Musik und Transzendenz
»The book of love has music in it
In fact, that’s where music comes from
Some of it is just transcendental
Some of it is just really dumb«
(The Magnetic Fields)
Es gibt Phasen in meinem Leben, in denen ich mich nicht mehr mit Musik beschäftigen kann. Dies sind Phasen, in denen sich das Gefühl des Ausgelaugtseins tief in alle Faser des täglichen und alltäglichen Seins hineinfrist. Analog zu dem „Ausgelaugt“ als umfassendes Existenzgefühl stellt sich dann bisweilen ein Gefühl des „Ausgehört“ ein. Scheinbar habe ich in diesen Phasen das Interesse an Musik verloren – der Kunst, die als innige Lebensbegleiterin ansonsten so vieles mit- und durchmacht. Die Neugierde und Lust, neue Bands und Interpret*innen kennenzulernen ist dann nahezu erloschen. Das Anhören der Lieblingsmusik wirkt schal, bisweilen sogar störend. Ein Zustand, der die Sinnhaftigkeit des Lebens infrage stellt – es zwar nicht in nietzeanischem Furor direkt als Irrtum identifiziert, aber doch schon Zweifel an seiner Richtigkeit aufkommen lässt.
Da ich mich und meine Zustände weitestgehend kenne, weiß ich, dass diese für gewöhnlich eher nicht persistent sind. Die letzte Phase des „Ich habe ausgehört“ dauerte jedoch länger an als üblich. Vielleicht war es die besondere Turbulenz der Lebensumstände, die für eine Verlängerung verantwortlich war. Es war ein Graus: Die Musik schien für mich ihre Bedeutung verloren zu haben. Weder perzeptiv noch produktiv-kreativ war es mir möglich, mich so mit Musik zu beschäftigen, wie es mir normalerweise möglich ist: grundlegend. Musik ist in Zeiten der Erträglichkeit der Existenz ein konstitutives Element meiner Persönlichkeit, ein essentieller Mosaikstein in der bunten Bodenplatte meines Daseins. Wenn dieser herausgenommen wird, passt das Gesamtgefüge nicht mehr. Something doesn’t add up.
Spoiler: Die Musik und ihre Bedeutung kam zurück in mein Leben. Nicht polternd, mit einem Paukenschlag, nicht mir einem „Hör mal, hier bin ich!“ in den Raum hineingetrampelt, sondern eher schlurfend, sich sanft, wie zufällig in das Bewusstsein einschmiegend. Dann aber im Medium der vermeintlichen Zartheit eine Präsenz und Tiefe entfaltend, dass ich geneigt bin, etwas pathetisch von einer transzendenten Erfahrung zu sprechen. Auslöser dieser Erfahrung war eine Band, die ich schon einige Jahre zuvor kennenlernte und zwar durchaus sympathisch fand, sie aber doch auf den undankbaren Stapel mit der Aufschrift „nicht uninteressant, beschäftige ich mich später mit“ und somit mehr oder weniger ad acta legte. Die Rede ist von der US-amerikanischen Indie-Folk-Band Big Thief.
Wie sich diese Band Jahre später ihren wohlverdienten Wiedereinzug in mein musikalisches Bewusstsein erkämpfte, kann ich nicht mehr genau rekonstruieren. Alles, woran ich mich erinnere, ist, dass ich mich auf der Suche nach geeigneten Einstiegsmöglichkeiten in das Big-Thief-Universum durch irgendwelche Musik-Subreddits wühle. Schließlich hatte die Band seit meiner letzten Beschäftigung mit ihr (es muss um 2016 herum gewesen sein) fünf weitere von der Kritik hochgelobte Alben veröffentlicht und war längst kein nerdiger Indie-Geheimtipp mehr. Da stieß ich auf einen Kommentar eines Reddit-Users, der Folgendes über einen Song mit Titel „Simulation Swarm“ schrieb:
»Hii!! I’m a casual Big Thief enjoyer. And I have been so FUCKED UP about Simulation Swarm recently, like carnally.«
Meine Neugierde war erweckt. Ein Musikstück, das eine leibliche, ja fleischliche Erfahrung bei einem Hörenden auslöst, könnte das Richtige sein, um mich aus meiner musikalischen Apathie herauszuholen. Ich recherchierte weiter über den Song, der 2022 auf dem Album „Dragon New Warm Mountain I Believe In You“ erschien, und stieß auf immer mehr Kommentatoren, die dem Lied eine außergewöhnliche, gleichsam auratische Qualität zuschrieben:
»Seriously. That song builds a whole environment around me and feels like magic.«
Der User „Hobbes42“ konstatiert:
»Simulation Swarm is a transcendental song. The slightly delayed rhythm of the music, her ethereal vocals, the 4th-dimensional lyrics.«
Einen anderen Kommentator brachte der Song sogar dazu, bitterlich zu weinen:
»I listened to that song like the day i brought my newborn son home from the hospital a few weeks ago and it made me ugly cry.«
Dass Adrianne Lenker, Big-Thief-Mastermind an Gitarre und Gesang, als Songwriterin in der Lage ist, mit ihrer Musik ein solches Potential zu entfalten, konnte ich 2016 nur erahnen. Mein musikalisches Interesse an der Band und vor allem dem Song „Simulation Swarm“ war nach dieser Recherche jedenfalls entfacht, ich fand jedoch zunächst nicht die Zeit, das Stück anzuhören. Dann, wenige Tage später – ich war gerade dabei, mit letzter Kraft und Energie nach einem wunderbar chaotischen Tag mit Kleinkind auf einer partiellen Baustelle wohnend die Wohnung ansatzweise in einen bewohnbaren Zustand zurückzuversetzen – erinnerte ich mich an mein Vorhaben, legte die Kopfhörer an und spielte „Simulation Swarm“ ab.
Sofort zog mich ein vermeintlich entspanntes Gesäusel aus Akustikgitarren-Fingerpicking-Riffs, einem minimalistisch treibenden Drumming und einem Bass, der zu einem hypnotischen Flow des Songs entscheidend beiträgt, in seinen Bann. Dann setzt Lenkers Stimme ein und erzählt beiläufig, halbvernuschelt und doch so unheimlich poetisch-psychedelisch von leeren Pferden, die durch violette Türen galoppieren und von geflügelten Geschöpfen, die sich wie die letzten menschlichen Lehrenden in seidener Höhe versammeln. „Like the last human teachers“ – dieser Vers hallte noch lange in meinem müden Dozentenkopf nach, der sich nach einer erschöpfenden Woche des Pendelns zwischen zwei Großstädten, drei Fachakademien und zigmal so vielen Kursen nicht zuletzt auch „ausgelehrt“ anfühlt. Ich frage mich: Wann werden wir sie erleben, die letzte menschliche Lehrperson? Wann wird die KI auch uns Lehrkräfte obsolet gemacht haben? Ich habe keine Zeit, länger darüber nachzudenken; der Sog, der Flow des Stückes hat mich schon weitergetrieben. Ich lande im 31. Stock des „Simulation Swarms“, wo das Summen eines fluoreszierenden Lichts mich empfängt und die Gänge mit einem fiebrigen, formerfüllenden Flackern ausgeleuchtet sind. Ich weiß nicht, was all das bedeutet, aber ich fühle Bedeutung. Oder eher Fragmente von Bedeutung. Sie schwimmen brockig in einem warmen Schwall. Dann plötzlich, beinahe monolithisch aus dem seidenen, milchigen Fluß der metaphysischen Bildhaftigkeit emporsteigend:
»I’d fly to you tomorrow, I’m not fighting in this war
I wanna drop my arms and take your arms
And walk you to the shore«
Wie ein Mikro-Manifest ragen diese Zeilen aus der Strophe heraus, öffnen eine ganz andere Bewusstseinstür, machen die Situation auf einmal ganz konkret, politisch greifbar und zugleich menschlich unfassbar nah. Die lyrische Erzählinstanz bekommt Konturen: In Umrissen zeigt sich ein wissendes, liebevolles und zugleich kraftvolles, beinahe überweltliches Ich, dessen Stärke aus einer paranormalen Fürsorgekapazität resultiert:
»I remember building an energy shield
In your room, like a temple«
Schützend beschirmt wird hier der neugeborene kleine Bruder, der als der „erste kleine Engel“ gesehen wird. Um ihn herum kreist eine Hoffnung auf Erneuerung, die zugleich eine Art von Wiedererinnerung, von Rückkehr verheißt:
»I believe we can renew
And you could be my brother
Once again, fall asleep with our backs against each other
You believe, I believe too
That you are the river of light who I love
That I sing to in the belly of the empty night«
Es ist diese seelenerschütternd schöne Liebesbekundung des lyrischen Ichs am Ende, die mich den bitterlich weinenden, frischgebackenen Vater aus dem Reddit-Kommentar von oben, der ich drei Jahre zuvor selbst war, so vollumfänglich emotional verstehen lässt. Vielleicht ist dies das transzendente bzw. transzendentale Potential des Liedes: im Medium von Klang und Text eine Erfahrung schaffen, die über den konkreten Text und das vermittelte Gefühl hinausgeht, das Alltägliche überschreitet und auf das verweist, was unsere Erfahrung ermöglicht, was ihr vorausgeht. In diesem erkenntnistheoretischen, Kantschen Sinne könnte man vielleicht sagen: „Simulation Swarm“ lässt uns erahnen, was existentielle menschliche Erfahrung grundiert. Was es heißt, in einer Welt voller Kriege zu leben. Was es heißt, Liebe und Leid zu erfahren. Durch meine merkwürdige Musikabstinenz hatte ich ganz vergessen, dass Musik – vielleicht wie keine andere Kunst – imstande ist, uns solche Phänomene fühlend verstehen zu lassen.
12 Kommentare
Olaf Westfeld
Ja, das Stück kenne ich auch, habe ich oft gestreamt. Magisch.
Big Thief haben einige Stücke, die mehr sind als die Summe der einzelnen Teile.
Tolle Band (auch wenn mich die Stimme manchmal nicht erreicht).
Und nochmal ja, ich kenne das auch, immer wieder mal den Bezug zur Musik zu verlieren. Zum Glück aber in den letzten Jahren immer auch sehr kurz (mal so nen Nachmittag, nen Wochenende oder so).
(Nebenbei: Ich unterrichte ja Jugendliche, da habe ich keine Sorgen, dass KI mich obsolet macht, zu wichtig ist bei und mit denen der persönliche Kontakt und was aus der persönlichen Begegnung und dem Lehrstoff passiert).
Alexander Roth
Deine Beschreibung „mehr als die Summe der einzelnen Teile“ finde ich sehr zutreffend. Da ist definitiv etwas an diesen Songs, das transzendiert – in welche Richtung auch immer.
Dass du das Gefühl der temporären Bezugslosigkeit zur Musik auch kennst, beruhigt mich etwas. Man kommt sich unter Musikliebhaber*innen manchmal fast schon ignorant oder abtrünig vor, wenn man so etwas äußert.
Und interessant, dass du auch unterrichtest! Bei früheren Lehrtätigkeiten hatte ich auch mit Kindern und jüngeren Jugendlichen zu tun, jetzt an der Fachakademie sind meine Lernenden (Auszubildende im Sozialwesen) im Schnitt deutlich älter. Glücklicherweise ist der Bedarf nach Lernbegleitung aber auch da zum Teil noch sehr ausgeprägt 🙂 Ich denke auch, dass man den Aspekt menschlicher Begegnung – zum Glück – nie aus Bildung herausbekommen wird, das kann auch die hochentwickelste KI nicht leisten.
flowworker
Den Ausdruck Transzendenz definiere ich gerne low key, als ein Hinausschreiten über eine Behrenzung. Der Depressive, der wieder aus dem Bett kommt, und sich wieder am Blick ais dem Fenster erfreut. Der Phobiker, der sich wieder in die Menge traut ohne Herzrasen, alles transzendierende Erfahrungen. Oft konnotiert man damit Jenseitiges, Religiöses. Einer hört Bach, und sieht gleich einen Engel durch den Raum schweben. Naja.
Anders gesagt: John Coltranes A Love Supreme ist kein Gottesbeweis, vielmehr ein Ausschöpfen der Grenzbereiche der Humanität, der Liebe auch.
Welcher Musik bei wem welche Art von „Transzendieren“ auslöst, ist ein weites Feld, da spielt sich viel zwischen Hörer und Musik ab. Dieser Song von Big Thief wird es bei mir nicht sein.
„Zuma“ macht das mit mir seit 1976.
Jetzt in meinem letzten Radiojahr veräussere ich so viel gute Musik, die ich aber nicht mehr brauche als gate of perception, von Radiohead über Bill Evans bis hin zu langeweilig gewordenen FMP Platten. 1500 Platten: bye nye. 2000 cds: Tschüss, tolle Musik babei, aber nicht mehr mein soul food.
Es bleibt, was immer schon „meine Musik“ war,, gehört seit Ewigkeiten und immer noch bereichernd ohne Ende.
Schön dass entdeckungen immer noch möglich sind. seefeels neues album etwa, little beloved transcendence! Wie konnte nur quiqque von 1993 in Vergessenheit geraten😉…
Übrigens: headquarters von The Monkees bleibt auch.
m.e.
Olaf Westfeld
Break on through to the other side.
Ja, ich glaube ohne Beziehung funktioniert echtes Lernen nicht. Aber es wird bestimmt spannend, wie / ob KI beides verändert.
Die Beschreibung mit der Summer und den einzelnen Teilen habe ich so oft gehört, dass sie mir wie meine eigene vorkommt. Ist aber von einer der besten deutschen Bands: https://www.youtube.com/watch?v=p4mrDPcWtzM&list=RDp4mrDPcWtzM&start_radio=1
(Wer mag hier eigentlich noch Kante?)
Lajla
Schön, dass wir dich jetzt etwas besser kennenlernen können. Auch ich war jahrelang in der Lehrtätigkeit und immer mussten sich die Deutschlerner im Goethe- Institut mit einem ihrer Lieblingssongs vorstellen. Dadurch habe ich viel Weltmusik kennengelernt.
Das Phänomen, so garnichts mit Musik zu tun zu haben, kenne ich nicht. Ich singe viel, sammle und spiele Flöten. Also Musik ist mein täglich Brot.
Ich habe mir das Stück angehört und den Text mitgelesen. Gefällt mir. Die Sängerin etwas zu zurücknehmend in der Stimmlage. Naja Chris Heyne oder Janis Joplin waren die kräftigen Stimmen aus meiner Generation.
Lajla
Chrissie Hynde muss das heißen.
ijb
@Olaf
Kante ist wirklich super, eine sehr beeindruckende Band. Ich muss aber auch gestehen, dass ich die Alben nicht kannte, als die Band noch existierte. Ich habe die Band erst entdeckt [witzigerweise sagt man heute ja immer „für mich entdeckt“, wie man ja auch sagen muss „für mich ist die Band beeindruckend“], als ihr letztes Album, das „nur“ ihre Theatermusiken zusammenstellt, rauskam, „In der Zuckerfabrik“. Das war ein echt tolles Album [„für mich“], und dann habe ich „für mich“ zurückgehend die anderen CDs schätzen gelernt. Die sind wirklich sehr, sehr gut.
__
Von Big Thief habe ich alle Alben auf LPs gekauft. Ganz zu anfang fand ich die Band auch nicht so super interessant („wieder eine dieser zahlreichen US-Indie-Sonstwas-Bands“), aber ein Freund von mir war bei ihrem Konzert, nach dem ersten oder zweiten Album und beschrieb das als eindrucksvoll. Interessant ist vielleicht, dass die Alben alle irgendwie wirklich gut sind, ich könnte aber (mit einer einzigen Ausnahme, nämlich dem Song „Not“, da ich davon mal ein enorm beeindruckendes Live-Performance-Video gesehen habe), kein einziges Lied namentlich nennen, geschweige denn wüsste ich, welches Lied welchen Titel hat. Ich höre die LPs immer als Album am Stück, und ich finde die Refrains und Texte tatsächlich nie so markant, dass die so hängen blieben wie bei anderen Rockmusik-Songwritern (um etwa gerade mal wieder die Rolling Stones einzuwerfen). Die Big-Thief-Alben finde ich alle wirklich gelungen, aber mit allen Soloalben der Sängerin Adrianne Lenker tat ich mich zuverlässig schwer. Ich habe die (fast) alle auch gekauft, aber fand die jeweils so langweilig und wenig einnehmend, dass ich die jeweils nach einiger Zeit wieder verkauft habe. Im Bandkontext ist das irgendwie bei weitem überzeugender, was sie macht. Also, „für mich“, natürlich.
Ich kenne das Gefühl, dass ich vor dem riesigen CD-Regal stehe, und beim besten Willen keine Musik finde, die genau jetzt passend scheint. Kommt nicht so oft vor, aber ich habe es als Moment verstanden und verbucht, in dem ich offenbar ein Problem zu lösen habe. Oder es mir grad nicht gut geht. Ich würde wahrscheinlich sogar sagen, dass es für mich auch in einem solchen Moment funktinieren würde, wenn ich einen „Klassiker“ anmachen würde, mit dem ich bestens vertraut bin und der mich dann „abholt“. Ich nehme dann aber dennoch das Gefühl an, dass es auch mal ohe Musik geht,
Olaf Westfeld
Sortiere gerade auch CDs aus, ca. 400 müssen gehen.
Meine beiden CDs von Kante bleiben (Zweilicht und Die Tiere sind unruhig), auch wenn ich momentan keinen player habe.
Leider fehlt mir Zombi, die habe ich nur als Download (genau so wie die schöne „In der Zuckerfabrik“).
Habe ein Big Thief Album – der (für mich phänomenale;) )Song Cattails ist da drauf, bin gerade zu faul zu schauen wie die Platte heißt.
Diese Gedanken gerade nicht uz wissen, was man hören will, rumoren noch ein bisschen bei mir. Später vielleicht mehr (oder auch nicht, it’s too hot!).
Ingo J. Biermann
Was passiert mit den 400 CDs? Wo werden die veräußert? Sicher ist da doch was dabei, was ich noch suche….
Olaf Westfeld
Bin Ende des nächsten Monats mit aussortieren fertig, dann waren auch schon zwei Freunde da; schicke Dir dann Fotos.
Wo wir jetzt schon völlig off topic sind: habe mir ein Early Bird Ticket für das XJazz Festival gekauft. Da bist Du vielleicht auch, Ingo? Oder jemand anderes, der mitliest?
Anonym
@Michael: Deine Low key-Annäherung an den Begriff Transzendenz gefällt mir! Wie du es übersetzt, also eher diesseitg, als ein In-Bewegung-bringen, Aufbrechen, vielleicht auch Vitalisieren, besteht weniger die Gefahr der metaphysischen Überhöhung, mit der ich zugegeben schon ein bisschen spiele in dem Text.
Danke auch für deine Hörhinweise (ich nenne die imaginäre Playlist jetzt einfach mal „Songs, die bleiben“)!
@Olaf und Ingo: Ich liebe Kante! Wie schön, dass ihr die auch kennt und mögt. „Zombie“ lief in meinen ersten Semestern als Studi in Würzburg (2004 – 2007) auf Dauerrotation. Ich bin über die Stationen Tocotronic und Blumfeld auf die Band gestoßen und fand im Vergleich – so sehr ich auch Tocotronic und Blumfeld schätze – Kante immer die „filigranere“, irgendwie anspruchsvollere, interessantere Band, was vielleicht auch an den jazzigen Zwischentönen und den poetisch-melancholischen Texten liegt.
„Cattails“ ist übrigens auf der U.F.O.F. von 2019. Gehört für mich auch in die Kategorie „bessere Big-Thief-Songs“. Grundsätzlich verstehe ich es aber auch, dass die Musik der Band nicht für jeden und sofort zugänglich ist. Lenkers Stimme ist schon auch „gewöhnungsbedürftig“ und in manchen Liedern ist sie für mich auch nicht zugänglich, bleibt sie blass. Ich stimme dir, Ingo, da absolut zu, dass dieses „bestimmte Etwas“ (man nenne es meinetwegen „Aura“) ihrer Songs sich erst im Zusammenspiel mit ihrer Band so richtig eindringlich entfaltet.
@Lajla: Das ist ja ein schöner Zufall, weil ich tatsächlich auch eine zeitlang als Deutschlehrer an einem Goethe-Institut (in Frankfurt) gearbeitet habe! Ich habe da auch immer viel und gerne mit Musik gearbeitet, wenngleich auch der Musikgeschmack der internationalen jugendlichen Studis nicht immer der meine war (Rammstein war leider sehr hoch im Kurs).
Was du ansonsten bezüglich des Lebens mit Musik schreibst, kann ich sehr gut nachempfinden. Musik ist wie erwähnt auch meine „innige Lebensbegleiterin“, die für mich normalerweise sehr präsent und bedeutungsspendend ist. Ich schreibe und performe ja auch selbst Musik. Diese im Artikel beschriebene Art des „Musiküberdrusses“ oder des musikalischen Bedeutungsverlustes ist für mich dann immer ein Indikator dafür, dass etwas nicht stimmig ist, also so lebenssituationstechnisch. Es ist dann zumeist heilend, auf Musik zu stoßen, die mir einen Zugang zurück zu diesem „Normalzustand“ von musikalischem Leben eröffnet. In dieser im Text erzählten Phase war es (zufällig?) Big Thief.
Chrissie Hynde als Künstlerin ist bisher leider an mir vorbeigezogen, wobei mir die Pretenders schon ein Begriff sind. Hast du einen Anspieltipp für mich?
Lajla
Kennen wir uns vielleicht vom G.I. Frankfurt? Habe dort die Fobi “ computerunterstützter Unterricht“ gemacht. Ich glaube eher nicht. Bin ne Runde älter.
Da ich Ray Davies Songs mag, empfehle ich die Stücke, die aus der Beziehungszeit stammen. Like: I Go to sleep oder Hymn to her.