“Safe Journey“ (2/10)
Auf seinem neuen Album „Close“, erzählt Steve Tibbetts, hätten sich die Titel der einzelnen Stücke geradezu von selbst geschrieben, und wirft einen Blick in seine Notizbücher. Ihr könnt Steve hören, wenn ihr auf die ersten zwei Stichwortzeilen „klickt“, unterhalb des Covers. Die dritte Zeile führt zu einem seiner „notebooks“ – old and new titles, so to speak. In other words: old and new dreams!
Ich hatte damals, 1983, nur sein ECM Debut „Northern Song“, das wie ein „klassisches ECM-Album“ produziert wurde, zusammen mit Manfred Eicher und Jan Erik Kongshaug, an zwei, drei Tagen in Oslo. An „Safe Journey“ arbeitete er hingegen, wie bei allen Nachfolgern, kleine Ewigkeiten, tagaus, tagein, in seinem Studio in St. Paul, Minnesota.
Dass die Musik von Steve lebensbegleitend sein würde („lifers“ nannte mein alter Mana-Freund aus Glasgow solche Alben gerne), ahnte ich schon, als „Northern Song“ allzugerne tagelang meinen Plattenspieler in dem Dörfchen Bergeinöden blockierte. Und ich WUSSTE es, als mir „Safe Journey“ via „Jazz By Post“ zukam, meinem Dealer in den Siebziger, Achtziger Jahren für die aufregendste Musik der Welt.
„..… eine Art Ambient-Electric Ladyland – es verschmilzt die expressionistischen Pastelltöne des Post-Eno-Art-Rock mit kristallklaren, Oregon-ähnlichen Folk-Impressionen und überraschenden Ausbrüchen von heavy Acid-Wail.…“
Auf kleinen Newslettern fanden sich auch die Neuheiten kleiner amerikanischer „independant labels“. Wochen zuvor hatte ich eine begeisterte Besprechung gelesen, in „Stereo“ oder im „Jazzpodium“ und wartete voller Ungeduld auf die Schallplatte. Those were the days. Ich wünsche mir ein Boxset mit all seinen ECM-Platten. Ungefähr so umfänglich wie die Mammut-Edition von Keith Jarretts „Sun Bear Concerts“.

Im „Downbeat“ stand damals eine Rezension (4 1/2 -Sterne), in der ein paar Vergleiche gezogen wurden, munter und querbeet. Leicht behindern solche „Kontexte“ die Wahrnehmung der unheimlichen Frische und Eigenständigkeit seiner Musik. Ein „Ikonoklast“ sei er, sagte mir neulich ein guter Bekannter, und ich lachte. Wir sprachen über seine Kunst und seine „Stories“. Ganz bestimmt würde ich im Deutschlandfunk nicht sagen, Steve sei ein „Ikonoklast“, und lachte noch mehr, egal, wie sinnig dieser Ausdruck sei. Aber dass das neue Album „Close“ ein „instant classic“ sei, das würde mir leicht und in bestem „Anglodeutsch“ von dem Lippen gehen.
„Close“ ist ein „instant classic“. Just give it some time…😉
Und this is the tracklist from „Close“… and there‘s a rhythm in it, for sure…. in den Klanghorizonten am kommenden Donnerstag spiele ich daraus: Away, Part 3, We Begin, Part 3, sowie Away, Part 1…

Ich schweife ab, egal. Übrigens, ein paar diskret eingestreute „field recordings“ schlichen sich in das Stereopanorama von „Safe Journey“.
„Each piece on Safe Journey is a textural construction, a layering of sounds, rhythms, and ideas. The fundamental concepts are primarily Western – bits of folk music, rock, jazz, and modern classical – but Tibbetts‘ use of repeating figures and cyclic structures brings to mind the Indonesian gamelan music that influenced Steve Reich. Tibbetts‘ guitar playing is rooted in familiar folk and rock techniques. When he chooses to overlay distorted power chords with screaming single-note lines, it is easy to hear the legacy of Jimi Hendrix. His use of space and long sustaining passages, though, suggests early Pink Floyd and Soft Machine, and some of his layering and tape manipulation recalls the experiments of the Beatles (think of Strawberry Fields).“ (downbeat review, excerpt)