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  • True Story

    A documentary

    Some of you liked to listen to Malcolm Jiyane‘s music
    in my edition of JazzFacts. One reason to dive into
    stories and moments around the production,
    and musical life, of the South African trombone player.

  • In der Pariser Metro, im Keitumer Teekontor, und anderswo


    Es ist wie bei einer Meditation: die richtige Sitzposition hilft, zur Ruhe zu kommen. Der Teekontor in Keitum ist ein Power Spot, dessen bürgerliche Akkuratesse durchaus hilfreich ist für die Verwandlung des eigenen Bewusstseins. Dort nimmt man bei schlechtem Wetter auf der Couch Platz, von der aus das obige Bild geschossen wurde. Noch besser, im vordersten Strandkorb draussen, mit Blick auf die weite Prairie. (In der Regel sind sie anders aufgestellt, nämlich so, dass der Blick allein aufs weite grüne Feld gerichtet ist.) Man bestelle sich eine Kanne mit grünem, weissem, oder schwarzem Tee: die Beschreibungen der Getränkekarte sind verlässlich. Das High stellt sich nach 20 Minuten ein. Und so ist es nun mal beim Teegenuss: die Gedanken werden, mitunter, schärfer, heller, luftiger. Man muss es nicht Meditation nennen, auch „heiteres Verweilen“ macht Sinn. Ich habe dort schon oft über Stunden an dem „Sequencing“ der Stücke für die Klanghorizonte gearbeitet, mit Papier und Bleistift. (Das waren ja auch fünf Stunden in den letzten Jahren, also galt es fünf Spannungsbögen zu basteln.) Diesmal ist die Reihenfolge bei mir daheim entstanden. Jede gelungene Abfolge ein kleiner „Coup“.

    Übermorgen, in den Klanghorizonten am 25. Juli , im Deutschlandfunk, um 21.05 Uhr, hat der „Coup“ folgende Gestalt. Neun Tracks. Drei Teile. // Erster Teil (DISTANT HILLS): Ank Anum: Song of the Motherland (1985) / Saru l-Qamar: A Lily  / Arushi Jain: Delight // Zweiter Teil (IN A STATION OF THE METRO): Warrington Runcorn New Town Development Plan: Your Community Hub / Erik Honoré: Triage / Pan American & Kramer: Reverberations Of Non-Stop Traffic on Redding Road // Dritter Teil (HEAVENLY MUSIC CORPORATION): Beth Gibbons: Lives Outgrown / William Parker & Ellen Christi: Cereal Music / Richard Horowitz: Eros in Arabia (1981)

    Es gibt Gedichte, die hallen nach seit frühen Jahren. Auf jeden Fall erging es mir so mit dem berühmten Dreizeiler von Ezra Pound, betitelt „In a Station of the Metro“. Wie oft dachte ich an ihn, wenn ich in London mit der Underground fuhr, Richtung Epping Forest, Picadilly Circus, oder Angel Station. Die zwei Zeilen unter der Überschrift: „The apparition of these faces in the crowd: / Petals on a wet, black bough.“ Zuweilen, wenn der Blick ins Leere ging, oder in Sekundenschnelle fremde Gesichter zu lesen versuchte, schwebte diese Vorstellung einher, diese Röhren der unterirdischen Räume als nasse kalte Baumstämme wahrzunehmen. Dann sprach ich die Zeilen leise aus, wie jenes andere Mantra in Londoner U-Bahnschächten: Mind the gap, mind the gap, mind the gap. Lauschen Sie, in den Klanghorizonten, der Vertonung von Erik Honoré. An seiner Seite Sidsel Endresen, Arve Henriksen, Jan Bang, Kirke Karja und Tim Nelson. Das Album „Triage“ wird beim diesjährigen Punktfestival in Kristiansand uraufgeführt. Es erscheint auf „Punkt Editions“. als LP, CD, und DL.

  • Tiramisu, Jazz, und Ank Anum (Nachklapp)

    Restaurant Robert. Am Rheinufer. 17. Juli, 11.50 Uhr. / The Flowflows: Toni, bcl, Lajla, Irish flute, Norbert, dr, Ulrike, spoken words, Olaf, spoken words, Michael, spoken words, Martina, spoken words. Das Wetter vor Ort: 21 Grad, vereinzelte Wolken.

    …. und hier der „Nachklapp“… das Beste war, dass es ein guter Mix war, und sich manche gar nicht kannten. Das galt sowohl für Blogger wie Blogleser. Radiohörer sind alle. Als hinterher ein paar Blogthemen zu in kleiner Runde behandelt wurden, war klar, dass technisches Knowhow und der Blogmacher Nevzat gefragt sind. Immerhin sollten bald Fotos passend in Texte eingefügt werden können. Undundund. Spätestens, wenn Nevzat aus dem Urlaub ist. Auch möchte ich wissen, wer an einem Zoom interessiert ist. Ich schicke noch eine Rundmail, und sende die Antworten dann, bearbeitet, an Nevzat. Lasst uns das nicht hier in den comments klären. Viel interessanter waren die „good vibes“ zwischen uns. Zwischen allen. Für mich war es eine besondere Freude, Toni und Norbert kennenzulernen. Und ich freue mich, bald einmal oder zweimal in dem Tornadostädtchen in Ostfriesland haltzumachen, und nicht minder, mal wieder in Hamburg rumzustromern. Mein letzten Konzerte dort, in der Fabrik, lange her, David Byrne und Lambchop. Toni hat mir Lust auf den Bremer Sendesaal gemacht, wo übrigens Florian Weber seine demnächst bei ECM erscheinende Arbeit aufgenommen hat. Nd die hat es in sich. Wir kamen von Hölzchen auf Stöckchen… ein calvinoeskes Treffen, lauter schöne Zufälle! (A propos: meinen Blutsbruder Matthias konnte ich nicht ausfindig machen, aber mein alter Schulkamerad und Polizist im Ruhestand, Michael Z., folgt einer Spur im „Gänsemarkt“.)

  • Das Juwel im Lotus



    Wenn man mit 18 das Downbeat Jazzmagazin abonniert hat, ist man als Musiklover identifiziert. Dort entdeckte ich 1974 eine 4 1/2 oder 5-Sterne-Besprechung dieser Schallplatte, und das las sich so spannend, dass ich als ECM follower der frühen Jahre sofort zugrif, via jazz by post oder sonstwo. Der Zauber dieses Albums ergriff mich sofort, nie hat Bennie ein feineres Album als leader gemacht. Als sideman war er bei manchem hot shit dabei, von Herbie Hancock, Miles Davis und anderen Gesellen. Das Cover hat den spirituellen Charme der frühen Siebziger. Später erfuhr ich, dass Adam Rudolph als kleiner Knirps im New Yorker Studio mit dabei: sowas prägt, eines von Adams späteren Alben hiess Hu Vibrational. Gleich fahre ich mit der Bennies Meisterstück nach Köln, um die Playlist der Klanghorizonte (26.7., 21.05 Uhr) in den Computer mit dem wohlklingenden Namen Web Merlin reinzustellen. Die Fahrzeit von 50 Minuten wird komplett von Bennie Maupin und etwas Stille stadtauswärts und stadteinwärts begleitet. Bennie Maupin. Herbie Hancock. Buster Williams. Frederick Waits. Billy Hart. Bill Summers. Charles Sullivan. Ein Traum. Die Klanghorizonte beginnen und enden mit zwei lang vergrabenen Schätzen der Achtziger, sie erzählen von Motherland Afrika , und Eros in Arabien. Gute Geschichten. Verdammt gut Geschichten. Alles Traumstoffe.

  • 2024 Nachfluss 1

    Henning Bolte

    2024 has passed its middle already. I’m still in 2024 review-state. Events and experiences in dense succession:

    * München Residency with three concerts and an exposition (January – March)

    * Dortmund Exposition (February – July)

    * Jazzahead! Bremen (April)

    * Music Meeting Nijmegen (May)

    * Acores, São Miguel, Pico (May/June)

    * Jazzdor Berlin, InJazz Rotterdam (June)

    * Prequel Triennale Monheim (July)

    Great diversity to deal with, beautiful topics worth to dive in …

  • Big Sister Taylor Swift in the Neighborhood



    Was bitte macht Taylor Swift in Gelsenkirchen? Falsche Frage! Was macht sie aus Gelsenkirchen, der ärmsten Stadt in Deutschland? Sie verwandelt das „Shithole“, wie es die englischen Fans während der EM nannten, in ein singendes, glitzerndes Swiftkirchen. Miss Americana gibt dem Pott die Ehre, die Arena wankt wie in Assauers Bestzeiten. Was geht da auf Schalkes Terrain ab? Die große Freundin ist gekommen, und ihre tausenden Freundinnen besuchen sie. Ihre Swifties waren fleissig, haben das Outfit mit Pailletten und Glitzer genäht, sie haben Cowboystiefel bei dieser Hitze übergezogen und natürlich ist ihr Mund blutrot angemalt. An den Armen hängen viele Freundschaftsbändchen, die ihre Big Freundin mit LED Lampen versieht, damit ihre Fans auch in der Nacht zu dem grossen Friendshipevent finden. Auch ich spüre die kõrperliche Nähe einer mir unbekannten Freundin, die mir lächelnd ein Bändchen überreicht. Diese so hergestellte Nähe ist ein wahrer Kunstgriff, der die anonymen bleibenden Followerfriends ins Abseits stellt. Die Zahl 13 steht auf Stirnen oder Handgelenken, big sister was born on the 13th of Dezember. Auf meine Frage an die Fans: was gefällt Euch an Taylor Swift, kommt nie als Antwort, sie sei eine geile Frau oder ähnliches. Immer antworten sie: ihre Musik, ihre Lyrics. Es ist schon phänomenal, wie die meist sehr jungen Mädels die Texte singen können. Überall in der Innenstadt stehen Boxen mit jungen Fans, die die Songs wiedergeben. Alle singen mit, egal ob sie die Currywurst gerade quer im Mund haben oder nicht. Ich setze mich in ein Café und denke über die Sinnlichkeit in der Popmusik nach. Nicht vorstellbar, dass wir uns wie Bob Dylan oder Neil Young oder Joni Mitchell verkleidet hätten. Nur wenige konnten die Texte dieser alten Heroes mitsingen. Dass die Swifties das können liegt an den Videos auf YouTube, die alle Texte zum Mitlernen anzeigen. Das ist ein anderer Kunstgriff von Taylor, sich ihre Fans zu angeln.

    Und die Lyrics sind gut. Sie hat immerhin einen Ehrendoktor von der Universität in New York erhalten. Auch in unseren akademischen Breiten hält der Medienwissenschaftler Jõrn Glasenapp der Uni in Bamberg eine Vorlesung über Big Sister. Der Philosoph Eilenberger sagt in seiner Sendung Sternstunde der Philosophie über Taylor Swift am Ende: Warum wird sie nicht der neue Präsident der Demokraten. Taylor ist nicht politisch, sie ist bestenfalls eine engagierte Feministin und klar gegen Trump.

    Mein Lieblingssong ist übrigens „The Lakes“. Da singt sie zu schöner Melodie über den Lakedistrikt und die Dichter, die dort starben. Ich habe immer einen Band von Wordsworth dabei, wahrscheinlich mag ich deswegen den Song. Er ist als Appendix des Albums FOLKLORE zu finden.

    Hätte ich nur 5 Minuten Zeit gehabt, Frau Swift zu fragen, weshalb sind sie in die ärmste Stadt Deutschlands gekommen , spielen gleich drei Konzerte, für die Sie 100- 700 EU Eintritt verlangen? Ich denke sie hätte geantwortet: I promise, I soon come again.

  • Some lines for Paul Newland



    Dreaming of coffee and yesterdays, we landed, songwise, in
    troubles being far away, and the valley down below.

    Then, i took the highway from the city of early years
    to Aachen, before the heat reached its peak,

    all my girls out of house, swimming, walking etc.
    i preferred the electric cave, cold water, listening …

    at first two sides of that wonderful double vinyl LUX
    though always recognizing Eno‘s „writing“, one ambient album
    never is like the other: on this one i love the soft
    piano notes like silent explosions, amongst everything else.

    Then, after more water, and a cup of wood-roasted coffee,
    i put on your latest, MUNTJAC, what a „grower“:
    getting lost is a gift here, and time the pathfinder!
    The singing songs, the ways of walking, the quiet upheaval

    of memories of days long gone or just like yesterday.
    I will send you my questions soon, Paul, the last two tracks,

    MUNTJAC and AMBRESBURY BANKS,
    have to be the last two tracks,

    beautiful ghosts sending secret messages in sound,
    all their goodbyes one welcome after the other!

  • “High Five“ – my radio shows in the year 2025

    Time to say goodbye. So ist es, und das war die Nachricht für die Tischrunde bei „Robert“: im kommenden Jahr mache ich, wenn alles normal läuft, vier „Klanghorizonte“ am Stück, und zwar im März, Mai, Juli und September. Brian Eno, Steve Tibbetts und Thomas Köner werden zu den geladenenen Gästen zählen, die eine und andere Überraschung ist garantiert! Die „Januarhorizonte“ gestaltet Niklas Wandt, die „Novemberhorizonte“ Thomas Loewner. Das wird die fliessende Staffelübergabe sein. Kein Magazin der „JazzFacts“ mehr anno 25, dafür, vermutlich im November nächsten Jahres, noch ein knapp einstündiges Portrait eines Künstlers / einer Künstlerin nach meiner Wahl.

    Meine Farewell-Runden! Würde Steve Tibbetts im Herbst 25 ein neues Album herausbringen, fiele meine Wahl natürlich auf den, von Fall zu Fall, geräuschvollsten Gitarristen aus dem Hause ECM (denken sie nur an „The Fall Of Us All“), denn mit Steve hat alles angefangen im Kölner Rundfunkhaus, im November 1989 – damals hiess das Format noch „Studiozeit“. Ein Kreis schliesst sich, so oder so, und, in alter Cluster-Manier, „sowiesoso“! Nebenbei: meine nächste Ausgabe der „Klanghorizonte“ findet am kommenden Donnerstag, um 21.05 Uhr statt, mit O-Tönen von Shabaka Hutchings und Erik Honoré.


    Bevor später die ganze Nacht von diversen „Nighthawks“ gestaltet wurde, waren die stilistisch weltoffenen „Horizonte“ wechselweise eine oder zwei Stunden lang, die genauen Taktungen kann ich nicht mehr aus dem Ärmel schütteln – Toni brachte mir ein paar alte Playlists mit (anbei ein Blatt aus dem Frühling 93, mit Talk Talk, Gavin Bryars, Thomas Köner, Heiner Goebbels u.a.). Früh im September 2024, direkt vor dem Punktfestival von Kristiansand, mache ich ein letzes Mal „Jazz Facts – Neues von der improvisierten Musik“, und im Dezember (ein weiteres Finale), mit Karsten Mützelfeldt und Thomas, den Jahresrückblick über unsere drei Favoriten des Jazzjahres.

  • „I’m a daydream believer“ (Langeoog 2015)

    Als auf dem alten Blog Gregor noch auf Sylt die Jukeboxen bestückte, das dortige Mana-Treffen schon Geschichte war, da schrieb ich diesen Text. Viellecht waren John Steinbecks Reisen mit Charlie etwas spannender. Aber auf Langeoog sind luzide Träume stets so nah wie der Drachen in der Luft. Jetzt ist es wieder soweit. Einer Flowworkerin sei Dank!

    People Take Pictures Of Each Other“. Der letzte Song von Seite Zwei. Ach, die Kinks. Kennt ihr den berühmten Kinks Fanclub auf Amrum, in der „Blauen Maus“? Das Auto bleibt auf dem Festland. Sancho, mein Hund, und ich. Das Wetter bewegt sich konstant um 20 Grad herum, der Leuchtturm ist nicht so entlegen, wie ich es am liebsten habe, ich kenne ihn seit meinem achten Lebensjahr. Die Insel ist mir vertraut, überall Dejavues mit jüngeren Ausgaben meines Ichs, und all jenen, die lange fort sind, fast aus dem Sinn. Hier ist die Buchhandlung, in der ich Peter Rühmkorffs Gedichtband „Haltbar bis Ende 1999“ kaufte, dort ist das Cafe, deren Tortengrösse sich wohl seit den ersten Wallungen der Wirtschaftswunderzeit nicht verkleinert hat. Rumtorte, riesig, reine Nostalgie. Die Sandorntorte im Leiss. Pflaumenkuchenorgien. „Banana Split“ war in der alten Bundesrepublik mal so exotisch wie ein afrikanischer Klangtraum von Les Baxter in einem lang versunkenen Amerika. Der erste Stau auf der Fahrt in den Norden. Morgen der erste Sprung in die Wellen. Im Auto läuft Jan Garbareks „Dis“. Immer gut, mit eimer Windharfe ans Meer zu reisen. Sancho liebt das Autofahren. Er träumt, wie ich herausfand, meistens in Farbe. Ein psychedelischer Hund. Ich würde mich jetzt gerne mit Ray Davies unterhalten. Ich bin träumendes Mitglied der „Village Green Preservation Society“. Es gibt einen kleinen Dschungel auf der Insel, mit Teestube. Die Dämmerung der Kindheit darf nicht verloren gehen. Das Glück des Brötchenholers erlebte ich schon damals, auf der Lieblingsinsel junger Jahre. Dabei spielten ein Roller und ablandiger Wind die Hauptrolle. Unvergesslich, in meinen Teenagerjahren, die morgendliche Sichtung der Schaukästen mit den Kinofilmen der nächsten Tage. Mein „Paradise Cinema“ auf einer ostfriesischen Insel: oft eine umgebaute Bretterbude, oder eine einstige Kegelbahn. No pictures will be taken.