Re-Discovery of Something Adventurous

MANAFON ist ein zärtliches Ungetüm. DIED IN THE WOOL – THE MANAFON VARIATIONS spinnt die Fäden fort, die sich da anbahnten, öffnet Räume, schliesst Fenster, lässt alte Gesänge seitwärts treiben, schiebt neue Songs hinterher.
Wer vor MANAFON flüchtete, wird sich auch hier in Sicherheit bringen wollen. Was passiert mit dem Originalstoff: mal verschwindet die Kulisse der frei improvisierte Gespinste, und wird durch den streng modernen Duktus eines japanischen Komponisten ersetzt, mal werden die detailfreudigen Forschungen des „Originals“ subtil variiert.
Das Amalgam funktioniert und nimmt gefangen: ob Arve Henriksens Trompete nordisch uncool die Vertonung eines Gedichts von Emily Dickinson anreichert, ob Samples aus einem Konzert von Skuli Sverisson (Kristiansand 2010) momentlang einen tonalen Untergrund bauen, wo sonst harmoniefreie Klangpartikel ins Offene entschweben, ob die Melange von Ambient Music und Song Herrn Sylvian zu einer Ballade treibt, die den Samen für ein ganzes Werk bilden könnte (I SHOULD NOT DARE)…
Was durchweg verblüfft, ist die Natürlichkeit, mit der hier Neue Kammermusik, Electrionica, Sampling sogenannter Pop- und Klangspuren von manch anderen Welten eins miteinander werden. Geradzu lässig, als ginge all das Unerhörte und Dunkle leicht von der Hand.
Michael Engelbrecht am 12. Mai 2011 auf dem alten Blog, carefully remixed
monthly revelations reshaped (march)
(album) das aussergewöhnliche Pianoalbum „Skrifum“ von Jon Balke, das m.E. in einer eigenen Sphäre existiert irgendwo zwischen Harold Budds und Brian Enos „The Plateaux Of Mirror“ (das Jon nicht kennt) sowie Paul Bleys „Open, to love“ (das eines seiner desert island records ist) (film) Ingo J Biermann erinnert an David Lynch (prose) Craig Thompson: Ginsengwurzeln (talk) „The infinity of goove“ – life and times of Philip Jeck (radio) Playlist in Motion: die Ausgabe der Klanghorizonte am 27. März (binge) Mo, Staffel 1 und 2, die tragikomische Geschichte eines Palestinensers in Mexiko (archive) Nicos „The Marble Index“, ein Remaster des Labels Domino, geschrieben von „special guest“ Richard Williams

Wir machen keinen Fetisch aus dem Neuen, und der „letzte Schrei“ ist oft überbewertet. Also leisten wir uns auch Blicke „vorwärts in die Vergangenheit“ und machen Altes im Sinne von Wiederkehrendem aufmerksam, das uns schlicht viel bedeutet in diesen Tagen: in den „march revelations“ sind es Erinnerungen an David Lynch und Philip Jeck, Olafs Lieblingsbuch des Jahres 2024, sowie eine Sternstunde von Nico (die bereits 2023 wieder veröffentlicht wurde). Es hätte auch Paul Bleys Meisterwerk sein könne, das nun in der ECM-Reihe „Luminessence“ vorliegt. Übrigens, zwei Alben, die sonderbar gut zueinander passen, nicht nur, weil sie beide 1973 rauskamen: „Open, to love“, und „Paris 1919“! (Die „april relevations“ kommen am 1. April! Die „may revelations“ wegen diverser Reisen schon Mitte April (es sei denn, jemand übernimmt den Wonnemonat!)
„I don’t know what jazz is“ – two cups of Usambara (and Alabaster speaking)
This may look like some wild journey through the worlds of jazz and beyond, „zigzagging“ is the keyword here I once learned from a Robert Wyatt song, still unable to write it correctly. And it IS a wild journey, an special mix of records either loved for ages, or records I‘ve heard for the first time like „Gravity“, or never before, like the „spirituals“ of Paul Robeson. Sorry for the „echoey“ sound of Alabaster‘s speaking, i had to record it from a speaker to place it here. I think you can handle it, and, maybe, you discover some wonderful music. For example Alabaster‘s „A Blade Because A Blade Is Whole“. To be released on my birthday on March 14.
I really use music as part of my survival kit, this is why i don‘t do yoga or zen meditation. The kind of music that takes risks, creates mysteries, haunts me with decent portions of light and shadow. Necessary in times like these anyways, and no escapism. Or the best escapism of all. It‘s an anti-depressant. A horizon.

Today, early in the morning, K7 (Berlin) delivered, to my surprise, the vinyl of „Gravity“, by Finnish Joona Toivanen Trio. Hearing it, I remembered their fresh approach to the piano trio format from an earlier album that was more on the moody side. No cultural baggage on their shoulders that can‘t be dissolved in fresh air. Pure joy to listen to, and go for the tiniest details. First 2025 release of WeJazz Records, Helsiniki.
Later in the afternoon a friend came by, who finally wanted get inside – with daylight vanishing behind the curtains – one of the last recordings of Charles Mingus, the quadrophonic version of „Mingus Moves“. Two big cups of Usambara for the journey, piano, bass and drums up front, the reeds coming from the rear speakers. Pure joy, part 2 (and more revelations in the lines to come…) The way Don Pullen hits the piano shows how to courageously handle the bass wizard!
And another „jazz vibe“ of the day: Marshall Allen, a member of the Sun Ra Arkestra since 1958 and its leader since 1996, has just released his debut solo album „New Dawn“. He is 100 years old now (and allows himself to be quite nostalgic). This makes him the oldest artist to ever release a debut album, and, by the way, when he was 90 or so, I saw him at Stadtgarten, Cologne, on a birthday of mine. It was – pure joy! As an inhabitant of too many caves, I mildly regret not having seen some of my old heroes when they were still around. For example, John Coltrane in 1961 at the Village Vanguard. I was six years old, I would have been ready for it. (In fact, Brad Mehldau, look at his early revelations Lajla has posted days ago, was a huge fan of Trane‘s „Live At The Village Vanguard (Again)“, more on the free side of jazz!)

And last, but not least, there is another cracker reappearing, from the mid-70‘s. On vinyl. A hidden gem from the few fusion-fuelled albums by saxophone giant Joe Henderson, named „Multiple“, with the infamous „stellar“ ensemble at his side. Time traveling at its best! Closing the circle, I cannot recommend Joona Toivanen‘s trio music of „Gravity“ high enough. Stephan Graham may have some minor quibbles in his 3 1/2 star review on Marlbank, but finally he concludes: „It’s not a band to get the party started. More it’s a unit made for deep rumination and some serious soul searching.“ I deliberately offer four glowing stars for this long lived trio that, instead of exercising a formula once found, acts with a „beginner‘s mind“ from album to album. There‘s a little mystery in each and every track here, let‘s call it „the blow away zone“!

Postscriptum mit „Interview“: Alabaster DePlume about three albums from the „spiritual“ side that sent him places: that one „Japanese Folk Song“ of Thelonious Monk‘s „Straight No Chaser“, „Paul Robeson’s „Live At Carnegie Hall, 1958“, and „Angels And Demons At Play“ by Sun Ra.
LISTEN NOW (in the words of Alabaster)
Ich war natürlich gespannt, welche drei Alben Gus Fairbarn alias Alabaster auswählen würde. Und als er auf dieses Stück aus „Straight, No Chaser“ zu sprechen kam, fiel mir ein, dass ich schon öfter eine gewisse „soulmateship“ zwischen Robert Wyatt, dem lange Zeit dezidierten Atheisten sowie „Humanisten“ Robert Wyatt (ich gebrauche das Wort „Humanist“ ohne elitären Ballast) und Alabaster DePlume wahrnahm, ihre Sicht auf die Kriegsverbrechen Netanjahus und seiner „Bande“ (Robert schrieb Lieder über das Grauen dort, Alabaster nahm Musik vor Ort auf): beide agieren mit einer sanften Stimme, eher untypisch für politische Songs, und beide finden einen Antrieb für ihre Musik in dem Mitgefühl für die Opfer, nicht in politischer Programmatik. Und beide haben einen besonderen „Draht“ zur Musik von Thelonious Monk.
Strandlektüre für Rantum im März

Geradezu „entdeckt“ habe ich einen „Professor of History at Middle Tennessee State University“! Ein fundiertes, alle Sinne ansprechendes Büchlein über John Cales „Paris 1919“. Auch wenn er zuweilen in munterem Galopp durch die Histore jagt (mit pointierten Pausen des Verweilens), von Versailles 1919, über Dada und Surrealismus und Dylan Thomas bis hin zu Andy Warhol und Fluxus, nimmt er all diese Hürden en passant, ohne oberflächlich zu werden. Alles kreist, bereichert mit spannenden Tangenten, um diesen gespensterreichen Songzyklus, voller Hintergründe und „sidesteps“.
Mir gehen reihenweise Lichter auf. Ich schätze zum Beispiel, wie Mr. Doyle die Unergründlichkeit dieser Lieder herausarbeitet. „Mark Doyle runs down the ghosts haunting Cale‘s most enduring solo album.“ ich begab mich ratzfatz auf seine Spur. Es gibt natürlich etliche Mark Doyles, aber genau dieser veröffentlichte 2020 auch ein Buch über die Kinks, Untertitel: „Songs Of The Semi-Detached“.
Die Helden meiner Kindheit und ihre „Psychogeographie“: die Kinks rangierten damals in meiner Welt knapp vor den Beatles. Und 1976 weigerte sich ein breites Honigkuchengrinsen , eine runde Woche lang in Würzburg mein Gesicht zu verlassen, als dank des bayerischen Zündfunks die Langspielplatte „801 Live“ meine Studentenbude flutete, Phil Manzaneras Super Group mit meinem damals brandneuen „Helden“ Brian Eno als Sänger und Synthesizerspieler, und seine „hot takes“ von „You Really Got Me“ und „Tomorrow Never Knows“ mich im Sturme nahmen, wie im gleichen Zeitenraum auch „Miss Shapiro“, und überhaupt das pure very britische Seventies-Opus „Diamond Head“.
Tja, und obwohl ich BRAVO-sozialisiertes „human being“ viel über die die Kinks wusste und weiss, mit all ihren Umwegen über „5 o’clock tea“, Carnaby Street, The Village Green Preservation Society und USA (und auch über Ray Davies’ innere Distanziertheit zu überschwappendem Flower Power), freue ich mich wie Bolle auf Boyles 213 Seiten am Meer, sowie einen historischen Kriminalroman, der in den holländischen Bergen spielt anno 1961, sowie auf Martina W.‘s Anthologie „Und man hört sie doch“, die tatsächlich schmökertauglich ist, sowie, bald oder etwas später, Jan R.s jüngsten Streich über einen mir weitgehend unbekannten Künstler. (Der hervorragende, 1975 und früher spielende Gesellschaftsroman „Der Gott des Waldes“ von Liz Moore, Krimi, Survivalkurs und tiefenpsychologische Finnesse in einem, ist soeben erschienen, und wurde leider schon von mir in atemraubendem Tempo verschlungen.)
Der Koffer ist gepackt, das Haus am Meer wartet auf mich, es hat einen Cd-Spieler, und ich wieder mal nur Ausgesuchtes dabei, sowie „Paris 1919“, dann die neuen Werke von Alabaster DePlume, Vijay Iyer & Wadada, zudem und sowiesoso „Grosses Wasser“ von Cluster (das lange Stück!) als auch Philip Jecks Vermächtnis „rpm“ (was gibt es Rauschenderes und Knisternderes als Jecks Vermächtnis nachts in „Klein-Afrika“ zu hören, auf Kopfhörern, die dem Sound der Wellen natürlich Einlass bieten!?)…
Für Scotch und Candlelight auf El Hierro und sonstwo
Vorspiel mit einem alten Text: Der vertraute Klang eines Cocktailshakers voller Eis und entfernter Möwen weichen einer einfachen Melodie, einem im Licht sich räkelnden Rhythmus. Wir befinden uns auf einer Zeitreise in ein Japan, das bald eine halbe Ewigkeit zurückliegt. Die Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts, jene tollkühne Dekade. Wir träumten damals vom Fujiama, der uns auf grossen Briefmarken entgegenblickte, verspielt und majästetisch, als wir baby boomer waren. Japaner träumten anders. Und so befinden wir uns gerade mitten in einer Musik, die deren ausgesuchte Urlaubsparadiese zu damaligen Wirtschaftsblütezeiten heraufbeschwörte. Die südlichen Inseln im Pazifik.
„Pacific“ ist der Titel dieser Langspielplatte. Das Werk entstand 1978. fast alles instrumental, bis auf die eine Zeile, die mit dem „Sommer in ihrem Haar“ alle Träumerei auf den Punkt bringt. Die drei Pazifikforscher: Shugeru Suzuki, Harry Hosono, der bald das Yellow Magic Orchestra mitgründen sollte, und der Dritte, einer der Cracks der japanischen City Pop-Szene, Tatsuro Yamashita. Wir erkennen einen alten Bekannten, der auf dem Album auch mitmischte, Ryuichi Sakamoto. So jung, man glaubt es kaum. Eine Prise früher Synth-Pop, die japanische Variante amerikanischer Exotikträume a la Les Baxter, melodische Funkrhythmen, ein schwebender Horizontöffner, eine Brise New Age, easy peasy, soft and breezy.

Ein gutes Jahrzehnt später. “I follow the peacocks as they sing like wo la la la”. Das Album: OMNI SIGHT SEEING. Anno 1989. . In den Achtzigern war „Weltmusik“ angesagt, aber vieles von diesen globalen Sounds hielt eine geschmäcklerische Sanftheit parat, mal virtuos, mal berechnend, und oft genug war das vollmundige „CROSSOVER“ einfach langweilig wie effekthascherisch.Wenig kam heran an die rohe Wucht und Durchschlagskraft von „My Life In The Bush Of Ghosts“ von Eno und Byrne, an die surreale Magie von Jon Hassell und den drei Codona-Alben auf ECM. Einiges wohl, aber vieles nicht. Und da taucht nun, als Reissue bei Victory Records, diese Platte auf, die diesen Globetrotter-Modus auch noch auf das Cover setzt, als Untertitel in schwarzen Lettern: „recorded in 1988 – 1989 from Showa to Heisen, Tokyo to Paris, Sung in Japanese-English, French and Arabic“. Und was darüber steht, wirkt wie eine touristische Animation: „omni Sight Seeing / the GLOBE WATCH TOUR: conducted by Hosoni Haruomi“. So weit, so gewöhnungsbedürftig.
(Die Fortsetzung mit „der psychoakustischen Erfahrung“ folgt in Kürze, die Platte kann man für erstaunliche 20,99 Euro bei HHV bestellen, Ingo könnte vorbeigehen in dem Berliner Laden und das Porto für die Lieferung einsparen (bei Amazon kostet das Vinyl einer anderen Ausgabe 338 Euro – und so viel vorab, ich gebe der Platte 4 von 5 Sternen und empfehle sie uneingeschränkt, Jan R. wird sie auf Tidal hören, wie er mir mailte. Das white marbled vinyl eine Augenweide.)

Ich besorgte mir das Album, weil ich Haruomis „Pacific“ vor Jahren als Entdeckung empfand, und einmal mehr überzeugt mich auch dieses Werk von Anfang bis Ende, warum, genau, kann ich aber kaum sagen. Es geht ja auf der Rückseite des Albums, im Kleingedruckten, noch weiter, und wenn man da von „Astralreisen“ liest und „spiritueller Reise“, noch dazu in recht plakativer Sprache, fragt man sich, ob der Gute zuviel Kaffee im Nirvana getrunken hat, ein romantischer Schwärmer ist, oder reale Grenzerfahrungen in Klänge übersetzt.
Denn dieses Album ist ein Tollhaus von kreuz und quer purzelnden Einfällen (das Cover passt da schon wunderbar!). hosono Haruomi in einem Samdkasten aus Alphaville. In eine japanische Technovariante mit Härte 8 schmuggelt er Bandoneonistas hinein, marokkanische Herzensgesänge, ein fröhlich aisflippendes Saxofon, um danach in einem wundersam floatenden Ambient Track jeder zerfliessenden Sekunde gewisse underwater vibes unzerzumischen – call it „balearic“! Schön verrückt und erfinderisch seine elektronisch unterfütterte Version von Duke Elllingtons „Caravan“! Alles kommt mit einem ausgeprägten Spieltrieb daher, und könnte leicht als nette multikulturelle Petitesse durchgehen, aber es fesselt mich, sorgt für Heiterkeit, Wundern und schöne Verblüffung. Seltsam.
Radio On
Today I got Alabaster‘s answers for the Klanghorizonte at the end of March. If you look at my playlist in motion, there are not many questions open in regards to the playlist, except the final piece, or playing three ECM‘s in one hour. I will ask for that, good arguments I have. There‘s is a fine connection over decades between Paul Bley‘s Open, to love and Jon Balke‘s Skrifum, for example. Anyways, HEAR the kind greetings from Alabaster! Afterwards he spoke about two songs, his saxophone paying and much more. HEAR The Hebina, Hebina story! Kindred spirits in peculiar ways, Alabaster and Brian! (I will write that hour on Sylt, cold cloudy winter days will be guaranteed.)
the 100 records that all came to me „like a hurricane“ in the wild, wild 70‘s
Früh am Nachmittag kam ein Päckchen, darin Mark Doyles beeindruckendes Büchlein über John Cales „Paris 1919“ (ich fliege gerade im Kindle durch die 120 Seiten) und – sehr preiswert (ich verschenkte es schon diverse Male) – Paul Bleys „Open, to love“ als digipak-Cd. Ich stockte: „Na hör mal“, sagte ich zu mir, „das ist doch Synchronizität“. Ich schaute nach, genau: beide Platten erschienen 1973! Und das waren wohl die beiden besten Alben jenes Jahres, naja, vielleicht würde ich ihnen noch ein, zwei, drei, aus meinem 18. Jahr an die Seite stellen. Denn jenes Jahrzehnt war wirklich verrückt. And completely overflowing with lessons of love, life, magic, and death. I‘m still learning them today. Learning to fail. Learning to surrender. (Another magic list of the 70‘s)

The Human Arts Ensemble: Under The Sun
Soft Machine: Third
Terje Rypdal: Odyssey
Bo Hansson: Lord of the rings
Bob Dylan: Desire
Terje Rypdal: What Comes After
Don Sugarcane Harris: Fiddler on the rock
Chris Hinze: Mission Suite
Leonard Cohen: Songs of Love and Hate
Joni Mitchell: BlueMiles Davis: Live At Fillmore East
Neil Young: After The Goldrush
Neil Young: Tonight’s The Night
Neil Young: On The Beach
John Cale: Paris 1919
Brian Eno: Taking Tiger Mountain (By Strategy)
Jacques Brel: Das letzte Album
Brian Eno: Discreet Music
Keith Jarrett / Jack DeJohnette: Ruta and Daitya
Brian Eno: Another Green WorldKeith Jarrett: Bremen / Lausanne
Keith Jarrett: Belonging
Byard Lancaster: Us
Brian Eno: Music For Airports
Jan Garbarek: Sart
Volker Kriegel: The Missing Link
Brian Eno: Before and After Science
Paul Bley: Open, to love
Keith Jarrett: The Survivors Suite
Jan Garbarek: Witchi-Tai-ToJan Garbarek: Dansere
Dave Holland: Conference of the birds
Anthoyn Braxton: New York, Fall 1976
Leonard Cohen: New skin for the old ceremony
Oregon: Distant Hills
Ralph Towner: Diary
Ralph Towner: Solstice
Van Morrison: Veedon Fleece
Weather Report: Mysterious Traveler
Chick Corea: Return To ForeverWire: Chairs Missing
Wire: 154
The Allman Bros Band: Live at the Fillmore East
Eberhard Weber: The Colours of Chloe
Eberhard Weber: Yellow Fields
Brian Eno: Music For Films
Eberhard Weber: The Following Morning
Joni Mitchell: Hejira
Keith Jarrett: Fort Yawuh
Keith Jarrett / Jan Garbarek: LuminessenceBennie Maupin: The Jewel In The Lotus
Julian Priester: Love, Love
Joe Henderson: The Elements
Don Cherry: Brown Rice
Can: Tago Mago
Marion Brown: Geechee Recollections
Robert Wyatt: Rock Bottom
Meredith Monk: Dolmen Music
Steve Reich: Music For 18 Musicians
Walt Dickerson Trio: PeaceNeil Young: Comes A Time
Kraftwerk: Mensch-Maschine
Marion Brown: Sweet Earth Flying
Marion Brown: Vistas
Egberto Gismonti: Danca des Cabecas
Phil Manzanera: 801 Live
Terje Rypdal: Whenever I Seem To Be Far Away
Robert Fripp: Exposure
Neil Young: Zuma
Gavin Bryars: The Sinking of the TitanicPenguin Cafe Orchestra: Music From The Penguin Cafe
Keith Jarrett: The Köln Concert
Paul Bley: Alone, Again
Television: Marquee Moon
David Bowie: Low
Cluster & Eno
Eno / Moebius / Roedelius: After The Heat
Michael Rother: Flammende Herzen
Jan Garbarek / Arild Andersen / Edvard Vesala: Triptykon
Edward Vesala: Nan MadolJohn Martyn: Solid Air
Talking Heads: More songs about buildings and food
Talking Heads: Fear of Music
Caravan: If I Could Do It All Over You…
Jethro Tull: Thick As A Brick
The Residents: Eskimo
Dollar Brand: Good News from Africa
Keith Jarrett: Sun Bear Concerts
Art Lande / Jan Garbarek: Red Lanta
Mahavishnu Orchestra: Birds Of FireChick Corea: Paris Concert
Sam Rivers: Streams
Codona: Codona (1979)
Carla Bley: Tropic Appetites
Julie Tippetts: Sunset Glow
Paul Motian: Dance
Holger Czukay: Ode To The Peak Of Normal
Jackson Browne: Too Late For The Sky
Peter Rühmkorf: Kein Apolloprogramm für Lyrik
100: Miles Davis: Jack JohnsonEine andere Wetterscheide
Mir ist klar, warum ich EIGENTLICH keine Liste meiner Alben der Siebziger machen kann, es wären dreihundert Langspielplatten. Und wie viele von ihnen enthielten lessons of life and love, die widerständig blieben, egal, welche Narrheiten über einen kamen. Das war die beste Sozialisation, oder, um es in einer alten Sprache auszudrücken, die beste Schule des Herzens. Und das Herz schlägt links, bingo! Was sonst wählen am kommenden Sonntag ausser Grün, Die Linken, oder SPD. Ich verachte die Leute, die aus eigenem Frust den Gang zur Wahl verweigern und somit die neuen Nazis stärken.

Und, jaja, es ist alles andere als purer Eskapismus, in meinem Plattenregal in einem lang vergangenen Jahrzehnt zu stöbern, und eines dieser ewigen, erschütternden, herzschmelzenden, melodietrunkenen, geschichtsbewussten, umwerfenden Songalben jener wilden Dekade aufzulegen (ich nenne es spasseshalber die Nummer 12 meiner Top 300), zum wievielten hundertsten Male eigentlich!? Da wird auch der Geist von Versailles gestreift, jene Konferenz der Mächtigen, die den Boden mitbereitete für die Schrecken, die dann noch kamen. „Paris 1919“ heisst das unfassbare, unerschöpfliche Album, das erstmal daherkommt wie eine Soft Rock-Platte unserer besten Jahre (kein böses Wort gegen den Zauber von Al Stewarts „Year Of The Cat“, my number 301), und dann, mit der Zeit, alle möglichen Geister und Gespenster zum Tanz bittet. Es ist mir eine dunkle Freude, in diesen Tagen Mark Doyles brandneues Buch über John Cales „Paris 1919“ zu lesen. Hier folge ich den Wegen von John Cales Kindheit in Wales, hin zu seinen Jahren in New York und Los Angeles. Mark Doyle hat zum Glück keine track-to-track analysis im Sinn, denn er kennt das Phänomen, dass bestimmte Alben einen ein Leben lang begleiten, und nicht aufhören, zu überraschen. Fragt mal Jan Reetze!
Und jetzt mache ich doch eine Liste.
My 100 most beloved albums in the 70‘s.Kein Apolloprogramm für Lyrik

Über die Jahre, nicht
weit versprengte, ein
stiller Nachhall, griffbereit
im ungeordneten Archiv,
als wäre er, und das ist er,
immer noch da.Wetterscheide
Mein grosser Held veröffentlichte 1986 einen Song namens „A Quiet Life“, und, bereits ein begnadeter Aussenseiter, als er seinen modeverrückten Bruder auf der Carbanby Street begleitete, sagen wir 1966, blieb er sich auch später treu in seinem Blick auf Elementares. Wir frühstücken gerade, und die beiden Mädels richten schon mal den Blick nach Malaga Ende April. Da ist natürlich Sonnenschein garantiert, so wie Regen in Wuppertal, bei mir ist die Lage nicht so klar. Habe alle meine Wetterprognosen für Lanzarote in den ersten sieben Tagen im März parallel geschaltet – ernüchternd. Dagegen ist das Wetter auf Sylt und Langeoog verlässlich kühl und wechselhaft. Und plötzlich landen wir bei Urlaubsgeschichten, die in den grossen Sommerferien im Norden der alten BRD immer auch Dünenschleichwege waren, Verliebtheiten, Kissenschlachten, Fahrradausflüge zur Meierei im Ostland, Wattwanderungen mit Würmern, Halmatage im Hotel, und morgendliche Spaziergänge zu den neuen Kinoplakaten mit Abstechern zum Kiosk. Und so deutet auch jetzt alles auf die Scholle „Finkenwerder Art“ statt auf Mojo rojo und Mojo verde. Einmal mit 14 und meinen Eltern in Westerland, Bilderbuchsommerwetter, Tag für Tag, auch Milchreis mit Zimt, der Wellengang aber recht zimperlich, und mir war seltsam langweilig, ein Urlaub ohne Schwärmerei, Lieblingsbücher, neue Freunde – der einzig magische Moment war im ersten Anflug ein mächtiger Schreck: der Kauf einer „Bravo“, mit entlarvenden Fotos, wie sich zwei meiner „heroes who never die“ auf der Bühne prügelten, sturztrunken. Der Kioskbesitzer hatte ein Transistorradio, und als ich den Artikel im Stehen verschlang, ertönte aus dem kleinen Lautsprecher und dem Schatten seiner Bude die vertraute, absteigende Basslinie von „Sunny Afternoon“, und die Welt war für ein paar Minuten unverwundbar.