Der Fantasieraum eines leeren Volleyballfeldes

Mich faszinieren Volleyballfelder, etwa in Naherholungsgebieten immer schon, ähnlich wie asketisch arrangierte leere Strandkörbe auf weiten Sandstränden. Hier, am Stoteler See, nicht weit von Bremerhaven, träume ich sofort, in flüchtigen Bildern von meinem „high life“ als Volleyballer, auf diversen ostfriesischen Inseln in den Grossen Ferien, wo immer ein bunter Haufen zusammenkam, oder einst in Furth i. Wald, einst, als wir die Silbermedaille des Rundinger Wanderpokals in fünf Sätzen gewannen, eine knappe Niederlage trotz aufopferungsvollen Kampfes gegen die französische Garnison. Es sind nur flüchtig flackernde Bilder, keine Tagträumerei. Lange her. Bei meinem Spaziergang um den See lernte ich einen Angler kennen, und seine Freude auch an Stunden, in denen nichts passiert. Kein grossmäuliges Anglerlatein, sehr angenehm. Loxstedt-Stotel ist ein Bilderbuchprivovinzstädtchen, hier im Norden ist es einmal mehr weniger heiss, abends versinke ich wahlweise in Colin Walshs „Kala“ oder einer Folge von „Widow‘s Bay“. Eine Dienstreise (keim Witz) mit kleinen Ausflügen. Gestern erzählte mir jemand, Cuxhaven habe einen Strand mit Mallorca-Feeling – ich hoffe, er meinte feine Sandstrände und keine Ballermann-Community. Auf den Balearen demonstrieren sie schon lange und massiv gegen die Kahlschläge des Tourismus für die Natur. Leere Volleyballfelder haben ihren eigenen Charme.

8 Kommentare

  • Lajla

    Mach einen Abstecher nach Otterndorf. Dort kann man sehr schön in der Elbe schwimmen. Am Strand gibt’s Filmvorführungen und Currywurst.

  • Martina Weber

    Ja, den Charme sehe ich auch, und die Wirkung ist größer als während eines Spiels. Schönes Thema für einen Blogpost! Eine Assoziation war das Tennisspiel aus dem Film Blow-up. Auch eine Art, die Fantasie für ein Ballspiel anzuregen.

  • flowworker

    Hallo, Martina, Julio Cortázars Kurzgeschichte „Las babas del diablo“ (auf Deutsch oft Teufelsgeifer oder Blow-Up) diente als direkte Vorlage für „Blow Up“ . Die Erzählung und der Film untersuchen die trügerische Natur der Wahrnehmung, die Subjektivität von Realität und die Grenzen des Mediums der Fotografie.

    Jukio cortazars Roman Rayuela erklärte ich hier oder auf Mana zu meinem absoluten Lieblingsroman.

  • Martina Weber

    Hallo Michael, dass Rayuela dein Lieblingsroman ist, hast du sehr oft betont. Dass Blow-up auf einer Kurzgeschichte von Cortázar beruht, habe ich vergessen. Ich habe es sicherlich mal gelesen. Das Thema von Blow up ist mir vertraut. Ich habe den Film mehrmals gesehen und auch einiges darüber gelesen.

  • flowworker

    Es war damals das perfekte Buch zur perfekten Zeit, und heute glaube ich, dass es mir das Jahr 1982, in dem ich es las, perfekt spiegelte, in einer Art Parallelwelt des Paris der 1950er Jahre. Es war ein surrealer Lesetrip. Stöndig wurde im Buch Mate Tee getrunken, und ich besorgte mir alle Utensilien, um währmed der Lekture auch Mate Tee zu trinken. Ich war komplett verliebt, als ich es las, und folgte der kompletten Verliebtheit des Protagnisten in seine Maga, oder wie sie hiess. Der Roman endete, wie mein Jahr damals, tragisch und melodramatisch. Da war viel Paris und Bueneos Aires in dem Roman, und Ende 1982 war ich dann in London. In dem Roman liefen peramanent alte Jazzplatten, und ich kaufte mir, glaube ich, „The Fourth Wall“ von den Flying Lizards bei HMV, schlenderte mit melancholischem Hundeblick am Picadilly Circus herum, und sah nachts aus dem vierten Stock eines Hotels im Hampstead North raus, und hörte John Peel. Ich crashte die gute Laune einer Weihnachtsparty als ich meine Geschichte erzählte. Wie hiess Julios Buch doch gleich aif deutsch: Himmel und Hölle – Rayuala. Ein Bezug auf ein Hinkelspiel von Kindern. Leere Volleyballfelder – was für ein schömes Sinmbild von Schein und Sein. Damals
    Endete alles auf einem Volleyballfeld, das sich bald leeren sollte.

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