„Trans-love airways“
„Herzlich willkommen zu den Klanghorizonten, am Mikrofon Michael Engelbrecht.“ Glaubt mir ja keiner, dass das hier die Auflösung meiner Patience ist, das Ende des Geduldspiels, die finale Playlist für den 28. Mai….
Folgendes hat sich ereignet: ich bekam die Information, dass eines der begehrtesten Alben von Don Cherry erstmals wieder ans Tageslicht gekommen sei, in einer kleinen Vinyl-Auflage bei „Klimt“. Als ich vor Jahren bei Discogs eine alte Ausgabe von „Relativity Suite“ bestellte, war ich enttäuscht von einer sehr mässigen Pressung. Zu oft abgespielt, oder von Anfang an so knisterig? Unspielbar im Radio. Ich hoffe, diese „reissue“ wird in allerbestem Zustand sein, sonst geht die Patience tatsächlich in die nächste Runde.
Die Gruppe der ersten drei Alben passt perfekt – „take care, fragile“ könnte man für sie als Titel ausrufen – Jonathan Richman und Don Cherry verbindet, dass die Jazzpolizei und andere Nachtwächter sie gerne mal als Scharlatane bezeichneten. Und Mark Nelson aka Pan American ist hier der wundersame Dritte im Bunde. Eine unendlich fesselnde „Ambient Music“. Das zweite „Trio“ – drei nahezu puristische Soloalben, mit Snare Drum, Piano und Elktrobass. Bingo! Und das Finale, ohne Sunn O)))??! Momentan sieht es so aus. Es wäre doch allzu vorhersehbar: die einen halten das für Krach, die andern, zu denen ich gehöre, lauschen mit Ohren, „so gross wie Scheunentore“.
Soll ich es trotzdem drauf ankommen lassen. und reichen fünf, sechs, sieben Minuten, um in die Musik von Sunn O))) einzidringen – die Frage stellt sich natürlich auch für die Post-Cage-Platte von Irmin Schmidt! Es ginge ja beides: ein flammendes Plädoyer für unverwüstlichen „doom metal“, oder eben die Reprise von Don Cherry.

Don Cherry: Relativity Suite
Jonathan Richman: Only Frozen Sky Anyway
Pan American: Fly The Ocean In A Silver Plane
Etienne Nillesen: Twee (Snare Drum Solo Album)
Irmin Schmidt: Requiem (Piano Solo Album plus field recordings)
Björn Meyer: Convergence (Electric Bass Solo Album)
O.S.T. Sirāt
Tinariwen: Hoggar
Don Cherry: Relativity Suite*

(*alternativ Don Cherrys „Modern Art. Stockholm 1977“: background HERE! in diesem Text bringt Richard Williams einige Schätze zur Sprache, zu meinen „all time desert island albums“ von Mr. Cherry zählen auf jeden Fall die drei Codona-Scheiben, sowie das „Corazon“-Duo mit Ed Blackwell, „Brown Rice“ sowie alles von und mit „Old And New Dreams“)
3 Kommentare
flowworker
Strictly limited to 300 copies. Finally available again on vinyl! Don Cherry’s Relativity Suite, recorded with the Jazz Composer’s Orchestra in 1973. At this time, Cherry was becoming increasingly interested in Middle Eastern and traditional African and Indian music, having traveled extensively and studied with Indian musician Vasant Rai. This suite of songs was particularly influenced by the Indian karnatic singing tradition, as can be heard from the very opening moments of the album. Featuring Carla Bley on piano, Charlie Haden on bass, and Ed Blackwell on drums, as well as an extended horn and string section, Cherry collaborated extensively with the Jazz Composers Orchestra throughout the early seventies. His Swedish wife, Moki Cherry, plays tambura on ‚Trans-Love Airways“.
Olaf Westfeld
Meine Kopie von „Relativity Suite“ hat auch den Charme (na ja) von altem Vinyl und günstiger Pressung (zu einem nicht mehr günstig zu nennenden Preis). Musik ist trotzdem toll.
Und dann kann man ja gespannt sein, was für „Karten“ in Deiner kleinen Patience so auftauchen. Bin Sunn O)) unerfahren, mein Eindruck ist, dass man da in 5 Minuten nur schwer reinfinden kann.
flowworker
@ Olaf… ich schwanke da wirklich
Heute habe ich sehr günstig die Klimt reissue der Relativity Suite bestellt … kommt aus Frankreich mit der Stockholm 1977 Performance….
Wie haben für Radioproduktionen nur noch einen einzigen Plattenspieler im Einsatz im Sender …
Aber ob ich die Karte „Cherry“ zieh oder nicht, kaum ein Musiker ausser Eno und wenigen anderen verkörpert die Norizonte der „Klanghorizonze“ so sehr wie Don Cherry. Wie bemerkt doch Richard W. eingangs de weiter oben verlinkten Textes:
„Wherever, whenever and by whomsoever the idea of “world music” was invented, it had no finer exponent, explorer and exemplar than Don Cherry. In a few months’ time it will be 30 years since Cherry died in Malaga of liver cancer, aged 58, leaving a world in which he was, to quote Steve Lake’s happy phrase, “a trumpet-playing lyric poet of the open road, whose very life was a free-flowing improvisation.” I suppose it was fitting that he should have died in Andalucia, a region where many cultural influences met in the Middle Ages to create a foundation of song.“