Eingefangen durch Klang

Zwei Songalben haben es mir seit Wochen besonders angetan. Ich kann sie mir überall anhören, auf Langeoog Richtung Ostland (mit uraltem Sony Walkman), daheim bei Kerzenlicht und strahlender Frühlingssonne. Ich habe in diesen Tagen am Meer, zwischen Seezunge, Ostfriesensmalltalk, und der Lektüre von Hans Schifferles Kinotexten, fast nur „Hen’s Teeth“ und „Hoggar“ gehört. Die Alben von Iron and Wine und Tinariwen verbindet, neben einem warmen Klangbild (das ist nicht so dahergesagt) und einem Faible für lässigste Melodien, eine permanent feingesponnene Textur vorwiegend akustischer Art, die genau dieses Wort verdient: „feingesponnen“. Jede Sekunde anstrengungslos mit Leben gefüllt, die Lyrik eine Fundgrube. Perfekte Lagerfeuermusik noch dazu. Man kennt die Stimmen, die Schubladen, die Stilrichtungen, aber es gibt grosse Unterschiede zwischen alten Hüten und stillstehender Zeit. Die roots für diese beiden Schallplaten haben in lang vergangenen Jahrzehnten ihr Wurzelwerk gefunden, in der Sahel-Wüste, im Laurel Canyon. Here we are in the years. Comes a time. Drifters‘ paradise.

2 Kommentare

  • Michael Engelbrecht

    Iron and Wine:

    Dates And Dead People

    Es ist wie jemand, den du kanntest
    In deinem Leben vor langer Zeit
    Diese abgebrochenen Äste sagen: Bitte
    Du überlässt ihnen das Steuer
    Geh weiter durch die Nacht
    Du wirst leer, du sagst niemals nein

    Es ist kalt, sagt ein Boot
    Die Wellen sagen: Ich weiß
    Sie stolpern übereinander
    Sie singen vom Sand
    Beide Arten von Einsamkeit
    Und improvisieren dabei

    Was für ein Leben vor langer Zeit
    Verabredungen und tote Menschen
    Um alles in der Welt

    Deine Geschichte ist wahr
    Wann immer du eine brauchst
    Klick, sagt das Schloss an einer Tür
    Es vergibt, es vergisst
    Diese Frau ist warm
    „Ja“, sagt das Fenster

    Du stößt auf deine Verabredungen und Verstorbenen an
    Das ist deine Hand in der Luft
    Leichter als das Licht, ist es eine leere Wolke
    Die alles gab, was sie tragen konnte
    Sicherlich hast du zur richtigen Zeit geweint
    Eine Träne weiß, was zu tun ist
    Jetzt tanzte deine Erinnerung an die Liebe
    Den Box-Step mit einem Besen

    Das Feuer erlischt wie Gelächter
    Ist es nicht so, wie es läuft?
    Es gibt nichts als Teufel in einem Kosmetikspiegel
    Wähle den, den du kennst
    Du weißt es
    Du weißt es
    Du…

    Dam Beam weiß, dass in der Dauer eines einzigen Songs viel passieren kann. Das beeindruckende „Dates and Dead People“ ist eine Art Mini-Suite, die in ihren sechs Minuten mehrere Wandlungen durchläuft. Es beginnt wie ein verschollener Psych-Folk-Juwel aus den Sechzigern und endet – nach einer Phase des Klapperns und eines Crescendos – als eine Art kultischer Ritualtanz, komplett mit Handklatschen.

  • flowworker

    Even on its own merits and severed from its sibling, Hen’s Teeth is a reminder of Sam Beam’s stirring songwriting prowess and how he has always been capable of wringing new sentiments and ideas out of his tried-and-true indie-folk milieu.

    As one of the most consistently compelling musicians of his era, it’s a delight to hear him continue on a streak that’s decidedly yet to meet its end. Across these ten songs, Beam explores romance’s well-documented dichotomy of pleasure and pain, but the act of listening to the music itself is pure pleasure.

    Graham Sharples

    Hen’s Teeth hat sehr durchwachsene Kritiken bekommen, entweder äußerst positive wie meine oder kritische, die alte Finessen als „auserzählt“, das neue Modewort, ist empfinden. Alles andere als eine Konsensplatte, safe Journey! Die vinylversion ist exzellent. First Class Pressing!

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