Das rote Eichhörnchen beispielsweise

„Genau das macht den Zauber von Medems Filmen aus, daß er auf die Erde blickt wie auf ein fernes Gestirn, dessen Naturgesetze nur den Regeln des Herzens zu gehorchen scheinen.“ (Michael Althen)

“Medem hatte ein Medizinstudium abgeschlossen, mit der Absicht, Peychoanalytiker zu werden. Bereits als Kind hatte er Super-8-Filme gedreht; in seiner Studienzeit war er als Filmkritiker für die Zeitung „La Voz de Eiskadi“ tätig. Kindliches Super-8 und Psychoanalyse: davon ist noch einiges zu spüren in den enigmatischen, hypnotischen Spielfilmen, die er seit 1993 gedreht hat. Die Genauigkeit eines Wissenschaftlers wechselt sich ab mit der Fabulierkunst des geborenen Geschichtenerzählers, wenn Medem das Labyrinth der Passionen erforscht, den Irrgarten der Emotionen durchstreift.“ (Hans Schifferle, in: Rolf Aurich, Ulrich Mannes: Hans Schifferle. Berufung: Kritiker)

In einem imaginären existenziellen Kinoschmöker über meine „100 Lieblingsfilme“ kämen sage und schreibe vier Filme des Basken Julio Medem vor. Und, wenn ich im Inhaltsverzeichnis blättere, Hitchcock ist im Vergleich nur dreimal vertreten. Hans Schifferle spricht von „Landkarten der Sehnsucht“ , in seinem Essay über „die metaphysischen Kinomelodramen des Julio Medem“, und lässt alle vier darin auftauchen. Mein Einstieg war, ein Tip von Jan Garbarek, „Die Liebenden des Polarkreises“ ich war so berührt, dass ich bald „Tierra“ folgen liess, ein so hinreissender verrückt-real-surrealer Film (natürlich über die Liebe und ihre Verzweigungen), der mich in jeder Sekunde so gefangennahm wie jede Sekunde des unendlich zauberhaften Liedes gleichen Namens von Caetano Veloso. Ich sah „Tierra“ in Barcelona und zuhause, habe die DVD von „Tierra“ gewiss wieder und wieder angeschaut, und wieder und wieder sah ich später auch „Lucia und der Sex“. Vor einer Woche nun nahm ich die Fährte eines weiteren Medem-Films auf: und auf Anhieb gesellte sich „Das rote Eichhörnchen“ (das unlängst lange in der Arte Mediathek zu sehen war) als Dvd zu meiner privaten Serie von 100 Lieblingsfilmen.

2 Kommentare

  • interaktionist

    Das sind die unumstrittenen Meisterwerke in Julio Medems Schaffen! Vielleicht führt dich die Spur auch noch zum baskischsten seiner Filme, VACAS. Und die Inszenierung des Hippitums im Zentrum von machtpolitischen Verflechtungen in CÁOTICA ANA ist auch eine spirituelle Filmreise wert.

  • Michael Engelbrecht

    Dieser erste Film fehlt mir noch. Der ist vorgemerkt, seit ich Medems Essay las… ich hoffe, ich finde ihn als Dvd oder Bluray…

    Unter „Lieblingsfilmen“ verstehe ich auch etliche Filme, die nicht unbedingt zu den sog. Klassikern zählen, die aber für mich immer wieder erlebbar sind, ohne je zu langweilen. Solche Filme bleiben nicht in einer alten Zeit hängen, sie bewegen, bereichern eben zeitlebens. Wie etwa der erst vor Jahren entdeckte Film „Medium Cool“ … oder mein favourite movie von Peter Strickland…. Und nicht jeder würde das mit den „unbetrittenen Meisterwerken“ unterschreiben, eine kleine oder mittelgrosse Schar von Kinofreunden aber wär hier bei Medem allemal am Start.

    Ich freue mich schon auf das baldige zweit Sehen der „roten Schildkröte“… 😉

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert