• Neues zum Nikolaus

    Es gibt Neues zum Nikolausfest und den ab dann langsam hereinschneienden Jahresendlisten der üblichen Verdächtigen. Besonders ein etliche Jahre alter Gedanke von Ingo hat mich zum Umdenken bewogen. Es ist zwar leicht, wenn man so einem Beruf nachgeht wie ich, 20, 25, 30, 33, 50 ziemlich grossartige Musikalben zu listen. Aber ab einer bestimmten Zahl kann man nicht wirklich mehr glaubhaft vermitteln, dass einem Platz 18 besser gefällt als Platz 19. Das nivelliert, das changiert. Aber: zehn, zwölf meiner absolute favourite albums zu listen, das kriege ich hin. Was da alles vom Feld muss – ach, du meine Güte!! Aber so wird es kommen: nur noch meine zehn oder zwölf Favoriten, bei denen ich genau weiss, wieso Nummer 5 vor Nummer 6 liegt (was natürlich allein für mich von Bedeutung ist). Und was den Rest betrifft, da habe ich eine kleine Idee. See you later, allligator!

  • Ein neues Album, und ein Film über Nik Bärtsch und Ronin

    “Ingredients for Desaster“

    „Fast wie ein Wissenschaftler“. Das sagt jemand zu Beginn von Ingredients for Disaster, Julian Phillips‘ neuem 67-minütigen Dokumentarfilm über die Musik des Schweizer Komponisten, Pianisten und Bandleaders Nik Bärtsch. Fast wie ein Wissenschaftler. Nun, ja. Als Bärtsch nach einer Vorführung in London diese Woche sprach, fielen Worte wie „Architektonik“ und „Topographie“. Und Phillips wählt zur Veranschaulichung der polymetrischen Strukturen der Musik ausgeklügelte Computergrafiken, die das Innere der Stücke beleuchten, in denen die vier Spieler meist gleichzeitig in verschiedenen Taktarten arbeiten.

    Auf der anderen Seite, überhaupt nicht wie ein Wissenschaftler. Jedenfalls nicht in der Wirkung. Bärtschs Bands zuzuhören, sei es der „Zen-Funk“ von Ronin oder die „rituelle Groove-Musik“ von Mobile, kann eine zutiefst emotionale Erfahrung sein, vor allem, wenn er eines seiner gebrüllten Kommandos gibt und die ganze Band wie ein plötzlicher Adrenalinstoß den Gang wechselt.

    So beginnt ein kleiner Text von Richard Williams, nebenan zu lesen in The Blue Moment, über zwei Dinge, auf die wir uns freuen können, so wir dem Zen-Funk von Nik Bärtsch zugewandt sind. Ab 29. November ist die Doku auf amazon prime und/oder apple plus zu sehen – und das neue Album ist auch greifbar nah, das ausnahmsweise mal nicht auf ECM erschien (wirklich nur vorübergehend, wie Nik mir vor Wochen mailte). Es war witziig, dass in Matala an einem Tag die audio files der neuen Ronin- und Underworld-Alben ankamen. Das schönste doppelte „Tanzvergnügen“ des Jahres, wobei ich zum Glück auch ziemlich gut im Sitzen und Liegen und Schwimmen tanzen kann. HIER eine Erinnerung an sein Pianosoloalbum „Entendre“, in Form eines alten DLF-Beitrages. Und HIER Rosatos Geschichte seiner einstigen Entdeckung von Ronin und Co.

  • Der alte Harry

    Harry Bosch ist in die Jahre gekommen, und es ist gut, dass er in Renée Ballard eine jüngere, gleichermasssen rigorose Ermittlerin an seiner Seite hat. „Wüstenstern“ ist ein melancholisches Spätwerk mit und um Harry Bosch herum, aber das hindert Michael Connelly nicht daran, in zwei komplexen wie finsteren Kriminalfällen für enormen Drive zu sorgen, der die zeitweilige „Action“ mitunter zweite Geige sein lässt gegenüber der akribischen Ermittungsarbeit. Darin war er immer schon ein Meister seines Fachs, und hier zieht er einmal mehr all seine Register. Wer die „Bosch“-Serien auf Prime kennt, sieht natürlich stets Titus Welliver vor seiner Nase, so überzeugend, wie er Bosch auf die Leinwand bringt, aber das ist kein Nachteil. Und natürlich lege er daheim immer noch alte Jazzplatten auf. Art Pepper zählt zu seinen Lieblingen. Allein Coltrane, sein Hund und treuer Begleiter, scheint das Zeitliche gesegnet zu haben.

  • SART

    Es gibt ein paar Tricks, nie die Verbindung zum inneren Kind zu verlieren. Oder zum „teenager under fire“. Ein paar dieser Kniffe funktionieren nur, wenn man sie schon als Kind einsetzt. Du springst auf kleine Mauern, und es macht dir so viel Freude, neben dem Bürgersteig zu balancieren, dass deine innere Stimme dir deutlich zuflüstert: das machst du auch, wenn du gross bist! Es ist bekannt, dass manche Prägung in Sachen Musik zwischen 12 und 18 stattfindet, und man ist natürlich ein Glükskeks, wenn diese Zeit auf die Jahre 1967 bis 1973 zutrifft. So wurde bei mir damals ein Feuer entfacht, das hiess Kinks und Beatles, eines, das hiess Soft Machine („Third“), und eines, das hiess „SART“, das zweite Album von Jan Garbarek, produced by Manfred Eicher, und die Zauberer Terje Rypdal, Bobo Stenson, Jon Christensen und Arild Andersen waren mit von der Partie. Ausser einem radikalen Umgang mit Raum, hat es wenig mit den späteren Ingredienzien des nordischen Jazz zu tun. Ein elektrisches, ekstatisches Album, dessen Stillstände mich genauso begeisterten wie die Ausbrüche. Ich war wie vom Donner gerührt, als ich das Album das erste Mal hörte, und ich rede nicht von fernen Erinnerungen, wenn ich die Platte über die Jahre wieder und wieder auflegte. Fire Music! „Speaking of fire….“ (m.e.)

  • kurze randnotizen, haltbar einen tag, vielleicht viel länger, und einmalig wie wir alle

    SONG FOR CHE. das ist mal wieder ein ecm-cover nach meinem geschmack und erinnert mich an die atmosphären einiger neuerer skandniavischer landschaftsfotos von ingo. zwei dinge (eigentlich viel mehr), zum einen erscheinen heute ein paar vielversprechende musikalben von father john misty (wirklich heisser scheiss!), michael kiwanuka und jeff parkers ETA IVtet, die einige plätze unserer jahresendlisten durcheinanderwirbeln könnten (die traumhafte neue arbeit taking turns von jakob bro kommt erst in einer woche raus, übrigens im verbund mit einem tollen solobassalbum, seinem ersten, von altmeister arild andersen, das mit einer unwiderstehlichen verschmelzung der zwei klassiker „song for che“ und „lonely woman“ ausklingt) – jedenfalls bei denen, die dieses spiel gerne spielen.

    WENN DER TEE IM KREIS RUMGEHT. und dann möchte ich, das ist das zweite ding, auf eine platte hinweisen, die genau das geschafft hat, nämlich meine top six aufzumischen, und das sage ich hundert pro ohne jene flüchtige anfangseuphorie, die wir alle kennen, und die sich dann auch wieder rasch legt – ich stiess auf das album durch ein foto und eine frage von henning, und dann waren jan bang und henning ratzfatz dabei, ihre begeisterung zu teilen und mit eigenen live-erfahrungen anzureichern. nun können die beiden gerne viel erzählen, wenn der tag lang ist, und der tee im kreis rumgeht, deshalb muss so ein feuer lange nicht überspringen, aber dann fand icn bei discogs dieses opus als doppelalbum vor, auf vinyl, zu einem erschwinglichen preis (ich möchte mit diesen satzbauten die spannung etwas steigern, das kann schon nerven kosten) also, wo war ich, ähem, das teil kam dann gestern abends bei schnee und eis an, und, wie am vortag, bei meiner entdeckung einer 50 jahre alten „krautgitarrenscheibe mit echoplex“ namens „samtvogel“, legte ich die erste hälfte des doppelalbums im dunkeln auf, und dachte, allerdings im rundum geflashten sinne: was ist denn hier los!?

    PRODUCED BY SHABAKA HUTCHINGS. erst danach entdeckte ich das kleingedruckte, dass das teil nämlich auf native rebel recordings rausgekommen ist, schon im märz, wie auch das wunderdyabhingiwerk von ank anum, und noch dazu wurde es von einem gewissen shabaka hutchings produziert, und wer da alles dabei ist, leute wie leafcutter john, tom herbert, floating points…. aber namen sind hall und brauch, und allein der impact zählt, und das teil hat mich auf anhieb umgehauen, ergriffen, und allein mit verweis auf meinen status als „redaktör“ dieser veranstaltung – 😂 – mache ich von meinem schweigerecht gebrauch – 😅- und verweigere die auskunft, ob ich auf meiner petrolcouch eine klassische yogilevitation erlebt habe. like the sky i‘ve beeen too quiet von ganavya ist wahrlich ein hammerteil, und neben arroj aftab eine weitere hochspannende stimme aus indien, die sehr eigene dinge macht, mit fabelhaft sich drumherum ausbreitenden landschaften, weit weg von der urindischen tradition, dafür nicht minder (lieblingswort jetzt), archaisch. m.e.

  • All We Imagine As Light (Kinostart: 19. Dezember)

    Wahrscheinlich ist das nicht nur in meiner kleinen Welt einer der berührendsten Filme des Jahres 2024, den niemand von uns bislang gesehen hat. Sicher war ich mir darin, nicht allein durch das Lesen der nachfolgenden Besprechung von Stephen Trousée, sondern bereits durch die Betonung der Rolle der Filmmusik, die von einer meiner Favoritinnen aus der Ethiopiques-Reihe gespielt wird: eher selten, dass ich der Musik von Nonnen andächtig lausche. HIER eine feine Besprechung ihres Vermächtnisses „Souvenirs“ bei Pitchfork. Rein intuitiv glaube ich, dass All We Imagine As Light sich schwebend leicht Henning Boltes alles anderes als bloss „hingekritzelter“ Filmliste zugesellen könnte. (m.e.) 

    Die außergewöhnliche Musik von Emahoy Tsegué-Maryam Guèbrou entstand aus einem akuten Heimweh heraus. 

    Aufgewachsen in einer wohlhabenden Familie im Addis Abeba der 1920er Jahre, wurde sie zunächst von den italienischen Faschisten und dann von den revolutionären Unruhen in den 1970er und 80er Jahren aus Äthiopien vertrieben. Die zweite Hälfte ihres langen Lebens verbrachte sie im Exil, als Nonne in einem Jerusalemer Kloster.

    Werbetreibende haben das schon lange erkannt, und jeder, von Walmart bis Amazon, nutzt ihre unheimliche Fähigkeit, die mystischen Akkorde der Erinnerung zu spielen. 

    Aber ihre Musik hat noch nie ein so sympathisches Zuhause gefunden wie auf dem Soundtrack zu Payal Kapadias glorreichem Debütfilm. 

    Kapadia machte sich einen Namen als Regisseurin von verträumten Dokumentarfilmen, die in sehr realen Kämpfen wurzeln (sie gewann 2021 in Cannes für A Night Of Knowing Nothing, einen Film über Anti-Modi-Studentenproteste, der wie ein Liebesbrief der jungen Agnès Varda an Chris Marker wirkte).

    Ihr neuer Film beginnt im Dokumentarstil – die Kamera streift durch die wimmelnden Straßen von Mumbai, während die Bürger im Voice-over über die Reize und Herausforderungen der verführerischen, aber flüchtigen Freiheiten der Stadt sprechen. In aller Ruhe konzentriert sich der Film auf die Beziehung zwischen drei Frauen, die in einem innerstädtischen Krankenhaus arbeiten.

    Anu ist eine junge malaiische Krankenschwester, die sich bei der Arbeit langweilt und die Stunden bis zu ihrer nächsten Verabredung mit ihrem muslimischen Freund mit einer SMS verbringt. Prabha ist ihre ernste, wehmütige Mitbewohnerin und Kollegin in den Dreißigern. 

    Sie ist verheiratet, aber ihr Mann arbeitet in Deutschland und hat seit mehr als einem Jahr weder geschrieben noch angerufen. Parvaty ist eine angeschlagene Krankenhausköchin, verwitwet und steht kurz vor der Zwangsräumung ihres Hauses durch Bauunternehmer.

    Der Film folgt den beiden durch die Monsunzeit bis zum Ganesh Chaturthi-Fest und zeigt eine Stadt und ihre Bewohner, in der es von schillerndem, vielfältigem und einsamem Leben nur so wimmelt. Anu ist frustriert bei ihren Versuchen, ein Stelldichein mit ihrem Freund zu arrangieren. 


    Prabha wird von einem verliebten, dichtenden Arzt umworben, sitzt aber bis spät in die Nacht in ihrer Küche und umarmt den Reiskocher, das letzte Andenken an ihren entfremdeten Ehemann. Und Parvaty findet keine Hilfe in ihrem Kampf gegen die Bauunternehmer und ist gezwungen, ihre Sachen zu packen und in ihre Heimat in der Nähe von Ratnagiri, einem kleinen Dorf an der Küste von Mumbai, zurückzukehren.

    Anu und Prabha helfen ihr beim Umzug, und weit weg von den verregneten Straßen Mumbais, in der Sonne, der Brandung und den wilden Wäldern, hat jede der Frauen ihre eigene persönliche Offenbarung. 

    Es fühlt sich an wie ein Traum, und ihr verwunschenes Arden am Meer könnte einen an Satyajit Rays Klassiker Days And Nights In The Forest von 1969 denken lassen . 


    Aber Kapadia hat eine ganz eigene Welt geschaffen, mit Figuren, die so reichhaltig und glaubwürdig sind wie die Frauen von George Eliot oder Sally Rooney. Durch all ihre hoffnungsvollen Wanderungen schlängeln sich die Klavierlinien von Emahoy Tsegué-Maryam, endlich zu Hause.

  • „maverick guitar explorations, restauriert zum fünfzigsten“

    „Günter Schickert ist nur den eingefleischtesten Krautrock-Sammlern ein Begriff. Diese Unbekanntheit ist ein Bärendienst, denn der in Berlin geborene Gitarrist hat sich mit Samtvogel einen Platz in der offiziellen Liste verdient. Samtvogel wurde 1974 in Eigenregie veröffentlicht und ein paar Jahre später von Brain für eine breitere Veröffentlichung aufgegriffen und macht Schickert zu einem Meister der Echo-Gitarre. Die drei Tracks bewegen sich irgendwo zwischen dem exzentrischen Jammen von Faust und dem quecksilbrigen Gitarren-Layering von Ash Ra’s Manuel Göttsching (wobei anzumerken ist, dass Schickert zuerst da war, denn Samtvogel erschien ein Jahr vor Göttschings LP Inventions For Electric Guitar von 1975 ). „Apricot Brandy“ ist ein gnomischer Kinderreim-Blues, den Schickert mit plätscherndem Echo umhüllt, und macht den Anfang im Songbereich. Doch beim seitenlangen „Wald“ hat Schickert die Songform völlig verlassen und webt mit seiner Echo-Box und der E-Gitarre ein Gitter aus schimmernden Klängen, so komplex und schön wie ein mattes Spinnennetz.“ (übersetzt von deepl)

    Als ich Louis Pattisons Kurzbesprechung der Neuauflage (Vinyl, Cd) des mir unbekannten Günter Schickert-Debuts „Samtvogel“ las (1974), rief ich bei bureau b an und liess mir die Platte kommen. Ich schaute nicht nach, ob Jan dazu was in seinem Krautrockbuch geschrieben hatte, ich legte das Album im Dunkeln auf und kam von Anfang bis Ende nicht aus dem Staunen raus. Den Vergleich mit exzentriischem Faust-Jamming würde ich so nicht unterschreiben. Ich wusste rein gar nichts über dieses Album, kannte den Namen nir von weiter Ferne, machte mir ein paar Gedanken Richtung Minimalismus und Steve Reichs „It’s Gonna Rain“ und „sehr eigener Sound“, und ob er wohl „No Pusyfooting“ von Fripp & Eno mochte, und wünschte mir im Nachgang „liner notes“ von Asmus Tietchens. Tatsächlich fand ich seine blitzgescheite Lobrede auf das Album hinterher auf der Innenhülle des Albums. Ich schmunzelte. Tolles Album! Landete sofort beim meinen reissues 2024“ (s. Blog Diary 15. November), in bester Nachbarschaft. Und so gut kann ich mich an meine klanglichen Vorlieben 1974 erinnern: hätte ich die Platte damals gehört in Winfrid Trenklers „Schwingungen“ mit Bo Hanssons Intro-Musik, ich hätte eines der 500 ersten Exemplare (in Eigenregie fabriziert) sofort gekauft.. (m.e.). Besser spät als nie. Danke, Günter! Über „Samtvogel“ wird noch zu reden sein. Tolle Pressung. Toll klingendes Remaster! Far-out, gewiss, aber wunderbar hypnotisch! Bei aller Reduktion besitzt das Album ein immens reiches Innenleben, das es weit über ein rein historisches Interesse hinaus zu einem zeitlosen Klangabenteuer macht. Große Worte, zugegeben, aber gelassen ausgesprochen.

  • „Getting there – an invitation“ – archival discoveries & reissues (2023 & 2024)

    Legen wir einfach mal los. Dank Jans Buch habe ich „Autobahn“ in diesem Jahr so oft gehört wie damals, als es uns ins Staunen und Schmunzeln versetzte. Die Beatles waren schon vier Jahre Geschichte, und alle fragten sich: wo geht die Reise hin? Blicken wir in die ferne Vergangenheit, dies war, vor einem Jahr, „mein“ 2023, in der Abteilung „time travels“. In Matala entdeckte ich mein Faible für Al Stewarts „Year Of The Cat“ wieder. Wir können, in die Jahre gekommen, leicht vorwärts und rückwärts durch die Dekaden springen. Am Ende macht die Zeit einen Narren aus allen von uns. „The fool on the hill“. Das ist keinesweges sarkastisch, allein mit bitter nötigem Humor versetzt. Man darf sich weiterhin fragen: Wo geht die Reise hin? In welcher Sprache gibt es 50 Ausdrücke für Wehmut, 50 für Exstase? 50 für Verbundenheit?

    01. Nana Vasconcelos: Saudades
    02. Keith Jarrett: Bremen / Lausanne
    03. Jon Hassell: Further Fictions
    04. Don Cherry et al: Old And New Dreams
    05. Hiroshi Yoshimura: Surround 
    06. Alice Coltrane: Journey In Satchidananda 
    07. Pharoah Sanders: Pharoah
    08. Dorothy Ashby: The Rubayat Of Dorothy Ashby
    09. XTC: Chrome Dreams
    10. Meiko Kaji: Hajiki Uta 

    11. Frank Zappa: Over-Nite Sensation (surround)
    12. Gary Burton: The New Quartet
    13. Neil Young: Chrome Dreams


    In der Sprache der Musik natürlich, 50+! Und das ist, was alte Zeiten angeht, zwischen gar-nicht-so-weit-hergeholt und Teenagerjahren, meine Zeitreisensammlung 2024. Einiges habe ich damals gehört, einiges ging an mir vorbei. So kannte ich von „Band on The Run“ nur zwei Hits, bis mir diese wunderbare „Packung“ vor die Ohren kam.

    My shining star is Ank Anum‘s dyabhingi-fuelled discovery from old London years (1973 again). AnkAnum’s is more suited to a Rastafarian groundation session replete with chalice and enough ganja to rewrite the laws of physics. 

    Keith Jarretts Standards war ich nach dem Zauber des Anfangs (Standards, Vol. 1, Vol. 2, Changes) bald so leid, dass ich fast eine Bebop-Allergie entwckelte. Nach langer Zeit hörte ich erstmals wieder genau hin, und die pure Spielfreude seines Auftritts in einem geliebten kleinen Jazzclub brach alte Barrieren. Läuft morgen im Toyota, auf dem Weg in die tiefe Eifel! Natürlich dabei, Klaus Walters‘ „Autobahn“!

    Sowie „New Ancient Strings“: „After an hour or more spent chasing out the chirping crickets, it was midnight before tranquility was achieved and recording could begin. Toumani and Ballaké played through the night, entirely live, without second takes, improvising around tunes from the classical Mande repertoire. By seven the next morning, the album was done.“

    Jakob Bros traumhaftes Album „Taking Turns“ hätte auch zu den „archival discoveries“ gespasst, aber ich bringe dieses Werk von 2014 bei den „neuen Alben“ unter.

    Exzellente Surround-, Quad-, und Atmos-Remixe gab es neben King Crimsons „Red“ auch von einigen Joni Mitchell-Alben, von Airs „Moon Safari“ und von „Yoshimi Battles The Pink Robots“ sowie Randy Newmans „Good Old Boys“.

    Womöglich erreicht mich erst kurz vor Weihnachten „G stands for Go-Betweens, Vol. 3“. Das grosse traurige erhebende Finale der wundervollen Songschmiede aus Brisbane.

    01. Ank Anum: Song Of The Motherland
    02.The American Analog Set: New Drifters 
    03. Alice Coltrane: The Carnegie Hall Concert 
    04. Taylor / Winstone / Wheeler: Azimuth
    05. Paul McCartney and Wings: Band On The Run 
    06. Jan Garbarek: Afric Pepperbird 
    07. Can: Live in Paris 1973 

    08. Günter Schickert: Samtvogel (ENTDECKUNG!!)
    09. Peter Thomas: The Tape Masters, Vol. 1
    10. Julie Tippetts: Shadow Puppeteer
    11. Byard Lancaster: The Complete Palm Recordings 1973-74
    12. Toumani Diabate / Ballake Sissoko: New Ancient Strngs

    13. Keith Jarrett / Gary Peacock / Paul Motian: The Old Country


    Next door to Alice: A guest appearance now from UNCUT making an important point in regards to Alice Coltrane. Her music can open up gates of perception, simple as that, and you don’t have to follow her Hindu way or any other religion to reach a deeper state of mind. Peace, calmness, whatever. A healthy dose of paegan basics, or even pure existenzialism with a smile and an open ear: nothing more required. By the way, don‘t take my ranking too serious – it‘s a simple meditation, like playing solitaire by the window. Alice Coltrane is present here in both years, in that Carnegie night, and on her Journey In Satchidananda, an album that goes deep as deep can go. And what a stellar ensemble, Cecil McBee‘s bass wizardry on the title track, for example.

    „FINALLY, it appears that Alice Coltrane has taken her deserved place at the top table of 20th-century musical icons, alongside her illustrious husband. Rifle through Uncut’s best albums of 2024 and her influence is everywhere – not just on harpists like the amazing Nala Sinephro and Brandee Younger (who makes several key contributions to Shabaka’s recent album) but on artists as diverse as Julia Holter, The Smile, Arooj Aftab and Dirty Three.

    Recorded live in New York in the same month as the release of her spiritual jazz touchstone Journey In Satchidananda, it featured the first two tracks from that album blissfully spun out to more than twice their original length with the help of an expanded ‘double quartet’, including the likes of Jimmy Garrison and Clifford Jarvis. But it’s on an incredible version of John Coltrane’s “Africa” – with Alice having switched from harp to piano – where dual saxophonists Pharoah Sanders and Archie Shepp really earned their corn, trading blazing solos for almost half an hour with no let-up in intensity. 

    “The spirit was there at all times,” recalled bassist Cecil McBee in the liner notes. “I’ve never heard anything that I played that was more intense… It was absolutely amazing.” Listening back today, it’s hard to disagree.“

  • Im „Londoner“ im Kreuzviertel

    Es regnete Hunde und Katzen, und als die Kneipe endlich öffnete, sprang ich aus meinem Toyota gagenüber und war rasch drin, Tisch 10. Die Ruhrnachrichten hatten diesen „Vodcast 462“ als öffentliche Veranstaltung oegansiert, und ich hatte mich rechtzeitig, aus Matala (!), angemeldet. Es war ein besonderer Gast angekündigt, für die Gesprächsrunde mit Sascha Staat, und einmal im Leben lag ich mit meinem Tipp richtig, als wir an Tisch 10 spasseshalber rateten.

    Thomas Broich! Tatsächlich tauchte er nach einer halben Stunde auf, aber wegen Soundunzulänglichkeiten verzögerte sich die Talkrunde etwas. Ich gab den Lautsprecher vom Tisch 10, un dging einmal nach vorne, um von dem Bassgewummer von Saschas Stimme zu berichten. Und es war hochinteressant, wie Thomas Einblicke gab in die vielen Facetten der Jugendarbeit, in der wuch die alte Tante Persönlichkeitsbildung auch nicht zu kurz kommt. Es lohnt sich, die Zeit zu nehmen und gut zuzuhören:

    HIER (ab ca. 18.00 Uhr, 12.11.) läuft die „youtube-Fassung“.

    Die Aufgaben sind dermassen komplex, dass bestes teamwork verlangt ist. Also spitzten wir die Ohren und wurden mit neuesten Forschungsansätzen und „basics“ bekannt gemacht. Sagen wir mal, es ist ein „sehr weites Feld“. An unserem Tisch wurde die Stimmung auch immer besser, und plötzlich fragte mich ein gewisser Rainer, noch bevor es losging, ob ich Michael Engelbrecht sei, er kennne meine Sendungen vom Deutschlandfunk, und er treffe nur selten Freunde von Brian Eno. Eine amüsante Randepisode.

    Thomas Broichs Ritt im Galopp durch die Jugendarbeit war swhr spannend, erforderte aber volle Aufmerksamkeit. Aktuelle Themen wie Emre Cans sinndfreise Rot-Foul spielte nur am Rande hinein. Sascha Staat ist einer hervorragender, auch humorvoller Moderator, klug assisitiert von Cedric Gebhard. (Überhaupt haben diese RN-Experten von Sascha bis Cedric und Jürgen Koers, von Thomas Pinnov bis Altemeister Dirk Krampe (my generation!) etwas Angenehm-Unarrogantes, was in diesem Job beileibe nicht alltäglich ist. Diskurskuktur der Extraklasse.) Leider musste Rainer früher gehen, weil sein Kumpel akut erkrankt schien. Gute Besssrung an dieser Stelle.

    Hinterher gab es noch, wie es sich für Fussballkultur im Kreuzviertel gehört, eine tolles Schaschlik, und eine Alternative für Vegetarier. Sehr spendsbel, liebe Ruhrnachrichten! Am Ende schnackte ich noch etwas mit Sascha, er war heilforhm dass es mit dem Sound noch klappte, und ich erzählte ihm, wie ich einmal lachen musste, als er, in einem früheren Vodcast, im hochgeschätzten „Vorgeplänkel“, kundtat, dass er weder Joni Mitchell noch Kate Bush kenne. Er sei so schlecht in Musik, sagte er. Nein, nein, erwiderte ich, das ist einfach eine Frage der Generationen! Gerne demnächst wieder!

  • Questions for Jakob

    Hello, Jakob Bro!

    Via Henning Bolte I discovered your  music around 2012, and since then I followed your ways. Gefion was my first album, and if I should take three favourites to the infamous desert island, they would be, in this moment of time, Returnings, Strands – and Taking Turns. 

    So here come my questions. At the beginning of December I will review Taking Turns in the JazzFacts radio magazine, nearly 7 minutes long. The audio of my little feature  can be heard afterwards a very long time.  

    I will cut and edit your answers, so you can make them  as long or short as you like. Maybe, it can all happen within 8 days… and after all this radio work will be done, I’ll be in my old town in Dortmund, on Dec. 4 to hear you with Arve and Jorge!

    As a preparation for these questions, I listened twice to Taking Turns yesterday, and for a second time I saw the documentary Music For Black Pigeons. Well, it was a great afternoon. So here we go: 

    • Produced in 2014, Taking Turns  was in some ways the follow-up of December Song, with Jason Moran instead of Craig, and Andrew Cyrille. At that point in time you had already made Gefion with Manfred, who, as I think, is not present during the Taking Turns recording. (Or was he?) Now, in retrospect, how do you look back on these one or two days of making the album in NYC with a line-up that, in this constellation, never met before or after again. Do the recordings of Taking Turns somehow exist in a bubble, do you see them as an extension of December Song? Or what makes this session  stand apart?
    • How did the musicians of this one time band „learned“ the new compositions? With notation (there are often papers with notes in the documentary)? Have there been detailed notations with a bit of freedom to improvise, or how did you introduce these compositions to the band? 
    • In the case of Lee Konitz: did he just got to know the basic melody, and then act as a free agent on the music played? His playing is simply wonderful.
    • In the case of Jason Moran and Thomas Morgan: it is such a joy to listen to both of them  finding the right spaces / moments for their impacts… in the case of Jason, it sounds he is soloing and accompanying at the same time. Both musicians constantly surprise here. Not that i did expect anything else:) Can you remember a certain moment? 
    • At one point in the film, Lee asked: well, are these pieces folk songs? Now looking at the titles, one  could really think of „folk tunes“ refering to different parts of the world? Even „Milford Sound“ refers to „a place in New Zeeland“….. How do you look at this choice of the seven compositions? Somehow i don‘t think they just lay around? Has there been a „landscape feeling“ in some of the pieces?
    • Listening to the album, it is such a captivating melange of textures. As a listener you can let your attention be wandering to the single instruments, to the overall sound….   Now, most of these guys know your music very well. Anyway, it would not surprise me if you kind of announced to them something like: let the melodies be as important as the atmosphere!  (Or they know that anyway):) 
    • On a piece like „Haiti“ there is this love for the simple melody, returning again and again… but so much happens between the beginning and  the end of that track, sometime it seems to be on the verge of „rocking“ and „grooving“…..can you give some insights into this piece?
    • The last piece „mar de plata“ … the press info says: „On the concluding “Mar del Plata”, which summons memories of touring through Argentina, Morgan has a strong central role, endeavoring to invest each bass note with meaning, and sounding like a young Charlie Haden almost, as the music canters toward the sunset.“ When composing did you really have „Argentinian memories“ in your mind that somehow entered the music? Or did you find this coennection later, in the mixing process? And on this track Lee Konitz is not playing, the only time on the album…. Any reason for that? Some thoughts from the back of your mind about this track would be nice…and I know: it‘s been a long time ago!

    Thank you for doing this, 

    Thank you for the music,

    Best wishes, Michael Engelbrecht!