Protokoll

Es wird kälter.

Nach fünf Wochen Unterricht hat die Erschöpfung zugenommen, bei allen Beteiligten.

Eltern schreiben immer mehr Emails, stellen Forderungen. Die Antworten werden patzig, überheblich. 

Die Kinder und Jugendlichen werden unruhiger, Versuche dieser Unruhe zu begegnen driften zunehmend ins persönliche.

Die Stimmung im Lehrerzimmer ist sowieso immer schwer zu verstehen. Aus dem Nichts brechen Kolleginnen in Tränen aus. Menschen, die wenig wertschätzend übereinander sprechen, sitzen miteinander Kaffee trinkend und vertraut plaudernd auf dem Sofa. 

Und es sind noch drei Unterrichtswochen bis zu den nächsten Ferien. Die kommende Woche hat sechs Arbeitstage, die folgenden Wochen muss ich 8 Stunden mehr als sonst unterrichten, dazu kommen mehrere Eltern-Schüler-Gespräche.

Es wird kälter. Zu Hause stellen wir die Heizung erst im Oktober an, wobei ich mich wahrscheinlich vor 12 Monaten um diese Zeit gefragt habe, warum eigentlich. In diesem Winter versuchen wir das alte Haus mit einer Wärmepumpe warm zu bekommen und sind gespannt auf das Ergebnis.

Dmitri Schostakowitsch war sein Leben lang darauf bedacht, nichts Falsches zu sagen und keinen falschen Ton zu komponieren, sich an die ungeschriebenen Regeln der Sowjetunion zu halten. In „Der Lärm der Zeit“ greift Julian Barnes drei Abschnitte seines Lebens heraus. Alle beginnen mit Variationen des Satzes „Dies war die schlimmste Zeit.“

Dagegen ist alles gut. Menschen, die sich nicht mögen, reden miteinander. Lösungen werden gefunden. Man entschuldigt sich. Spendet Trost. Zieht an einem Strang. Begegnet sich auf Augenhöher. Trägt Pullover. Und die Wärmepumpe hat im März und April schon funktioniert, warum soll sie es nun nicht tun.

2 Kommentare

  • Michael

    Oh oh oh, mögen die Ferien bald kommen, dachte ich beim Lesen. Aber dann zum Ende hin: klappt schon irgendwie, eine Portion Durchatmen und Gelassenheit.

  • Olaf Westfeld

    Ja, klappt! Also: Ferien dürfen bald kommen, die nächsten drei Wochen haben es wirklich in sich. Aber es passt alles. Mache das ja ganz gerne.

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