawn From Life ist es der Song „Two Voices“, der bei mir nie funzte, aber sonst: wow! (me)
Martina Weber
Die Kopien deines Interviews mit Peter Schwalm habe ich in meinem Jazzthetikordner leider nicht gefunden. Seltsam.
„Bloom“ bleibt für mich das Highlight. Ich nenne es das Klanghorizonte-Syndrom? Du weißt nicht, was das ist? Der von dir ausgewählte Track für deine Sendung hat mir fast immer am besten gefallen, wenn ich mir ein Album gekauft habe.
flowworker
Okeydokey, Martina, aber von Drawn from Life habe ich sicher so einiges gespielt im Lauf der Jahre und ganz sicher damals, als es rauskam. Vielleicht habe ich BLOOM zwei, dreimal gespielt😉