12 Unterhaltungen

Ich muss keine Pressetexte lesen, keine alten Geschichten über frühere Zusammenarbeiten, um über ein Album zu schreiben, dass sich dermassen reichhaltig in der Stille und ihrer unmittelbaren Nachbarschaft rumtreibt, wo bei aller Leisestärke verdammt viel los ist: denn entfesselt kommen diese intimen Dialoge zwischen Ryuichi Sakamoto und Alva Noto alias Carsten Nicolai allemal daher – mit jeder Unterhaltung wird ein dezent anderer Raum erkundet: es beginnt alles mit einem Stück, in dem der Diskurs von Wohlklang und Dissonanz von vornherein den Verdacht ausräumt, hier würden diverse Erhabenheiten ausgetauscht, und sonstig geheiligter Wohlklang, gefährlich nah am Kitsch. „12 Conversations“ (Vinyl, Cd, Dl) ist eines dieser Alben voller Piano, Elektronik und raffiniert geflochtener Samples, das alles dafür tut, auch beim Rezensenten dieser Zeilen abgegriffene Superlative hervorzulocken. Da halte ich mich besser zurück, und staune vorzugsweise insgeheim und bei gedämpftem Licht über ein Werk, das mich in seine ureigene Wildnis lockt, und, zum Ende hin, in den letzten zwei Konversationen, nicht unbedingt zu erwarten auf einem Album, in dessen Entstehung Todesnähe mitschwang, mit traumverlorener Lebensfreude überrascht. (VÖ: 18.9.)