Ein paar Jahre noch

Ich saß gestern in einer Bonner Weinstube, las „Flowworker“ und trank ein Glas Weißburgunder.
Nach einiger Zeit setzte sich direkt neben mich ein älteres, gutaussehendes Paar, schätzungsweise Mitte 70. Die beiden unterhielten sich angeregt über ihre Reisen.
Als die Dame die Waschräume aufsuchte, sprach mich der Herr an. Er bedauere, dass es in Bonn nur noch ein richtiges Weinlokal gebe. Am liebsten trinke er Riesling, erzählte er mir, doch leider lasse sich diese Rebsorte in Südafrika, wo er lebe, nicht anbauen.
Gerade erst sei er mit seiner Partnerin auf der Queen Mary 2 von New York nach Hamburg gefahren. Im November wollten sie mit der Aida zurück nach Kapstadt reisen. Das sei doch viel schöner, als zu fliegen.
Ich sagte: „Wow, Sie unternehmen aber viel.“
Er: „Ja, ich habe nur noch ein paar Jahre zu leben. Ich bin schließlich 91 (!) Jahre alt.“
Ich: „Das glaube ich Ihnen nicht. Sie sehen mindestens 15 Jahre jünger aus.“
Er, sichtlich gerührt: „Das liegt an meiner Partnerin. Sie hält mich jung.“
Ich musste an Leonard Cohen und das Cover Motiv von „Popular Problems“ denken.
5 Kommentare
Jan Reetze
Möge er den Riesling genießen. Wenn, so sagen die Winzerorganisationen, es mit dem Klima so weitergeht, wird es auch in Deutschland schwierig mit ihm.
Pino Paulssen
Chapeau wer so etwas am Ende seiner Tage erzählen kann
flowworker
Mein Leonard Rating….
The Songs of Leonard Cohen (1968) *****
Songs from a Room (1969) *****
Songs of Love and Hate (1971) *****
New Skin for the Old Ceremony (1974) *****
Death of a Ladies‘ Man (1977) ****
Recent Songs (1979) ***
Various Positions (1984) ****
I’m Your Man (1988) **** oder ****1/2
The Future (1992) ****1/2
Ten New Songs (2001) ***1/2
Dear Heather (2004) ***1/2
Old Ideas (2012) ***1/2
Popular Problems (2014) ***
You Want It Darker (2016) *****
Thank you for the dance (posthum) ****
m.e.
Olaf Westfeld
Bin kein Freund von Tom Jones (und schon gar nicht von amerikanischen Casting Shows) aber diese Cover Version bekommt er ganz gut hin:
https://www.youtube.com/watch?v=TMz0WcXdVBQ&list=RDTMz0WcXdVBQ&start_radio=1
Thomas
In der Tat geht sein Vortrag unter die Haut. Mr. Sex Bomb hatte immer eine beeindruckende Stimme, die besser in Las Vegas Clubs oder im Madison Square Garden aufgehoben war. Vor einer Millionen Frauen, die ihm ihr Hab und Gut zuwarfen 😉 It’s not unusual to have fun with anyone…
Ganz anders der womanizer Cohen. Stil ist alles. Ich habe ihn zweimal in den Nullerjahren gesehen.
Es waren die intimsten Konzerte in großen Hallen, denen ich beiwohnen durfte.
Leonard Cohen = (Grandezza + Coolness) x Poesie
Mein Lieblingsalbum ist „Ten New Songs“…in my secret life.