• Pellwormer Begebenheiten

    „Tibbetts belongs to a lost generation of musicians, the ones who grew up listening to the progressive and underground sounds of the ’60s and early ’70s and were left in the cold when the music went corporate. On Exploded View the guitarist continues to compose a personalized music filtered through his emotions, his guitar pyrotechnics, and his studio experimentation. Playing with the same musicians he’s worked with since his first self-produced recording in 1977, he leaves nothing out, and yet it all works. (…) Recording in his home studio, Tibbetts gets an astounding clarity of sound that is well served by this CD. Tablas and congas have never had a more visceral punch, their sharpness defining and punctuating Tibbetts‘ sustained electric lines and the resonance of his acoustic guitar. The only way to listen to this record is loud!“ („Audio“ review from 1986)


    Fast hätte ich am Tag meiner Ankunft den Springsteen-Film „Deliver Me From Nowhere“ gesehen, aber das Inselkino hat angeblich wegen technischer Probleme zwischen den Jahren geschlossen. Schade. Wie gesagt, ist mein Pellwormer Retreat an keine religiöse Praktiken gebunden: Porridge ist so wichtig wie der Sternenhimmel nachts, wenn die Wolken mal aufreissen. Für Gänsehaut sorgt auch James Lee Burkes „Im Süden“, für ein Schmunzeln Jan Reetzes Email über seine Inselerfahrungen in den 1960er Jahren. Ich bin ein Flaneur und habe Freude an Gesprächen mit Insulanern über die alltäglischsten Dinge. Einen Roland lernte ich kennen, der grosser Peter Gabriel-Fan ist und mir in seinem friesischen Wohnzimmer zwei Seiten des Doppelalbums „Passion: Music For The Last Temptation of Christ“ vorspielte. Genau das wollte ich auch hören. Das damals vielgelobte Werk hatte ich nie wirklich an mich rangelassen, und auch wenn es nicht ganz an Peter Gabriels „3“ und „4“ herankommt (my personal PG favourites, by far!), hat es schon Klasse! Mich nervte der Hype um das Thema, um den Film, um Scorsese – und historische Epen mit Massenaufläufen waren eh nie mein Fall.


    Ich stöbere in alten Tagebüchern und Briefen, die mir Steve Tibbetts 1994 zur Verfügung stellte, für meinem langen Jazzthetik-Artikek über sein Album „The Fall Of Us All“.Danke, Martina, für die pdf-Datei! Gregor und ich haben das alles damals übersetzt, Satz für Satz und ganz analog. Jetzt muss ich mich zwischen zwei kleinen Texten daraus entscheiden, für mein Deutschlandfunk-Porträts am 22. Januar. Beide Texte passen sensationell, weil sie pures Storytelling sind, und seinen exotischen Alltag in Kathmandu, Sikkim und anderswo so verlebendigen. Gestern schickte mir Steve noch ein paar audio-files aus Minnesota, und ich habe die Qual der Wahl. Steve hat sich, all dem Schmerz seiner letzten Jahre zum Trotz, einen feinen, dem Leben zugewandten, Humor bewahrt – immer gut wenn man es mit einem freigeistigen Mystiker zu tun bekommt (in seinem Fall kann ich wohl von einem praktizierenden Buddhisten sprechen.)

    Hier erzählt Steve von seiner ersten Begegnung mit der Sängerin, die auf „Exploded View“ und später auf „The Fall Of Us All“ zu hören ist! Man könnte „Exploded View“ wohl, wenn man diese Story hört, zu den grossen break-up-Alben zählen, auch wenn dieses aufwühlende Album von 1986 keine lyrics enthält. Auch in meiner Radiostunde wird Claudia ihren Auftritt haben. Mit einem Stück aus dem mich damals wie heute fesselnden „The Fall Of Us All“ von 1994. In einer langen Steve Tibbetts-Radionacht wäre dieser Story natürlich zu hören gewesen! Ich habe ihre „chants“ auf diesen beiden Alben immer grossartig gefunden, aber nie eine ihrer Folkplatten gehört.

  • Meine Lieblingsromane zwischen den Jahren

    Es verrät natürlich etwas über einen selber, wenn man die Leseerlebnisse preisgibt, die einen zwischen den Jahren absolut gefesselt haben. Manche, die hier zufällig vorbeischauen, könnten sagen: – ach, der liest ja nur Krimis! Aber so ein Satz verrät wiederum mehr über die jeweilige Laufkundschaft als über mich. Die folgende Liste biete ich ohne „ranking“ an, weil sich die Bücher imho auf Augenhöhe bewegen und wunderbare, fesselnde, verstörende, begeisternde, und klügermachende Leseabenteuer darstellen.

    Sicher sind die historischen Kriminalromane von Herrn Dorweiler konventionellerer Natur als der „psychdelische“ Sprachrausch eines Andreas Pflüger oder der Zeitenspringer-Trip eines Zvoran Drvenkar, aber das änderte nichts an der Tiefe, in welche mich diese sehr verschiedenen Erzählwerke hineingezogen haben. „Zwischen den Jahren“ bedeutet in diesem Fall zwischen Januar 2025 und Februar 2026, weil ich mit einem 690-Seiten-Schinken gerade erst angefangen habe, der er mich gewiss noch zwei, drei Wochen begleiten wird – und ich jetzt schon, auf Seite 112, ein Loblied auf ihn amstimmen könnte. Im übrigen sind all diese Bücher schon viel und umfängluch gerühmt worden, also gibt es kaum „Neuentdeckungen“. Ausser für die, die sich darauf einlassen, eines dieser Werke in Angriff zu nehmen (am besten, ohne sich vorher darüber schlau zu machen. Nichtwissen ist oft hilfreicher für „wows & flows“ als immer schon zu wissen, wohin der Hase hinläuft.)


    Der bedeutsamste Roman meines Lebens ist und bleibt „Rayuela – Himmel und Hölle“ von Julio Cortazar (übrigens kein Kriminalroman). Ich hätte auch Lust, bald mal wieder einen dieser Klassiker zu lesen, wie Thomas Manns „Buddenbrooks“ oder die vielgefeierte Neuübersetzung von Miguel de Cervantes‘ „Don Quichote“, meine Nummer 2 unter meinen „favourite reading trips ever“ (ich war 18 und verschlang die Dünndruck-Edition aus dem Hause Winkler in vier Wochen, und mit achtzehn hat man normalerweise andere Sachen im Kopf). Aber diese Liste hier kommt, wie gesagt, ohne jede Reihenfolge daher. Als kleiner Anreiz für die mit dem „Edgar“ ausgzeichnete Zeitreise in den Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) fällt mir noch Nick Cave ein, der wohl, neben meiner alten Freundin Ulrike Haberl, zu den einzigen mir bekannten Personen zählen, die noch mehr Romane von James Lee Burke gelesen haben als meine Wenigkeit.

    Andreas Pflüger: Wie sterben geht
    Andreas Pflüger: Kälter
    James Lee Burke: Im Süden
    Zoran Drvenkar: Asa
    Ralf H. Dorweiler: Die Farbe des Bösen
    Liz Moore: Der Gott des Waldes
    Chris Whitaker: In den Farben des Dunkels

  • „glow, glow, afterglow“ – monthly revelations (January 2026)

    Glow Factor 10 collection: Pharoah Sanders has made „TAUHID“, Jan Garbarek has made „DIS“, Brian, Roger and Daniel have made „Apollo“, Van Morrison has made „VEEDON FLEECE“, Julian Priester has made „LOVE, LOVE“, Julie Tippetts has made „SUNSET GLOW“, David Darling has made „CELLO“, Laurie Spiegel has made „THE EXPANDING UNIVERSE“, Arve Henriksen has made „CHIAROSCURO“, Bill Callahan has made „APOCALYPSE“, Lambchop has made „SHOWTUNES“, and Steve Tibbetts has made „CLOSE“.

    album Björn Meyer: Convergence
    archive Alabaster DePlume: To Cy and Lee – Instrumentals Vol. 1

    Ganz besonders gut geht Sternegucken hier, wo ich in den kommenden 14 Tagen bin. Denn Pellworm darf sich ganz offiziell als Sterneninsel bezeichnen und hat den Titel von der International Dark-Sky Association (IDA) verliehen bekommen. Die Insel ist umgeben von geringer Lichtverschmutzung, wodurch sich ein gigantischer Sternenhimmel über Pellworm erstreckt. Allein die Wolkendecken müssen sich verflüchtigen. Nun gut, „Apollo“ habe ich jedenfalls dabei, das Meisterstück von Brian, Roger und Daniel, natürlich mit der zweiten Weltraumreise 36 Jahre später. Wann hat ein Trio nach so langer Zeit noch mal zusammen gefunden, und die eigene Klasse gewahrt, statt matten Abglanz zu liefern?! Anbei, etwas anders geordnet, die Offenbarungen des Januars (wir sehen das zeitlich nicht so eng und sammeln nur allerlei Faszinierendes der jüngeren Gegenwart!)

    film Sentimental Value
    binge Blue Lights, season 3 (1,2,3, auf Prime in Original)

    prose Noch einen Monat lang Jan Reetzes Buch über Joe Meek
    talk Michaels 2016 Interview mit Steve Tibbetts zu LIFE Of *
    radio Zum definitiv letzten Mal die letzte lange Nacht der Klanghorizonte

    *zur Einstimmung auf das Steve Tibbetts Portrait am 22.1. um 21.05 Uhr im DLF

    Afterglow Pellworm-style: Hello, darkness, my old friend! „The solstice has arrived and we have entered “Evening Star weather,” in honor of the second collaborative album from pioneering English musicians Brian Eno and Robert Fripp, released in December of 1975. Fifty years on, you can hear large swaths of the ambient genre echoing through Evening Star: The cosmic calm of Steve Roach’s classic 1988 album Structures From Silence. The neo-classical predilections of Eluvium and Stars of the Lid. The billowing atmosphere of Wolfgang Voigt’s music under the name Gas. The cracked nostalgia of Fennesz’s Endless Summer. Kyle Bobby Dunn’s commitment to drones that . . .“ (Aquarium Drunkard)

    Afterglow „Lebendige Würzburger Melancholie“ (1978)

    Afterglow „Lanzarote Dreaming 2017“ (für Lajlas Stillebenlektion)

    Afterglow „Bergeinöden 1982“ (in loving memory of Gudrun Hörner-Schwarz)

  • Als ich dann Tom Verlaine hörte, war Ende Gelände

    Vielleicht hat das alles damit zu tun, dass
    ich heute Müll aus fünf Jahren auf meine Deponie brachte,
    und dabei das ganze Album Too-Rye-Aye hörte,
    ohne es zu wollen besteige ich dabei ein Luftschiff,
    dass mich ins Jahr 1982 transportiert
    unweit der tschechischen Grenze, Gllückstaumel
    und Desaster insclusive Aber allles, alles mit dem Verve
    der Stimme von Kevin Rowland. Also legte ich los,
    im Grunde zu müde, mit dem Film „Passagiere der Nacht“,
    und war von der ersten Minute an in Paris, oder voll
    durch den Wind, in jeder Szene, in einem alten
    Jahrzehnt, und nicht weil es um Nachttadio geht, oder Charlotte
    Gainsbourg den Blues hat. Als ihr Sohn Mathias klopfte
    und Talulah (eine Fast-Verlorene, die ganz zu Anfang
    aus dem Nichts auftauchte) die Tür öffnete, und ich dachte,
    scheisse, das kenne ich doch und Talulah sagte: das ist Television,
    schossen mir die Tränen aus den Augen. Ich war so müde und so
    anwesend in diesem kleinen Wohnzimmer, dass ich
    das Gefühl hatte, ich sehe mir selber zu, meinen gesammelten
    Träumen, meinem beiläufigen Scheitern, meinem unheimlichen Glück,
    meiner Blindheit und, dass Magie seltener ist als Schnittwunden,
    Narben, plötzliches Verschwinden, gruselige Gutenacht-Geschichten –
    oft genug nur eine Handweit, einen unglaublicher Satz, zwei Blicke entfernt.

  • my little electric cave film festival (January 2026) is sold out!

    Ausverkauft war leicht bei jeweils sechs Gästen. Ich bin nur der Filmvorführer und sorge für Snacks und Rotwein. Ansonsten mache ich in der Regel aus dem Stegrief eine kleine Einführung, zwischen fünf und zehn Minuten, und verrate dabei kaum was über den Inhalt von jedem dieser Filme, die unterschiedlcher kaum sein könnten, und die doch einiges verbindet! Die Ausnahme ist der dokumentarische Film, bei dem ich einen Aufriss der historischen Situatiom gebe. Unddas dauert etwas, da musste ich mich selbst gründlich einarbeiten. Ich empfehle jeden dieser Filme, sie sind alle erhältlich als bluray oder dvd!

    Ein appetizer für „Dark City“: „One of the most underrated films of the 1990s gets its first 4K release thanks to Arrow Video, and it’s an incredible one. Alex Proyas’ Dark City (1998) is a masterpiece of shadows, and the deep blacks look fittingly incredible in this restoration, while the increased clarity and detail of everything else do wonders without ruining the film’s style. That aesthetic is a perfect fit for a neo-noir story with sci-fi twists, a film that feels like the true successor of Blade Runner (1982).“

  • Der lange Abschied von Coopers Kleingebäck

    Schaut man sich kurz das Cover an, könnte man meinen, ich sei im Dunstkreis der Taylor Swift-Gemeinde gelandert – ist da noch so eine Hochglanzblondine, die mit Identifikationsangeboten und Erhabenheitsposen, Schönklang und Pomp ihre Fäden zieht? Zum Glück nicht. Nicht so lange her, da gestaltete Emma Swift ein Coveralbum voller Dylan-Lieder, mit dem gewissen Extra, viel Talent, und der Frage, ja, ganz schön, aber wozu? Es folgte erstmal nichts, dann ein Nervenzusammenbruch, der nicht mit einer Valiumkur und ein paar aufbauenden Gesprächen aus der Welt zu schaffen war. Und nun ein erstes Album voller eigener Lieder und Worte. An ihrer Seite ein mir unbekannter, aber erstklassiger Produzent, der zeigt, wie sehr man mit dem Inventar des barocken, orchestralen Beiwerks umgehen kann, ohne diese fragilen Liedern mit ihren noch zerbrechlicheren Versen bloss hübsch aufzubrezeln. „The Resurrection Game“ (welch gelungener Titel!) ist ein im allerbesten Sinne „romantisches Album“, das, wenn man die Lieder und die Worte nahkommen lässt, hier und da nie ganz verheilte Wunden in Bewusstsein rückt („going where the lonely go“), in seltsamem Einklang mit der Lust, Tag für Tage neue Lebendigkeiten ausfindig zu machen. Und, als wäre dies derzeit eine Laune des Zeitgeists nach dem Tod von David Lynch und dem langen Abschied von Coopers Kleingebäck, spielt der erste Song der ersten Seite der Schlallplatte fraglos in einer Bar in Twin Peaks: Julee Cruise und Emma Swift hätten sich viel zu erzählen!

  • Die letzten Rätsel des Weissdornwegs

    Es war ein Film, der mich tief berührte, als ich ihn einst im Kino sah, entführte er mich doch ins Reich der Kindheit, und da war es egal, ob die Geschichte in Amerika spielte oder am Weissdornweg. „Stand By Me“. Ein paar Jungs machen sich auf den Weg in einen Wald nahbei, und entdecken eine Leiche. Rob Reiners Geschichte habe ich auch später immer wieder mal gesehen, und er meinte, der Erfolg des Filmes habe auch damit zu tun, dass es an einer Stelle heisse, solche Freundschaften, wie man sie mit zwölf Jahren habe, gäbe es nie wieder. Sentimental oder nicht, ich würde dem zustimmen, machte ich mich doch vor Jahr und Tag auf die Suche nach meinem einstigen besten Freund in Volksschulzeiten. Dass sie Schule Brüder Grimm-Schule hiess, hätte auch Stephen King gefallen, der die Vorlage für Rob Reiners Film lief. Meine kleine Detektivstory kann hier jeder nachlesen, der unter suchen „Im Club der Fische“ eingibt, vier Teile finden sich da mindestens.

    Und es hatte etwas Tragisches, dass ich ihn nur ganz knapp, etwa um drei Häuser, verfehlte, meine besten Freund, weil ich meine Suche an einem bestimmten Punkt abbrach. Ich hätte ihn beinah noch einmal angetroffen, wenige Monate vor seinem Tod. Wäre es zutiefst bewegend gewesen, keine Frage, ja! Bestimmt auch befremdlich für Mattes, wenn da plötzlich ein Zeitreisender vor der Tür gestanden hätte, und ich aus Verlegenheit mit dem Finger in die Richtung der Weissen Taube gezeigt hätte, wo uns zwei Kids 1966 völlig humorlos mit einem Messer bedroht hatten.

    Dafür begegnete ich andern aus meiner ersten Schulzeit, Zurli, Klaus, und vielleicht bald auch Zurlis Schwester, die das lebende Gedächtnis der Siedlung im Weissdornweg in Dortmund zu sein scheint, wenn Zurli mal so ins Reden komm. Es gäbe noch einige Geheimnisse zu lösen, ein paar verdammt offene Fragen, und wenn wir einfach mal einzelnen Puzzlestücken hinterhergingen, und unsere Erinerungen wie durchsichtige Polaroids übereinanderlegten, köme vielleich das eine oder andere heraus. All das brachte sich mir in Erinnerung, als ich gestern vom gewaltsamen Tod Rob Reiners las, und von den hässlichen Worten, die ihm der Abschaum von einem amerikanischen Präsidenten hinterher geschickt hatte.

    Die gute alte Singerhoffstrasse. Eine Art Hörspiel mit Zurli.

    (einfach auf die obige Zeile klicken und auf halbswegs tauglichen Lautsprechern laufen lassen.)

  • Gespenstergeschichte

    Vielleicht ist es vier Wochen her, als ich mich mit Zurli traf und wir endlich unseren kleinen Spaziergang durch die alte Siedlung unserer Kindheit unternahmen. Er war ganz schön angeschlagen, und ich war auch nicht bester Stimmung. Der Himmel war tiefes Grau, ab und zu zog ein dichter Vorhang voller Regentropfen über uns hinweg. Der Weissdornweg. Das Seltsame war, dass die ganze Siedlung wie ausgestorben dalag. Also, weil alle Menschen fort waren, blieben die Dinge allein, um Erinnerungen auszuösen. Das war die grosse Garagenfront, wo wir Fussball spielten, und das Knallen des Balls gegen metallische Tore einen solchen Krach verursachte, das ein Rechtsanwalt an der Grotenbachstrasse immer wieder laut rumtobte. Aber wir waren Kinder, unangreifbar. Natürlich wurde einiges in der alten Siedlung, die um 1960 hochgezogen wurde, renoviert, die Fassaden glitzerten runderneuert. Aber die als Tore dienenden alten Teppichstangen waren verschwunden. Zurli konnte sich nicht an die buschikose Beate erinnern, die genauso gut mit dem Ball umgehen konnte wie wir, und in die heimlich verliebt war. Wir tauschten unsere Erinnerungen aus wie Bilder einer Wundertüte, wohl wissend, dass diese fernen Dinge der Volksschuljahre immer nur kurz aufblitzen würden, um dann wohl für immer zu verschwinden. Die Melancholie war greifbar. Einmal begegnete uns dann doch ein Mensch, der aussah wie ein Oberschullehrer und sich seltsam zielstrebig und fussläufig duch die Siedlung bewegte. Er schien hier ein Leben zu haben, wir hingegen hatten den Wind, den Nieselregen und all die kurz aufflackernden Momente aus der Tiefe des letzten Jahrhunderts, Momente, die einmal den Anschein hatten, für immer und immer zu sein, bruchfest, verlässlich, widerständig. Sie waren alles andere als das. Ich liege auf der Couch, der Himmel hat das gleiche Weissdornweggrau, und ich gehe gleich in meine Höhle und höre „The Resurrection Game“ von Emma Swift. Ein wunderbares Album.