„Das heisst aber nicht, dass wir jetzt wieder zusammen sind“

„Wir holten Docs Outfit von Neil Young, dem der Siebziger, diese Muttonchops, der buschige Backenbart, und einige der Kleidungsstücke sind direkt von ihm geklaut. Ich denke, man kann keinen Film über diese Zeit und diese Kultur machen, ohne direkt auf Neil Young zu gucken.“ (Paul Thomas Anderson)

Erst jetzt, nach mehr als zehn Jahren, sah ich „Inherent Vice“ zum ersten Mal, Paul Thomas Andersons Verfilmung von Thomas Pynchons Roman gleichen Namens. 2014 bekam er ein bunt gemischtes Echo, und ich geselle mich nun, nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, nach nur leichtem Zögern, auf die Seite seiner Fans. Manche seiner Filme lagen mir mehr als andere, und seine Zeitreise in die frühen 1970er Jahre nach Hippie-California ist ein zweieinhalbstündiger Trip, in dem mich ein paar Sachen besonders gefesselt haben. Etwa die Art, wie er, abseits des Soundtracks von Johnny Greenwood, Lieder aus jener alten Zeit mit dem herrlich zerfaserten Plot kurzschliesst. Da kann ich mich gut reinfallen lassen, wenn auf einmal Cans grösster Hit aus „Ege Bamyasi“ den Ton angibt, oder zwei Lieder von Neil Young den Soundtrack einer alten Liebe des dauerbekifften Doc Sportello befeuern. Es ist der vielfach gebrochene Mythos vom Detektiv mit dem reinen Herzen, weicher, mit einem fragileren Ich ausgestattet als die Sam Spades und Philip Marlowes des alten Hollywood, von eine aberwitzigen Situation in die nächste gerät, und stets haarscharf am kompletten Desaster vorbeischrammt. Von Anfang wurde ich das Gefühl nicht los, dass Doc Sportello seiner Lang-Verflossenen hinterhertrauert. Und dass da irgendwann im Laufe des Filmes was passieren muss, das ihn von diesem Trauma erlöst. Ja, Freunde des psychedelischen Kinos, und dann passiert genau das, die gute alte Tante „Katharsis“ betritt den Raum, und unser „private eye“ traut einmal mehr seinen Augen nicht: „sexual healing“!

Nicht nur Doc Sportello wähnte sich kurz vor Ende des Films in einer Zeitmaschine, auch der Verfasser diesr Zeilen sass in einer solchen und nahm unterwegs folgende Seelennahrung zu sich, an einem langen Wochenende: Tale Spinnin‘, ein unterschätztes Album von Weather Report in Surround, „Spring Hill Fair“ von den Go-Betweens, einmal mehr „Dume“ von Neil Young (die Neufassung von „Zuma“ als Doppelalbum), und „Original Soundtracks 1“ von den Passengers: bei dieser Scheibe weiss man auch nicht so recht, ob man in einem neu vertonten Antonioni-Film sitzt oder in einem abgedrehten Science Fiction-Movie. Und, kein Witz, ich hörte mir das nieendenwollende Stück „magnificent seventies“ vom American Analog Set an! Das alles übrigens ohne Dope!

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