Andrew Jackson Asshat und andere Erhabenheiten

Auf „On The Militant“, einem Titel aus dem 1996 erschienenen Album „How 1 Quit Smoking“ von Lambchop, erinnert sich Kurt Wagner an eine bedrückende Entdeckung auf einer Baustelle: „KKK“ ist dort in den frischen Zement eingeritzt. Wagner kratzt die Initialen mit einem Schraubenzieher ab, aber der Schaden ist unauslöschlich und reicht weit tiefer als ein bisschen „zerknitterter Beton“.
Zu Lambchops Leitstern hat schon seit langem ein Gespür für Unbehagen und Misstrauen gegenüber dem, was unter dem Alltäglichen liegt, für jene Momente, in denen beispielsweise Gewalt plötzlich an die Oberfläche bricht, doch im Laufe der Zeit sind seine schlafwandlerisch-wachsamen Texte abstrakter geworden, sein verstärkter Einsatz von „Auto-Tune“ und Verzerrung mischte sich seit 2016 in seine Sicht auf die Dinge. Er beschreibt „Auto-Tune“ es als „ein Kumpel an meiner Seite“ ein, welcher als Stoßstange diente oder Stossdämpfer, eine Möglichkeit, Abstand zu seinen dunkelsten Gedanken zu gewinnen.
Es ist daher bemerkenswert, dass „Punching The Clown“ – das erste Album von Lambchop seit dem von Narben und Erschütterungen gezeichnete Opus „The Bible“ von 2022 – wieder Wagners wundersam melanhcholische, unbearbeitete Stimme in den Mittelpunkt stellt, wodurch die hauchdünne Intimität seiner frühen Werke teilweise wiederhergestellt wird.
Anstatt die musikalische Begleitung nicht selten mit Maschinen auszulagern, hat Wagner (in Zusammenarbeit mit dem Gitarristen und Ko-Komponisten Andrew Broder) zwei Chöre engagiert – das „Eau Claire Vocal Sextet“ und der 12-köpfige „London Chor“ – einfühlsam agierende Formationen, die Wagners Bedürfnis nach einem betörenden „Call-and-Response“ im Gospel-Stil erfüllen. Statt zu übertönen und zu überdecken, ist reflektierendes Zuhören das Programm dieser „blauen Stunde“.
„A Doctor In The House“ versprüht eher die düstere Atmosphäre vergangener Zeiten und das Flackern einer Öllampe; „Andrew Jackson Asshat“ hingegen steht im Kontrast zur Hässlichkeit seines Titels und fliesst mit einem rauschhaften Gesangswirbel herab, einer Kaskade von Judee Sills ähnlich, während Wagner über die „ewige Seele“ sinniert, jenes Etwas, das uns vielleicht überdauert.
Das soll aber nicht heißen, dass „Punching The Clown“ sich völlig von seiner Zeit löst. Ryan Olsens Inszenierung lässt nach wie vor unheimliche Störungen und Verzerrungen zu: nicht zuletzt der Ausruf „Lambchop! Kein Scheiß!“ mischt „Just West Of“ ordentlich auf; da ist der Klang eines kleinen Risses im Raum-Zeit-Gefüge auf „Weakened“, einer Studie am Sterbebett. Ohne in Parolen zu verfallen, fängt Wagner anderswo auch die dunklen Schwingungen der amerikanischen Gegemwart ein, aktuelle politischen Unruhen werden mal zu latenter Wut, zu stillen Subversionen verarbeitet, oder zu einem gehörigen Unbehagen angesichts einer vulgären Parade.
(Victoria Segal, Mojo, September & ein paar Einmischungen von M.E., übersetzt mit Deepl)