Brian Enos Story von „Fractal Zoom“
„Was „Fractal Zoom“ betrifft, experimentierte ich damals mit etwas, das ich „unwillkommenen Jazz“ nannte. Da gab es eine gewisse Dissonanz und Schärfe, die mir gefiel. Gleichzeitig wollte ich aber dieses – zumindest für mich – große Experiment wagen, eine Art von Musik zu schaffen, die die Freiheit und die Dissonanz besitzt, die man manchmal im Jazz findet. Und dennoch etwas Liedhaftes an sich hat. „Fractal Zoom“ begann mit einer Aufnahmesession, die ich in Los Angeles mit dem großartigen Schlagzeuger Sugarfoot Moffett machte.

Er wurde wegen seiner Bassdrum-Technik „Sugarfoot“ genannt. Er konnte sehr, sehr gut mit der Kick-Drum umgehen. Er tauchte bei der Session auf. Ich erinnere mich, wie er in einem roten Cabrio auf den Parkplatz fuhr, auf dessen Rücksitz nur drei Snare-Drums lagen. Sonst nichts. Ich hatte den Rest des Schlagzeugs gemietet, aber er wollte seine eigenen Snare-Drums mitbringen. Jedenfalls nahmen wir ein paar Improvisationen auf, und eine davon wurde zur Grundlage für „Fractal Zoom“.
Ich habe die Bänder mit nach England genommen und dort weiter daran gearbeitet. Dabei habe ich diese großartige Zutat namens „Robert Fripp“ hinzugefügt, der für diesen Titel auf ganz besondere Weise Gitarre gespielt hat. Er nannte es „Pin Trumpet“. Das ist dieser sehr, sehr dünne, durchdringende Klang, den man in dem Stück hört. Ich glaube, die Gitarre wurde elektronisch irgendwie um eine Oktave erhöht. Aber ich hatte immer noch keinen Song. Und ich wollte etwas, das lyrisch und süß und sehnsüchtig und fast schon ängstlich über diesem Groove lag.
Der Groove war, glaube ich, wirklich mehr als alles andere vom Spiel von Jaki Liebezeit geprägt. Ich wollte einen dieser unaufhörlichen, kraftvollen Grooves, wie er sie hinbekam. Und natürlich war der andere Schlagzeuger, der mich sehr beeinflusst hat, Klaus Dinger, den ich zum ersten Mal bei Neu gehört hatte. Es ist dieses Schlagzeugspiel von Sugarfoot Moffett, das diesen Track wirklich untermauert. Ich hörte mir den Song jetzt wieder an – etwas, das ich schon seit geraumer Zeit nicht mehr getan habe, da ich meine älteren Werke nicht so oft höre. Und er gefällt er mir wirklich gut. Ich bin überrascht und es ist mir ein bisschen peinlich, das zu sagen.
Aber diese Wolke aus Gesang und Instrumenten, die etwa zwei Minuten nach Beginn unerwartet auftaucht, hat etwas Wunderschönes an sich. Und ich denke, man kann es eigentlich als eine Art Fusion-Musik bezeichnen. Ein Versuch, einige Stilelemente miteinander zu verbinden, die normalerweise nicht zusammen vorkommen. Etwas zu schaffen, das sowohl rau und ziemlich aggressiv ist als auch etwas, das fast schon ekstatisch wirkt.