• „Three Blind Mice“

    in the end, the structure of magic does not fail.



    Chaos working. Wimmelbild oder Zettelwirtschaft – vorübergehend sah es genau so aus. Jetzt ist das Skript weitgehend geschrieben, und alle ECM-Alben von Steve Tibbetts finden ihren Platz, ihren Raum. Bei 54 Minuten und 38 Sekunden heisst es kürzen, verdichten, ohne an Transparenz zu verlieren. Möglicherweise fällt folgende Aufzeichnung von Steve aus seinen alten Tagebüchern aus Nepal und Bali (1991, 92) der Zeit allein zum Opfer. Es war die Zeit vor der Aufnahme seines Albums „The Fall Of Us All“.

    Ich frage mich, wieso ich jeden Tag mit der Titelmelodie von „The Good, The Bad and the Ugly“ im Kopf herumwandere. Oder mit „Three Blind Mice“ oder mit „You Light Up My Life“. Ich spreche mit Keith über die Musik, die sie für die Pujas hier verwenden. Die Musik in den tibetischen Klöstern, die Hörner und die Trommeln beginnen so um 3:00 morgens. Es ist laut. Sie haben eine Sprengwirkung, sagt er. Es tickt. Ich liege im Bett. 3:00 morgens. Die Hörner und Trommeln lassen einzelne Klangsplitter erschallen, die wie ein sehr langsames „Three Blind Mice“ klingen. 

    4:00. Eine weitere Puja, die klingt wie  die fünf Noten, die den Debbie Boone Song einleiten. 4:30. Der Haushahn von nebenan schreit die ersten Fragmente von „The Good, The Bad and the Ugly“ heraus. Ich träume zu diesem Sound, und er begleitet mich den ganzen Tag. Ich bin hier oben in Sikkim. Ich erhielt eine Sondergenehmigung. Ich stand die höllische Busfahrt durch den Osten Nepals durch und ich konnte die Songs nicht aus meinem Kopf vertreiben. Ohrwürmer. 

    Ich frage Choki Nyima  Rinpoche, wofür die Musik in den Klöstern gedacht sei, und er erzählt mir, sie solle helfen, fixierte Konzepte schneller zu durchbrechen. Ich erzähle ihm von den „Three Blind Mice“ und wieso das nicht durchbrochen wird. Er lächelt großzügig und gibt mir einen Klaps auf den Kopf. Der Verrückte aus dem Westen!“

    Was ich in den letzten Wochen bemerkt habe, ist, wie viel mir die Alben, alle Alben von Steve Tibbetts, bedeuten. Nach wie vor. Aber nun werde ich erst mal keine Musik mehr hören, bis die Produktion beim Deutschlandfunk im „WebMerlin“ gelandet ist. Robert Oschatz ist einmal mehr die deutsche Stimme von Steve – super! Ich bin ganz schön groggy. Und freue mich heute Abend auf den Film „Mein Leben mit Amanda“. Von Mikaël Hers, einem grossen Go Betweens-Fan übrigens. Der Vorgänger seines wunderbaren Films „Passagiere der Nacht“. Einmal lief nachts im ZDF ein alter Lieblingsfilm von mir, Jacques Rivettes „Celine und Julie fahren Boot“, im ZDF. Ich war mitten in meinem Nachtprogramm, und hatte gerade ein feines grobkörniges Stück „Ambient Music“ aufgelegt, ich weiss gar nicht mehr, von wem. Ich ging zu dem Mann im Schaltraum und bat ihn, die Tonspur des Films in mein Studio zu leiten, und dann mischte ich die Stimme von Bulle Ogier und die Sounds von Paris unter die Musik, ein paat Minuten lang. Ich empfand das als gespenstisch und ergreifend – wohl der einzige Remix, den ich je anfertigte.

  • Mein Lesetipp eines Klassikers unter den postapokalyptischen Romanen


    Ich bin kein Experte in diesem Genre, aber durch die Seiten dieses – ganz nebenbei auch hervorragend geschriebenen – Buches bin ich fast geflogen. Ist schon ein paar Jahre her. Ganz anderer Art, und ebenso gut, sein Roman „Der Fluss“. Da bin ich nun sehr gespannt, wie ein alter Fuchs unter den Regisseuren den Stoff von „The Dig Stars“ 2026 umsetzt. Zitat Criterion: „Humanity’s hanging by a thread in Ridley Scott’s The Dog Stars, based on Peter Heller’s 2012 postapocalyptic novel and starring Jacob Elordi, Josh Brolin, Margaret Qualley, and Guy Pearce.“

    Kurze Nachbemerkung, und wenn es hierbei nicht um postapokalyptisches Terrain geht, dann doch in mindestens einem Fall um visionäres Kino: zu den mich am tiefsten berührenden Filmen des Jahres 2025 zählt Sirāt. Wer den Film noch sehen möchte, lese bitte zuvor keine einzige Besprechung. Keine einzige Inhaltsangabe. Und: der Film verlangt eine grosse Leinwand, um seine volle Wirkung zu entfalten. Ob man den Film als existenzialistisches Drama oder metaphysische Parabel oder ein grandioses Road Movie mit Tiefgang empfinden wird, ist Ansichtssache. Auf jeden Fall hat mich der Film dieses jungen spanischen Regisseurs so begeistert (sogar die Rave-Musik darin, neben der marokkanischen Landschaft, die alles andere als erhaben daherkommt und eher wie „verwundetes Land“ wirkt), dass ich schon heute auf seinen kommenden Film gespannt bin.

    Sirāt hat die gleiche Klasse in meinen Augen wie einer meiner spanischen Lieblingsfilme überhaupt, Julio Medems „Tierra“, letzterer übrigens mit mindestens einem Lied von Caetano Veloso im Soundtrack. Wie schrieb damals Michael Althen in der FAZ: „Genau das macht den Zauber von Medems Filmen aus, daß er auf die Erde blickt wie auf ein fernes Gestirn, dessen Naturgesetze nur den Regeln des Herzens zu gehorchen scheinen.“

  • KI generierte Musik

    Gestern erhielt ich ein Musikvideo von einer Freundin, über das ich mich sehr freute, weil es einen Song über El Hierro enthielt. Es gibt kaum Lieder über die Insel, ausser natürlich die folkloristischen Melodien. Ich hörte mir den Song mehrmals an, weil er einen auffallend schönen Text über die Insel enthielt. Dann achtete ich auf die Filmaufnahmen, die aufgrund ihrer Farbigkeit die hiesigen Landschaften besonders attraktiv zeigen. Ich kenne alle Videos über El Hierro, aber einen so hervorragenden Film hatte ich bisher noch nicht gesehen. Ich hörte den Song mehrmals, weil ich nicht sicher wusste, ob es sich um einen Sänger oder eine Sängerin handelte. Ich fragte meine Freundin, wer der Interpret des Songs sei, sie schrieb zurück: Jorge Luis- Ich googelte, fand keinen Jorge Luis, aber einen José Luis, der über Hierro singt. Ich schaute mir seine Videoclips an, das war aber nicht der Sänger, der das wunderschöne Hierrolied sang. Meine letzte Hoffnung war Torsten de Winkel, der hier das jährliche Jazzfestival initiiert, er kennt sich in der lokalen Musikszene sehr gut aus. Er konnte sich auch nicht erklären, wer das sein könnte. Wir diskutierten zum ersten Mal die Frage, ob es sich hier um ein KI generiertes Musikstück handelt.

    Ich war wie gesagt begeistert von der Qualität des Musikfilms. Ich beschäftige mich schon länger mit KI und benutze auch Chatjpd. Ich lese die Antworten kritisch und bedachtsam. Die Begegnung in der Musik ist neu für mich, auch, dass sie mich so fasziniert. Natürlich kenne ich die Bedenken was das Urheberrecht betrifft und die Konkurrenz zu der menschlich gemachten Musik.

    Mich würde Eure Meinung zu diesem Thema sehr interessieren.

    Lajla Nizinski

  • Pellwormer Begebenheiten

    „Tibbetts belongs to a lost generation of musicians, the ones who grew up listening to the progressive and underground sounds of the ’60s and early ’70s and were left in the cold when the music went corporate. On Exploded View the guitarist continues to compose a personalized music filtered through his emotions, his guitar pyrotechnics, and his studio experimentation. Playing with the same musicians he’s worked with since his first self-produced recording in 1977, he leaves nothing out, and yet it all works. (…) Recording in his home studio, Tibbetts gets an astounding clarity of sound that is well served by this CD. Tablas and congas have never had a more visceral punch, their sharpness defining and punctuating Tibbetts‘ sustained electric lines and the resonance of his acoustic guitar. The only way to listen to this record is loud!“ („Audio“ review from 1986)


    Fast hätte ich am Tag meiner Ankunft den Springsteen-Film „Deliver Me From Nowhere“ gesehen, aber das Inselkino hat angeblich wegen technischer Probleme zwischen den Jahren geschlossen. Schade. Wie gesagt, ist mein Pellwormer Retreat an keine religiöse Praktiken gebunden: Porridge ist so wichtig wie der Sternenhimmel nachts, wenn die Wolken mal aufreissen. Für Gänsehaut sorgt auch James Lee Burkes „Im Süden“, für ein Schmunzeln Jan Reetzes Email über seine Inselerfahrungen in den 1960er Jahren. Ich bin ein Flaneur und habe Freude an Gesprächen mit Insulanern über die alltäglischsten Dinge. Einen Roland lernte ich kennen, der grosser Peter Gabriel-Fan ist und mir in seinem friesischen Wohnzimmer zwei Seiten des Doppelalbums „Passion: Music For The Last Temptation of Christ“ vorspielte. Genau das wollte ich auch hören. Das damals vielgelobte Werk hatte ich nie wirklich an mich rangelassen, und auch wenn es nicht ganz an Peter Gabriels „3“ und „4“ herankommt (my personal PG favourites, by far!), hat es schon Klasse! Mich nervte der Hype um das Thema, um den Film, um Scorsese – und historische Epen mit Massenaufläufen waren eh nie mein Fall.


    Ich stöbere in alten Tagebüchern und Briefen, die mir Steve Tibbetts 1994 zur Verfügung stellte, für meinem langen Jazzthetik-Artikek über sein Album „The Fall Of Us All“.Danke, Martina, für die pdf-Datei! Gregor und ich haben das alles damals übersetzt, Satz für Satz und ganz analog. Jetzt muss ich mich zwischen zwei kleinen Texten daraus entscheiden, für mein Deutschlandfunk-Porträts am 22. Januar. Beide Texte passen sensationell, weil sie pures Storytelling sind, und seinen exotischen Alltag in Kathmandu, Sikkim und anderswo so verlebendigen. Gestern schickte mir Steve noch ein paar audio-files aus Minnesota, und ich habe die Qual der Wahl. Steve hat sich, all dem Schmerz seiner letzten Jahre zum Trotz, einen feinen, dem Leben zugewandten, Humor bewahrt – immer gut wenn man es mit einem freigeistigen Mystiker zu tun bekommt (in seinem Fall kann ich wohl von einem praktizierenden Buddhisten sprechen.)

    Hier erzählt Steve von seiner ersten Begegnung mit der Sängerin, die auf „Exploded View“ und später auf „The Fall Of Us All“ zu hören ist! Man könnte „Exploded View“ wohl, wenn man diese Story hört, zu den grossen break-up-Alben zählen, auch wenn dieses aufwühlende Album von 1986 keine lyrics enthält. Auch in meiner Radiostunde wird Claudia ihren Auftritt haben. Mit einem Stück aus dem mich damals wie heute fesselnden „The Fall Of Us All“ von 1994. In einer langen Steve Tibbetts-Radionacht wäre dieser Story natürlich zu hören gewesen! Ich habe ihre „chants“ auf diesen beiden Alben immer grossartig gefunden, aber nie eine ihrer Folkplatten gehört.

  • Bücher zum Neuen Jahr

    Mein Wunschzettel war nicht Zettel’s Traum, mein Buchstabenbegehren zielte auf reale Befriedigung.

    Als das Wünschen noch geholfen hat und Paare, Passanten von der schönen neuen Welt tuschelten, bat ich Kairos jetzt zu bestellen. Es kamen

    Liebe in Zeiten des Hasses von Florian Illies (sehr unterhaltsam)

    Die Spielerin von Isabelle Lehn (wenn kluge Frauen über kluge Frauen schreiben, dann prechtalts)

    Die Frau an der Haltestelle von Peter Schneider ( wer die SDS Sprache nochmal auffrischen will, bitte lesen)

    Die Zeit der Verluste von Daniel Schreiber ( Nachruftrauer auf den Vater, aber schöne Passagen über Venedig)

    Barbara Bleisch: In der Mitte des Lebens

    Huch Josten: Die Gleichzeitigkeit der Dinge

    Botho Strauß: Das Schattengetuschel

    Die letzten 3 Wörterbündel liegen beim spanischen Zoll und warten auf die Reise um die Welt, wahrscheinlich dann in 80 Tagen lesebereit halten.

    (Lajla Nizinski)

  • Ringing in the New Year with Dino Saluzzi

    Ringing in the New Year with Dino Saluzzi

    I know, it’s a little late for a Best of 2025 list, and as most of you know, I don’t make “best of” lists. But I will add to my last compilation of random brain farts, Dino Saluzzi’s brilliant EL VIEJO CAMINANTE, with Jacob Young on steel string and electric, and Jose Saluzzi on nylon string guitars. It’s one of those sleepers: At first it didn’t seem like a lot was going on, but I kept coming back to it anyway. I even wound up transcribing the first two songs, which the Slo Mo Bros duo has now placed into its ever expanding repertoire. (There are well over 100 mostly “hand transcribed” tunes in our book now.) Honestly, I am tempted to transcribe the evocative and mysterious third tune “Quiet March” as well as several others. 

    Dino Saluzzi turned 90 last year, and presents himself on this album as an artist with nothing to prove. Indeed, he doesn’t have to. From the beginning of his career, he forged a signature sound on the bandoneon that no one else can match. In that regard, he reminds me of the late Toots Thielmans, who also always sounded exactly like himself once he switched from guitar to chromatic harmonica, also an instrument which very few jazz players have had the fortitude to take on. Both Toots and Dino have a very unique manner of phrasing; both developed a unique way of “skittering across time” in a way that is wholly original and completely natural. Both are also incredibly melodic improvisers, and both were/are still performing at 90!

    This album consists of four tunes penned by Saluzzi, three compositions by Jacob Young and one by Saluzzi’s son, Jose Marie; it is filled out with two standards, “Someday My Prince Will Come” and “My One and Only Love.” 

    The album drips with a kind of laconic, nostalgia that makes one remember another life, a time when things were slower and more romantic. Occasionally dipping into melancholy, this poignant music glistens with the soft focus sheen of golden memories that have been polished to perfection over many well lived decades.

    Saluzzi allows the younger players plenty of space to solo and oftentimes lays out and lets the guitars do the heavy lifting. But when he does solo, like all great improvisers, he is a fabulous storyteller. There is something so incredibly personal about the performances here. It’s almost as though you’re sitting in a room with these three players, sipping a glass of cognac around the fireplace, the flickering light filling the room with wistful comfort as your mind drifts to happier years long gone. It doesn’t matter that you never got the chance to visit old Buenos Aires because, by the end of the album, you almost feel as though you had.

    The highest praise I can give this album is this: When we had guests over for New Year’s Eve dinner, this is the album I chose to put on. No one said anything about it, but everyone was feeling it warming the room, its simpatico melodies and textures gently wafting around the laughter and conversation as we rang in 2026, hoping against all odds for better times ahead.

    Happy New Year to all. 

  • „glow, glow, afterglow“ – monthly revelations (January 2026)

    Glow Factor 10 collection: Pharoah Sanders has made „TAUHID“, Jan Garbarek has made „DIS“, Brian, Roger and Daniel have made „Apollo“, Van Morrison has made „VEEDON FLEECE“, Julian Priester has made „LOVE, LOVE“, Julie Tippetts has made „SUNSET GLOW“, David Darling has made „CELLO“, Laurie Spiegel has made „THE EXPANDING UNIVERSE“, Arve Henriksen has made „CHIAROSCURO“, Bill Callahan has made „APOCALYPSE“, Lambchop has made „SHOWTUNES“, and Steve Tibbetts has made „CLOSE“.

    album Björn Meyer: Convergence
    archive Alabaster DePlume: To Cy and Lee – Instrumentals Vol. 1

    Ganz besonders gut geht Sternegucken hier, wo ich in den kommenden 14 Tagen bin. Denn Pellworm darf sich ganz offiziell als Sterneninsel bezeichnen und hat den Titel von der International Dark-Sky Association (IDA) verliehen bekommen. Die Insel ist umgeben von geringer Lichtverschmutzung, wodurch sich ein gigantischer Sternenhimmel über Pellworm erstreckt. Allein die Wolkendecken müssen sich verflüchtigen. Nun gut, „Apollo“ habe ich jedenfalls dabei, das Meisterstück von Brian, Roger und Daniel, natürlich mit der zweiten Weltraumreise 36 Jahre später. Wann hat ein Trio nach so langer Zeit noch mal zusammen gefunden, und die eigene Klasse gewahrt, statt matten Abglanz zu liefern?! Anbei, etwas anders geordnet, die Offenbarungen des Januars (wir sehen das zeitlich nicht so eng und sammeln nur allerlei Faszinierendes der jüngeren Gegenwart!)

    film Sentimental Value
    binge Blue Lights, season 3 (1,2,3, auf Prime in Original)

    prose Noch einen Monat lang Jan Reetzes Buch über Joe Meek
    talk Michaels 2016 Interview mit Steve Tibbetts zu LIFE Of *
    radio Zum definitiv letzten Mal die letzte lange Nacht der Klanghorizonte

    *zur Einstimmung auf das Steve Tibbetts Portrait am 22.1. um 21.05 Uhr im DLF

    Afterglow Pellworm-style: Hello, darkness, my old friend! „The solstice has arrived and we have entered “Evening Star weather,” in honor of the second collaborative album from pioneering English musicians Brian Eno and Robert Fripp, released in December of 1975. Fifty years on, you can hear large swaths of the ambient genre echoing through Evening Star: The cosmic calm of Steve Roach’s classic 1988 album Structures From Silence. The neo-classical predilections of Eluvium and Stars of the Lid. The billowing atmosphere of Wolfgang Voigt’s music under the name Gas. The cracked nostalgia of Fennesz’s Endless Summer. Kyle Bobby Dunn’s commitment to drones that . . .“ (Aquarium Drunkard)

    Afterglow „Lebendige Würzburger Melancholie“ (1978)

    Afterglow „Lanzarote Dreaming 2017“ (für Lajlas Stillebenlektion)

    Afterglow „Bergeinöden 1982“ (in loving memory of Gudrun Hörner-Schwarz)

  • Als ich dann Tom Verlaine hörte, war Ende Gelände

    Vielleicht hat das alles damit zu tun, dass
    ich heute Müll aus fünf Jahren auf meine Deponie brachte,
    und dabei das ganze Album Too-Rye-Aye hörte,
    ohne es zu wollen besteige ich dabei ein Luftschiff,
    dass mich ins Jahr 1982 transportiert
    unweit der tschechischen Grenze, Gllückstaumel
    und Desaster insclusive Aber allles, alles mit dem Verve
    der Stimme von Kevin Rowland. Also legte ich los,
    im Grunde zu müde, mit dem Film „Passagiere der Nacht“,
    und war von der ersten Minute an in Paris, oder voll
    durch den Wind, in jeder Szene, in einem alten
    Jahrzehnt, und nicht weil es um Nachttadio geht, oder Charlotte
    Gainsbourg den Blues hat. Als ihr Sohn Mathias klopfte
    und Talulah (eine Fast-Verlorene, die ganz zu Anfang
    aus dem Nichts auftauchte) die Tür öffnete, und ich dachte,
    scheisse, das kenne ich doch und Talulah sagte: das ist Television,
    schossen mir die Tränen aus den Augen. Ich war so müde und so
    anwesend in diesem kleinen Wohnzimmer, dass ich
    das Gefühl hatte, ich sehe mir selber zu, meinen gesammelten
    Träumen, meinem beiläufigen Scheitern, meinem unheimlichen Glück,
    meiner Blindheit und, dass Magie seltener ist als Schnittwunden,
    Narben, plötzliches Verschwinden, gruselige Gutenacht-Geschichten –
    oft genug nur eine Handweit, einen unglaublicher Satz, zwei Blicke entfernt.