Uncategorized

  • Caetano

    1987 kaufte ich mir meine erste Platte von Caetano Veloso, und sie ist bis heute einer meiner liebsten geblieben. Seine ganz wilden Jahre lagen hinter ihm, und obgleich der Sound moderner wurde, diente alles den Liedern, seiner Fähigkeit, sanft-eindringliche Melodien zu kreieren und sie mit dem passenden Ambiente auszustatten. Allein das Cover mach deutlich, dass es sich hier auch um perfekte „Music for Summer Evenings“ handelt. Jahre später erschien das in meinen Ohren nicht minder andockende „Estrangeiro“, hier war der Klang noch wesentlich experimenteller, und ein gewisser Arto Lindsay gesellte sich zu den Kollaborateuren. Ein gewisser Detlef (!) Diederichsen war in einer langen Besprechung hin und weg, und ich verstand das gut. Als ich dann in den 1990er Jahren, oder war es noch später, Julio Medems Meisterwerk „Terra“ im Kino entdeckte, hatte ich meinen absoluten Caetano-Favoriten gefunden, den Song „Terra“, der sich auf dem leisen akustischen Album „Muito“ einfand, spät in den 1970ern, und mich mit der Verzögerung von zwei Jahrzehnten so verzauberte wie einst „Waterloo Sunset“ von den Kinks.

    “Noite de Hotel“

    “Terra“

    “O Estrangeiro“

  • Flughäfen sind Inspirationsquellen

    Ich frage mich immer, wohin so viele Menschen reisen. An ihrer Kleidung kann man ihre Herkunft abschätzen, man weiß aber nicht, was ihr Ziel ist. Auf den Flughäfen gibt es keine Kleiderordnung, jeder trägt, was er will. Man sieht die Bermudashorts neben dem Smoking, das Minitop neben den langen Hippieröcken. Bei der herrschenden Hitze zur Zeit ist es nicht erstaunlich, dass manche junge Frauen viel Körper zeigen. Ich lese nie an Flughäfen, es ist viel zu interessant zu schauen, was da in den langen Laufstegen passiert. Welche Geschichten, welche Geheimnisse laufen da an mir vorbei? Es ist auch interessant, dass die Fliegerschwarmintelligenz immer nur zwei Richtungen kennt, Querläufer haben es schwer.

    Ich bin auf meinem Rückflug auf meine Insel mit Zwischenstopp auf Menorca. Der erste Eindruck lädt ein, wiederzukommen. Es herrscht ruhiges freundliches sauberes Mittelmeer Ambiente. Menorca hat das Glück, im Schatten von Mallorca zu liegen.

    Mein Abschiedsaufenthalt führte mich in einen Raum bei einem Freund, wo nur Musik als Ausstattung vorhanden war. Überall Kabel, Geräte, Schallplatten und CDs. Ich habe mal die herumliegenden CDs fotografiert, um Euch zu fragen, ob Ihr die Musik kennt und ggfs schätzt.

    Paul Bley, Gary Peacocks, Paul Motian: „Not two Not one“ // Freddy King: „Getting Ready“ // Franci Elt‘ok Jazz // Vintage Taj Mahal: „The complete 1971 performance” // Chubby Carrier and the Bayou Swamp Band: „WHO stole the HotSauce” // Travis: „12 Memories” // Hanna Paulsberg Concept // Magnus Pro: „Daughter of the sun” // Harald Haerter: „Cósmic”

  • Music for Late Summer Evenings (3) – „LC“ (The Durutti Column)

    In ihrer Sammlung perfekter Spätsommeralben taucht, bei The Aquarium Drunkard, kaum überraschend, auch Viny Reilly auf. Seit dem Debutalbum begegnete mir die Musik aus der Wekstatt des Produzenten Martin Hannett immer wieder, nahm mich mal mehr, mal wenger gefangen. Aber wenn sie mich im richtigen Moment erwischte, war ich gefesselt von Anfang bis Ende all dieser raffiniert perlenden Melancholien. Damals fand die Musikkritik alle möglichen Assoziationsräume dafür, denn in Punk- und Post-Punk-Zeiten war diese „bedroom chamber music“ auf wundersame Weise abseitig. Man sprach von Ambient, Minimal, Impressionismus und der Luftigkeit von ECM. Vor ziemlich genau zehn Jahren wanderte Ian McCartney durch Liverpool. Seine Notizen von jenem Tag finden sich weiter unten. Er war ein grosser Freund vom The Durutti Column. Rest in peace, my Glasgewian friend! (m.e.)

    „Vini Reillys Gitarrenskizzen schweben wie etwas Unvollendetes in der Luft und weigern sich, endgültig ihren Platz zu finden. „The Return of the Durutti Column“, im Sommer 1979 aufgenommen und zu Beginn eines neuen Jahrzehnts bei Factory Records veröffentlicht, verwandelt Abwesenheit in eine Entstehungsgeschichte und dient zugleich als ästhetischer Entwurf für den gesamten Ansatz des Projekts. Diese Ausdrucksweise wurde auf dem zweiten Album, „LC“ aus dem Jahr 1981, vertieft und verfeinert. Drückt diesen August auf „Play“ und lasst die sechzehn Titel im Hitzeschleier vergehen. Der Nachmittag wird sich um den Rest kümmern.“ (j.gage)

    Psychogeography of Liverpool, August 2016 (by Ian McCartney)

    Some cities lend themselves better to psychogeography than others. Maritime cities – seagull cities – do well in this respect. There are so many seagulls in Liverpool they have a representative on the City Council: Mr Squawk. He speaks in mystic aphorisms. He eats french fries off the sidewalk with dignity and nonchalance. His favourite book is „Preep, the Little Pigeon of Trafalgar Square“ by Milton Shulman. His favourite song is „Thorn of Crowns“ by Echo & The Bunnymen.

    And you walk around this city-state pyschogeobubble and there is so much cosmos in there you have to ask yourself if you are in a dream. Wait for me on a blue horizon. Wait for me on a new horizon. Few are the places, said Mr Squawk, that make you question the aperçus of Raoul Vaneigem. I asked Mr Squawk what the fuck he meant by this. He said, „ … well Vaneigem said that to be rich nowadays merely means to possess a large number of poor objects but to be here, in Liverpool, is to be rich. Objects or no objects, ground or fucking sky. My only regret is that Manchester had The Durutti Column and we didn’t …“

    But I digress. Or do I? Psychogeography doesn’t come with a map or an itinerary, just stars to hold and songs to sing. Yeah. An infinity of cups unbroken.

  • Music for Late Summer Evenings (2) – „Swimming With A Hole In My Body“

    While Bill Connors might be known to some as a fusion shredder with Return to Forever, this stuff is pure atmosphere, right down to the eerily surreal cover photo. The perfect accompaniment to that particular midsummer malaise; play this on a warm, overcast day when there’s nothing else to do but sit on the porch and watch the storm roll in. | j annis

    (siehe auch: monthly revelations: ARCHIVE, two other classics from and with Bill Connors)

  • Music for Late Summer Evenings

    „Keine Jahreszeit regt so sehr zum rituellen Musikhören an wie der Spätsommer. Während die Tage in einem Hitzeschleier versinken und die Abende noch ein wenig länger andauern, offenbaren alte Platten unerwartete Facetten und hören sich an, als wären sie für solche „dog days“ wie geschaffen.“

  • Daniel Lanois from a record store

    “What‘s in his bag?“

    Es ist eine Freude, Dan auf seinem Stöbern durch alte und nicht so alte Platten zu folgen, mit ein paar Überraschungen, Altvertrautem, und richtig guten kurzen Kurzgeschichten. Ich höre ihm immer gerne zu. Ich verrate nicht zuviel, wenn ich verrate, dass es mit einer Platte beginnt, die ich erst neulich aus meinem Regal gefischt habe, und die einfach nicht aufhört, grossartig zu sein, „Yellow Moon“ von den Neville Brothers. Ein Album, auf die sich wohl alle Flowies einigen könnten. Lanois‘ „Belladonna Nocturne“ ist eines unserer Alben des Monats August!

  • Long buried treasure

    Andy Hamilton, The Wire, September 2026. Der Beginn seiner Würdigung dieses lang vergrabenen Schatzes. Von diesen Dreien ist der Saxofonist Carlos Ward am wenigsten bekannt, aber ich hatte das Glück, ihn einmal für ein 45-minütiges Porträt im Deutschlandfunk interviewen zu können. Manchen werden sich an seine Zusammenarbeiten mit Dollar Brand alias Ibdullah Ibrahim erinnern, oder an sein feines Saxofonspiel auf dem tollen Paul Motian-Alben „Tribute“. In der Begegnung war er überaus freundlich, über seinen alten Weggefährten Dollar wollte er kein Wort reden – da ist es wohl zu einem Bruch gekommen. Ein grosses Lob an WeWantSounds, die uns schon viele Entdeckungen beschert haben.

  • Kate Wolf and Jesse Ballard

    Bei unserem kurzen, aber intensiven Austausch in Düsseldorf bat mich Michael darum, mal was über meine Zeit in San Francisco zu schreiben. 

    Ich lebte Ende der 70er Jahre in Haight Ashbury, also mitten im „Music Meltingpot of the 70‘s“. Neben den Maestros – Garcia und Weir – and singing beauty queens wie Grace Slick gab es scheue Musiker, die mich bis heute inspirieren, lebendig machen und zu den Werten des Daseins ein erfreuliches Bewusstsein verströmen. 

    KATE WOLF war eine Protagonistin der feinen Töne, leider mit 44 Jahren verstorben. Sie singt über die Liebe “First Love of my life” mit ruhiger Samtstimme und einfachen Gitarrenakkorden. Sie beschwört vollkommen kitschlos “Green Eyes”. Mit diesem Lied kam sie mir näher, aber tief erwischt hat sie mich mit “The Wind Blows Wild”. Sie singt mit ruhigem Timbre eine lange Ballade über den Abschied vom Leben. Es ist ihr letzter Song vor ihrem Tod. 

    JESSE BALLARD kam aus Santa Barbara, wo ich einige Vorträge an der Uni, auf dem Boden liegend, angehört habe. Jesse ist auch schon gestorben. Vor drei Jahren in Berlin. Jeder, der im „Rickenbakers“ verkehrte, kannte Jesse. Sein Song “Mac” wurde von allen leise mitgesummt. Er singt über seinen Freund Mac, der aus dem Vietnamkrieg in einem „dark green bag“ zurückkehrte. Jesse singt mit starker Stimme die berührenden Balladen aus unserer Zeit. Immer wieder kehrte er zurück nach Southern California. Den letzten Trip schaffte er nicht mehr lebend, seine Frau holte ihn in Berlin ab. Jesses Lieder, die er alle selbst geschrieben hat, und am Klavier oder an der Gitarre begleitet, sind beides, lebendig und schwermütig, kãmpferisch und friedliebend. Ich mochte ihn sehr. Traf ihn natürlich im Rickenbakers. 

    Es gibt einige Videos auf YouTube, die unser gemeinsamer Freund Paul Stutenbäumer gedreht hat, sehr sehenswert, weil alle kleine Geschichten aus dem Leben erzählen.

    Lajla Nizinski

  • Der Fantasieraum eines leeren Volleyballfeldes

    Mich faszinieren Volleyballfelder, etwa in Naherholungsgebieten immer schon, ähnlich wie asketisch arrangierte leere Strandkörbe auf weiten Sandstränden. Hier, am Stoteler See, nicht weit von Bremerhaven, träume ich sofort, in flüchtigen Bildern von meinem „high life“ als Volleyballer, auf diversen ostfriesischen Inseln in den Grossen Ferien, wo immer ein bunter Haufen zusammenkam, oder einst in Furth i. Wald, einst, als wir die Silbermedaille des Rundinger Wanderpokals in fünf Sätzen gewannen, eine knappe Niederlage trotz aufopferungsvollen Kampfes gegen die französische Garnison. Es sind nur flüchtig flackernde Bilder, keine Tagträumerei. Lange her. Bei meinem Spaziergang um den See lernte ich einen Angler kennen, und seine Freude auch an Stunden, in denen nichts passiert. Kein grossmäuliges Anglerlatein, sehr angenehm. Loxstedt-Stotel ist ein Bilderbuchprivovinzstädtchen, hier im Norden ist es einmal mehr weniger heiss, abends versinke ich wahlweise in Colin Walshs „Kala“ oder einer Folge von „Widow‘s Bay“. Eine Dienstreise (keim Witz) mit kleinen Ausflügen. Gestern erzählte mir jemand, Cuxhaven habe einen Strand mit Mallorca-Feeling – ich hoffe, er meinte feine Sandstrände und keine Ballermann-Community. Auf den Balearen demonstrieren sie schon lange und massiv gegen die Kahlschläge des Tourismus für die Natur. Leere Volleyballfelder haben ihren eigenen Charme.