The New World (3) – „Nina, Jana and Laurie, for example“
Was hier folgt, ist, übersetzt mit Deepl, der abschliessende dritte Teil der Besprechung von Shearwaters neuem Album. Und wer da alles auftaucht: Enos einstige Entdeckung Leo Abrahams, Doug Wieselman, ein ewiger Mitspieler auf interessanten Alben, Laurie Anderson, eine Gruppe aus Mali und und und. Daraus den von Louis herausgehörten grossen „flow“ des Albums zu entwickeln, ist gewiss eine Kunst. Und dann hört sich für den Rezensenten ein Song an wie „eine zufällige Begegnung von Talk Talk und Nina Simone“. Kurz wähne ich mich in einem Buch über „imaginäre Alben“ a la Borges.
Gespannt wie ein Flitzebogen bin ich allemal von meinem Gesamteindruck, nach dem ersten und zweiten Hören – und habe zudem um Zusendung der lyrics gebeten. Vom Thema des Albums her, und von den zahllos eingeflochtenen „field recordings“ aus betrachtet, hatte ich in perfekter Synchronizität bereits das passende Album der Arktis-Forscherin Jana Winderen ausgewählt – für meine Klanghorizonte Ende September. Das Lied mit Laurie Anderson würde ich kaum spielen, denn eines ihrer grossartigsten Lieder ever ist bereits gebucht! Man kennt Alben, die an der Last ihres Anspruchs, ihres „Konzepts“, zusammenkrachen, und es gibt solche, die beidem gerecht werden und noch einen Mehrwert produzieren. Die Rezension ist schon mal per se beeindruckend, da darf sich Louis ruhig einige Male weit aus dem Fenster lehnen. Mein alter Freund Gregor war stets ein Freund davon, „die Kirche im Dorf zu lassen“. „Entscheidend is auffer Platte“, um einen anderen alten Spruch von Adi Preissler frei zu zitieren!

Die Songs von „The New World“ strotzen nur so vor Naturbildern: Elefanten und Kojoten, Kaninchen im Regen und Schnecken in den Ringelblumen. Doch Meiburgs hautnahe Erfahrung mit der Natur steht ganz im Dienst seiner Songs. Ein Songwriter, der weiter von der Realität seiner Themen entfernt wäre, könnte diese ungewollt romantisieren und dadurch etwas Unwahres schaffen. Doch wenn er seine bemerkenswerte Stimme – einen hohen, angestrengten Seelenschrei, der aus dem gleichen Holz geschnitzt ist wie der von Anohni oder Thom Yorke – einsetzt, um in „More And More“ vom Regen zu singen, der von den Cascades abzieht, oder in „A Mink In The Dust“ von Stichlingen, die im Teich springen, dann vertraut man ihm irgendwie, dass er dort war und das gesehen hat.
Was real und was unwirklich ist, ist ein zentrales Anliegen von „The New World“. Wir leben in einer Welt voller schlechter Schauspieler, Deepfakes, Fehlinformationen und Desinformation. Die Geschichten, die wir uns selbst erzählen, fühlen sich manchmal realer an als die Welt da draußen. Meiburgs Gegenmittel ist die direkte Auseinandersetzung mit der Welt. Das lässt sich buchstäblich in Form von Feldaufnahmen hören, Klangfragmenten, die Meiburg auf seinen Reisen eingefangen hat: „The Only Sound I’m Afraid Of“ schwebt über das Krächzen tasmanischer Raben herein, während das in Moll gehaltene „Anamnesia“ vom dumpfen Brummen eines Gepäckförderbands am Flughafen Melbourne durchzogen ist. Im weiteren Sinne manifestiert sich dies jedoch in einem kreativen Prozess, der in Entdeckungen, Zufällen und dem chaotischen Geflecht menschlicher Zusammenarbeit verwurzelt ist.

„The New World“, so Meiburg, sei von „dem wildesten Ensemble, das wir je zusammengestellt haben“, entstanden. Die Aufnahmen erstreckten sich über vier Jahre an Orten wie London, Berlin und Texas, wobei das Kern-Trio von Shearwater – Meiburg, die Keyboarderin Emily Lee sowie der Schlagzeuger und Toningenieur Dan Duszynski – stets dabei war. Besonders wichtige Arbeit wurde jedoch in Shahzad Ismailys Figure-8-Studio in Brooklyn geleistet, einem kreativen Zentrum, in dem Musiker jeglicher Herkunft und aus allen Bereichen auftauchen und zum Mitwirken animiert werden können. Mitglieder der malischen Gruppe Ngoni Ba steuern Ngoni und plätschernde Rhythmen bei, gespielt auf Tamma, Yabara und Kalebasse. Der in Palästina geborene Firas Zreik bereichert „More And More“ mit dem klangvollen Qanun. Der New Yorker Holzbläser Doug Wieselman steuert Klarinette und Saxophon bei, während mit dem erfahrenen Perkussionisten Thor Harris ein alter Freund zurückkehrt, der zuletzt um 2013 auf dem Album „Fellow Travelers“ von Shearwater zu hören war. Auf dem Papier sieht diese Besetzungsliste wahrscheinlich nach einem Rezept für Chaos aus, doch es ist ein Zeichen für Meiburgs Weitblick – ganz zu schweigen von den Fähigkeiten des Mix-Ingenieurs Danny Reisch in der Postproduktion –, dass all diese unterschiedlichen Teile zu einer Platte verschmolzen werden können, die wie ein einziges, fließendes Ganzes klingt.
Dieser Zustand des Fließens ist ein prägendes Merkmal von „The New World“. „Even Song“ eröffnet das Album in medias res. „Racing through the path ahead/ Even though it makes no sense“, singt Meiburg, während ein One-Two-Strum auf seiner Gitarre mit dem Zischen der Hi-Hats verschmilzt und so ein Gefühl von vorwärtsrauschender Bewegung erzeugt. An anderer Stelle suggerieren organische Rhythmen zwar Vorwärtsdrang, aber auch Reibung – man denke nur an das seekranke 5/4-Schlingern von „Daydream Unbeliever“ oder an „A Mink In The Dust“, das wie ein Elefant durch dichtes Gestrüpp dahintrottet. Wir sind auf dem Weg irgendwohin – doch die Route ist nicht immer klar und der Weg alles andere als einfach.
Hier finden wir auch einige der bisher besten Songs von Shearwater. „More And More“ ist ein geschmeidiger Blues, der eine zufällige Begegnung zwischen Talk Talk und Nina Simone heraufbeschwört, mit sanften Klarinettenklängen, die wie Rauchschwaden durch die stimmungsvollen Passagen ziehen. „The Only Sound I’m Afraid Of“ ist ein eleganter Big-Music-Titel, der an die epischen Rock-Momente von „Jet Plane And Oxbow“ aus dem Jahr 2016 anknüpft. „Slugs In The Marigolds“ schlägt eine verspielte Richtung ein, wobei seine versunkene Figurenriege die Vorzüge des Rausches als Gegenmittel gegen die Übel der Welt erwägt.

Doch eines der besten Stücke wird bis zum Schluss aufgehoben. Wir sind so an Meiburgs Gesang gewöhnt, dass das Auftauchen einer anderen Stimme – insbesondere einer so unverwechselbaren wie der von Laurie Anderson, die spricht, als würde sie den Zuhörer direkt ansprechen – ein ziemlicher Schock ist. Während sich „The New World“ oft so anfühlt, als würde man – manchmal holprig – flussabwärts getragen, ist „You And Your Dog“ der Moment, in dem wir sanft unter einem Himmel aus funkelnden Sternen in ein Delta hinausgleiten. Anderson geht behutsam mit den von Meiburg geschriebenen Worten um und erzählt eine traumhafte Geschichte von zwei Freunden, die einen Strandspaziergang machen, sich verlieren und einander nie wieder ganz finden können. Die Kombination aus ihrer sanften, beruhigenden Stimme und seinen magisch-realistischen Worten verschmilzt zu etwas Schönem, das wie Sandkörner durch die Finger rinnt. Die Botschaft, vielleicht – und die Botschaft von „The New World“ im weiteren Sinne – ist, dass das Leben vergänglich ist. Aber die Tatsache, dass wir hier, gemeinsam, zur gleichen Zeit auf diesem Planeten existieren, ist sowohl außergewöhnlich als auch wunderbar.
The New World (2) – „Louis Pattison‘s contender for the album of 2026“
„Meiburgs Interesse an der Natur hat oft dazu geführt, dass Shearwater mit einer Generation von Indie-Folk-Musikern in einen Topf geworfen wurde, die sich auf Natur und Tradition stützen, um ihrer Musik eine Art überlieferte Authentizität zu verleihen. Doch die Musik von Shearwater ist häufig sowohl intelligenter als auch tiefgründiger als die seiner Kollegen. Es gibt wohl keinen zeitgenössischen Musiker, der den Ansatz, den Mark Hollis von Talk Talk in seinen Meisterwerken „Spirit Of Eden“ und „Laughing Stock“ verfolgte, besser verinnerlicht hat: eine reich orchestrierte Kunstmusik, die so komponiert ist, dass sie sich gleichzeitig intim in ihrer Stimmung und gigantisch in ihrem Umfang anfühlt.“ (Louis Pattison, Fortsetzung)
In diesem zweiten Teil der Besprechung zieht Louis spannende Parallelen, zur Indie-Folk-Szene (da lehnt er sich weit aus dem Fenster), und dann zu seiner Inspiration von Talk Talks letzten beiden Alben (wo er sich noch weiter aus dem Fenster lehnt). Ich hab in den Klanghorizonten in den vergangenen Jahren zwei oder drei Alben von Shearwater vorgestellt, und weiss, was ihr Bandleader draufhat. Morgen bekomme ich den „stream“ des Albums, und bin sehr gespannt, ob ich Louis‘ Begeisterung teilen werde. Dann wäre das Album wohl ein Anwärter auf eins der Alben des Jahres. Das Video zu „Daydream Unbeliever“ könnt ihr im ersten Teil der Übersetzung „anklicken“. Das Thema des Albums ist jedenfalls hochspannend.
The New World (1) – „An ambitious, globe-trotting voyage into changing nature and Talk Talk-esque textures“

„Man sagt, wir wüssten mehr über die Oberflächen anderer Planeten in unserem Sonnensystem als darüber, was unter den Eisschichten der Antarktis verborgen liegt. Doch das ändert sich gerade – wie so vieles von unserem Wissen über die Welt um uns herum. In den letzten Monaten haben Wissenschaftler die Topografie der Antarktis in beispielloser Detailgenauigkeit kartiert und dabei eine verborgene Landschaft aus Bergen, Bergrücken, Schluchten und unterirdischen Seen enthüllt. Diese Landschaft wird nicht nur kartiert, um unsere Neugier zu stillen. Diese Daten werden in Computermodellen verwendet, die uns Aufschluss darüber geben können, wie schnell sich das Eis bei weiter steigenden globalen Temperaturen zurückziehen wird, was wiederum bestimmt, wie schnell der Meeresspiegel ansteigen wird. Die Konturen dieser uralten, verborgenen Welt werden die Gestalt der neuen Welt bestimmen.
Im Dezember 2025 stach die Expedition PS152 von Walvis Bay in Namibia aus in See, mit Kurs auf die Ozeane der Antarktis. Unter der Koordination des Alfred-Wegener-Instituts beförderte das Schiff Dutzende von Wissenschaftlern an Bord, um Daten über die Flora und Fauna des Südlichen Ozeans zu sammeln. Wer die Schiffsunterlagen durchblättert, entdeckt vielleicht einen bekannten Namen: Jonathan Meiburg. Meiburg ist nicht nur Frontmann und kreative Kraft hinter Shearwater, sondern auch ausgebildeter Biologe und Autor. Zum Zeitpunkt der Reise arbeitete er bereits seit mehreren Jahren an einem Buch mit dem Titel „The Secret Land: The Once And Future Life Of Antarctica“, das Licht auf diese höchst unbekannte Landschaft werfen sollte. Meiburg zieht jedoch keine scharfe Grenze zwischen seinen wissenschaftlichen und musikalischen Aktivitäten, und die Zeit hat gezeigt, dass das eine das andere beeinflusst. Sitzt man mit ihm auf dem Deck der PS152, hätte man ihn vielleicht dabei beobachten können, wie er eine Kamera auf den Ozean richtete, um Filmmaterial zu sammeln, das er später zum Video für die eindrucksvolle erste Singleauskopplung von „The New World“, „Daydream Unbeliever“, zusammenschneiden würde. Der langsame Schwenk über brodelnde Brandung und zerklüftete Eisschollen ist die perfekte Begleitung zu dem turbulenten, rockigen Drama des Songs. Eine Meditation über Wahrheit und Realität, untermalt von heftigen Percussion-Schlägen und aufsteigenden Streichern des Londoner Klassikensembles Orchestrate, die sich vorwärtswälzt, als würde sie von mächtigen Strömungen mitgerissen.“
(Anfang der Besprechung von Louis Pattison, Uncut, August 2026; das Album erscheint Ende Juli)
Der unaufhörliche Zauber eines Rastplatzes auf der „A31“ Richtung Norden

Im Auto läuft ein altes, viel zu wenig beachtetes Album von Daniel Lanois, „Shine“. Ätherische Songs, die gut geerdet sind. Das einzige Album meines Lebens, das ich von einem Musiker signieren liess. Davor stammen die Autogramme aus Kindertagen, von Rex Gildo, Ronny, Freddy Quinn. Ich habe sogar Autogramme von Heinz Drache und dem Meister Hans Tilkowski. (Mit 11 beim Training geholt. Tilkowskis meint, ich drängele zu sehr, und ich muss mich wieder hinten einordnen.) Thomas (P.) kennt die A31 gut und fragt nach meinen liebsten drei. Lambchopalben. Ich gebe ihm vier. Hier sind meine fünf. 1) Showtunes 2) Is A Woman 3) The Bible 4) Damaged 5) Flotus. Thomas hat diese Drei im Angebot: 1) Nixon 2) Ah, C‘mon, No, You C‘mon 3) Is A Woman.
„Klanghorizonte“, Deutschlandfunk (September 24th)
Talking guests, at least that‘s the plan, are Jonathan Meiburg (Shearwater), Graeme Thomson, and, maybe, more. For example, in the Cologne radio archive there will be some digging for my Laurie Anderson portrait from 1994. in 36 years of free-style radio on late evenings and all night through, i had my fair amount of interviews with all musicians involved in this „blue hour“. I only never met Seefeel and Jonathan. Graeme Thomson‘s wonderful book „In Another World – The Four Seasons of Talk Talk“ made my memories of two encounters with Mark Hollis even more visceral and moving. The book tells the story of a band and the people in it, but it is above all a biography of four records: The Colour Of Spring. Spirit Of Eden. Laughing Stock. Mark Hollis.
Daniel Lanois: Belladonna Nocturne (2026)
„If you’ve never ‘got’ Lanois, or been able to give over to him, this might be the one. If you’re already a fan, there is so much here inside such an incredible telescoping of time. This is my instant pick for album of the year so far. It has already nestled so deep into my brain that I can hear it when I’m not even listening to it.“ (Simon Sweetman)

Lambchop: Punching The Clown (2026)
„Anfang 2024 hörte ich auf dem Weg zur Tankstelle ein Lied im Radio. Nur ein minimalistisch mit einem einzigen Akkord begleitetes Banjo und eine kleine Gruppe von Stimmen. Es schien in diesem Moment perfekt zu sein, so wie der Moment selbst perfekt wurde. Ich habe nie herausgefunden, wer das war – es klang ein bisschen wie früher Country-Gospel? Auf meiner Suche entdeckte ich eine Art des Gospelsangs, die als „Lined-Out-Singing“ bekannt ist und angeblich Ende des 19. Jahrhunderts in Schottland entstanden ist. Sie wanderte in die Appalachen aus und wurde zu einer wenig bekannten Wurzel des amerikanischen Gospel und Country … Eine spontane Art des A-cappella-Gesangs im Call-and-Response-Stil, angeführt von einem Vorsänger mit einem Chor von Sängern, der die rohe Schönheit und Kraft der menschlichen Stimme mit ihren einzigartigen Facetten offenbart – seine schmucklose Einfachheit verlieh den gesungenen Worten Gewicht. Ich wollte eine Platte aufnehmen, die diese Art von Musik nachahmt.“ (Kurt Wagner, Lambchop)

Shearwater: The New World (2026)
„There is arguably no modern musician working today who has better assimilated the approach Talk Talk’s Mark Hollis took on his masterworks Spirit Of Eden and Laughing Stock: a richly orchestrated art music assembled in a way that feels simultaneously intimate in sentiment and gigantic in scope.“ (Louis Pattison, Uncut, August 26)

Seefeel: Sol.Hz (2026)

Talk Talk: Laughing Stock (1991)

Ralph Towner: Solstice (1975)

Laurie Anderson: Bright Red (1994)
„We’d look out at the river, and if the music seemed to be naturally going with it, this was our editing device. Brian’s motto was: if it goes with the river, it goes on the record. So, for example, if the river was really choppy and active, and the music was going pah-bah-dah-dah – whoa, that looks so great! – or if it was smooth and there was some kind of ambient thing going on. We always tried to match – tried to feel – the naturalness of the river, and in this case the Hudson, and if it seemed to fit. It was a very infallible rule while recording „Bright Red“ in Manhattan, because it showed you when you were making it too difficult, not natural.“ (Laurie Anderson)

Jana Winderen: Spring Bloom in the Marginal Ice Zone (2018)
„‘Spring Bloom in the Marginal Ice Zone’ is recorded mostly in the Barents Sea and Arctic regions and the creatures you find there. The Bearded Seal´s hauling sound is recorded right there under the Sea-ice in the Barents Sea. I would say that already out in the field when pushing record the composition process has already started; you make choices when you place the microphone or hydrophones, or ultrasound detectors in a certain place and start listening long before you record anything. Ideas start to form at this early stage. Its all down to the choices you make; even if you choose to leave the recording gear out by itself in the field, where you place it is a compositional choice.“ (Jana Windern, from my 2018 interview)

Brian Eno: Nerve Net (1992)

Nearly everybody has a story to tell with „field recordings“, that will always trigger the knowledge about some of the most adventurous sounds being „out there“. Some of those albums became famous, some very much stayed under the radar (very much like the spaces they had been exploring). Even the so-called well-known can easily turn into stranger things. By chance, I once discovered an old album named „Trains in the Night“ beautifully capturing the sounds of old locomotives in England‘s vast hinterland, and the nature around. Listening to the compositions of artists like Jana Winderen or BJ Nilsen, is always a special experience. Is the howling of the wind real, or enhanced by electronics? How can someone „document“ sounds that cannot be be heard within our „normal“ range of perception? In a way the act of „cartographing“ distant areas includes sharpened senses, adequate tools – and inventiveness. When I was sinking, literally, into the „music“ of Jana‘s „arctic“ record, I couldn‘t help but remember, in moments passing by, old sci-fi movies and books, but from minute to minute I was more and more drawn into the sounds themselves and forgetting my sepia-tinged nostalgia. Where-am-I-music of a rare kind.
Arild (reprise)

Half a year ago: I laid back and listened to that bass solo album „Landloper“ by Arild Andersen that came out in 2024. One of these albums that better work in darkness. I know Arild’s bass since I discovered ECM with Jan Garbarek‘s album SART. He never stopped surprising me, real and reliable company. („Landloper“ ends with an irresistible mélange of the two classics ‘song for che’ and ‘lonely woman’). I somehow never ever even heard about his 1981 album „Lifelines“ before. A real discovery. Paul Motian on drums, Kenny Wheeler on trumpet, and a fabulous pianist with his only appearance ever on ECM, quite famous in Scandinavia, a well-kept secrete here: Steve Dobrogosz. One of the titles: „Landloper“. Arild Andersen performs at this year‘s Punktfestival, in a meeting of three generations of Norwegian jazz: Bugge Wesseltoft , Arild Andersen and Gard Nilssen. Another good reason to travel to Kristiansand in early September.Das rasende Parlando des Herrn Nagelsmann
Hier auf Langeoog ist Fussballromantik noch eine halbwegs leichte Nummer, weil so manches von Kindheit durchdrungen ist. Ich kann mich als BVB-Fan seit 1966 an jede Weltmeisterschaft erinern. Das Wembleytor sah ich mit meinem Blutsbruder noch in Schwarzweiss, mein Lieblingstorwart aller Zeiten, Hans Tilkowski, hatte keine Chance. Damals in London dabei war auch unser Vorstopper, Wolfgang Paul, der vor einigen Tagen gestorben ist. R.I.P. 1970, auch unvergesslich, „Schnelllliiinger“ und das „Jahrhundertspiel gehen die Italiener! 1974 waren dann die Holländer besser, aber wir hatten Gerd Müller.
Tempus fugit – nach 2014 schied Deutschland stets trostlos in den Vorrunden aus, und die aktuelle Mannschaft macht seit dem Ecuador-Spiel fast so wenig Hoffnung wie dieser unsägliche Bundestrainer. Im Vorfeld der WM trat Julian in einen Fettnapf nach dem anderen – erst die Abkanzelung von Undav, zuletzt der selbstgefällig nichtssagende Auftritt im Sportstudio (wäre das nicht so zum Fremdschämen gewesen, hätte er seinen Platz in der Geschichte dieser Traditionssendung des ZDF sicher gehabt – neben dem „Schweiger“ Norbert Grupe – die Älteren werden sich erinnern!), sowie der Wortbruch gegenüber Oliver Baumann zugunsten dieses „Torwarts mit der besonderen Aura“.
Julian Nagelsmann liebt seine eigene Eloquenz offenbat so sehr, dass er die Abzüge in der B-Note gar nicht mit bekommt, er parliert in einem leisen, wenig modulationsfreudigen up-tempo-staccato, als müsse analog zu den 180 beats von „hard core techno“ ebensoviele Worte pro Minute unterbringen. In dem Interview nach dem Ecuador-Flopspiel gab er sich renitent, besserwissend, abgenervt; nur wenige haben mitbekommen, dass er sich nach dem Schlusspfiff erstmal die Schiedsrichterin schnappte und zwei Minuten auf sie einredete wegen des völlig zurecht (!!!) zurückgenommenen Elfmeterpfiffs (die gleiche Schiedsrichterin, die Germany das komplett irreguläre 1:0 geschenkt hat – nach „hohem Spiel“ incl. Kopftreffer – mit freundlicher Unterstützung eines nicht minder verpeilten VARs!).
Man muss also kein Meister des Orakels sein, um zu erraten, wie es weitergeht. Nach einem quälerisch anzuschauenden oder überraschend leichtfüssigen Sieg gegen Paraguay wird „Die Mannschaft“ (alter abgeschaffter Werbesprech aus der Ära Oliver Bierhoff) gegen Frankreich sang- und klanglos ausscheiden. Natürlich könnte das auch schon heute Abend passieren. Wir können jedenfalls tief entspannt zuschauen, ob der flotte Herr Nagelsmann seiner „Spielidee“ weiterhin dezent bockig vertraut – mit dem derangierten Pavlovic auf der Sechs und dem „Kinderfussball“ (Marcel Reif) des sich selbst weiterhin suchenden Musiala. Egal. Nach der WM ist hochwahrscheinlch Schluss mit diesen auf Dauer so penetranten wie irrlichternden Auftritten eines Hochbegabten. Was Fussballromantik angeht, fällt mir eine andere Insellandschaft ein, die gerade ein modernes Fussballmärchen schreibt: Cap Verde!
(m.e.)
Der Hitze fern auf Langeoog
Kurzentschlossen, fuhr ich vier Stunden zur Fähre, setzte über, und quartierte mich in einem kleinen Appartment ein. Nur ein richtig heisser Tag in sieben langen Tagen, „Spring Hill Fair“ auf einem alten Walkman, Steve Swallows „kleine Wintermusik“, und Erinnerungen an den „den letzten Bus nach Woodstock“ – ich fühlte mich seltsam jung und sprang erst mal ins Meer, mit Blick zur roten Sonne, die bald ins kühle Nass eintauchen würde. Diesmal all alone, seltsam beschwingt, das Echo dunkler Wochen fast schon, aber nicht wirklich, lange her! „you think I’m young I’m not half those things / why did it rain? / the days ran away from us / heaven never knew / the chances that it left for us / fast and slow, breeze to wind…“

Die Romane, die ich gerade lese, nehmen einen Faden der Jugendzeit auf, meine Lust an rororo-Krimis, deren Cover ewig schwarzweiss waren (die neueren reprints dann auch mal in Farbe), und zu deren führenden Vertretern damals Colon Dexter zählte, mit seinen Inspektor Morse-Romanen. Der Ort: Oxford und Umgebung. Als ich vor Woche Simon Masons „Mord im November“ entdeckte, gab es kein Halten mehr, und einmal mehr tauchte ich in das alte, neue Oxford ein, das uns in der Regel bekannt ist, etwa aus ruhig inszenierten, aber auch fesselnden Verflilmungen mit dem alten, aber auch dem jungen Inspektor Morse.
Simon Mason hat ein spannendes Ermittlerduo eingeführt mit den „chalk-and-cheese cops“ DI Ryan und DI Ray Wilkins, die keineswegs miteinander verwandt sind und aus fast absurd gegensätzlichen Lebenswelten stammen. Der Glücksfall ist, dass Simon Mason grossartig schreibt, das Erbe von Colin Dexter in ein heutiges Oxford transportiert – hervorragend geplottet, humorvoll, und dunkel über alle Seitenränder hinaus. Die ersten beiden Romane (von mittlerweile fünfen) liegen in gelungener Übersetzung vor, und ich bin gerade mittendrin im dritten, „Lost And Never Found“. Ein umwerfender Sprachfluss ist diesen Romanen zueigen, in die Tiefe gehende Geschichten, allerbester Stoff zum Versinken!

Jetzt, der Hitze entkommen, liest sich das alles noch rasanter, die ersten Cafés öffnen, einen „morning swim“ habe ich schon hinter mir, es dauert seit meiner Kindheit immer um die eine Minute, bis mir im Meer warm wird. Die Wellen helfen! Ein Strandkorb ist angemietet. Der Geruch von Sonnenmilch versprüht einen Zauber wie eh und je. Mit dem E-Bike fahre ich die alten Runden, durch den Wald, „Waldbaden“ inclusive , zum Fährhafen mit seiner Fischstube am Deich entlang, und auch mal wieder vorbei an dem Hotel, in dem ich mich einst mit sieben Jahren in die Hotelmanagerin verknallte, „Haus Westfalen“ hiess es damals, in der Zeit, als Hoppy Kurrat noch für den BVB kickte, und die gebundene Ochsenschanzsuppe ein Klassiker war auf kurzen Überfahrten. Ein Hauch von Wehmut mischt sich in jeden Taumel kleiner Glücksschübe.
„Das heisst aber nicht, dass wir jetzt wieder zusammen sind“
„Wir holten Docs Outfit von Neil Young, dem der Siebziger, diese Muttonchops, der buschige Backenbart, und einige der Kleidungsstücke sind direkt von ihm geklaut. Ich denke, man kann keinen Film über diese Zeit und diese Kultur machen, ohne direkt auf Neil Young zu gucken.“ (Paul Thomas Anderson)

Erst jetzt, nach mehr als zehn Jahren, sah ich „Inherent Vice“ zum ersten Mal, Paul Thomas Andersons Verfilmung von Thomas Pynchons Roman gleichen Namens. 2014 bekam er ein bunt gemischtes Echo, und ich geselle mich nun, nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, nach nur leichtem Zögern, auf die Seite seiner Fans. Manche seiner Filme lagen mir mehr als andere, und seine Zeitreise in die frühen 1970er Jahre nach Hippie-California ist ein zweieinhalbstündiger Trip, in dem mich ein paar Sachen besonders gefesselt haben. Etwa die Art, wie er, abseits des Soundtracks von Johnny Greenwood, Lieder aus jener alten Zeit mit dem herrlich zerfaserten Plot kurzschliesst. Da kann ich mich gut reinfallen lassen, wenn auf einmal Cans grösster Hit aus „Ege Bamyasi“ den Ton angibt, oder zwei Lieder von Neil Young den Soundtrack einer alten Liebe des dauerbekifften Doc Sportello befeuern. Es ist der vielfach gebrochene Mythos vom Detektiv mit dem reinen Herzen, weicher, mit einem fragileren Ich ausgestattet als die Sam Spades und Philip Marlowes des alten Hollywood, von eine aberwitzigen Situation in die nächste gerät, und stets haarscharf am kompletten Desaster vorbeischrammt. Von Anfang wurde ich das Gefühl nicht los, dass Doc Sportello seiner Lang-Verflossenen hinterhertrauert. Und dass da irgendwann im Laufe des Filmes was passieren muss, das ihn von diesem Trauma erlöst. Ja, Freunde des psychedelischen Kinos, und dann passiert genau das, die gute alte Tante „Katharsis“ betritt den Raum, und unser „private eye“ traut einmal mehr seinen Augen nicht: „sexual healing“!
Nicht nur Doc Sportello wähnte sich kurz vor Ende des Films in einer Zeitmaschine, auch der Verfasser diesr Zeilen sass in einer solchen und nahm unterwegs folgende Seelennahrung zu sich, an einem langen Wochenende: Tale Spinnin‘, ein unterschätztes Album von Weather Report in Surround, „Spring Hill Fair“ von den Go-Betweens, einmal mehr „Dume“ von Neil Young (die Neufassung von „Zuma“ als Doppelalbum), und „Original Soundtracks 1“ von den Passengers: bei dieser Scheibe weiss man auch nicht so recht, ob man in einem neu vertonten Antonioni-Film sitzt oder in einem abgedrehten Science Fiction-Movie. Und, kein Witz, ich hörte mir das nieendenwollende Stück „magnificent seventies“ vom American Analog Set an! Das alles übrigens ohne Dope!
Before and after Hollywood (two friends of Rachel Worth recommend the Go-Betweens)
„Dressed in a white shirt with my hair combed straight
Here in my black shoes and me without a date
Me without hindsight, me without
When will change come, just like spring rain“As someone who lived on Lovers Lane, 16 from start on, the summer of 1981 and 1982 in the Northern area of the Bavarian Wood, not so far away from the town where Robert found the love of his life, as someone who bought a single of the GoBe‘s in the Rough Trade record shop in Notting Hill, besides a single from Aztec Camera, in December 1982, well, well, they become lifers, life‘s company, all of these records. Two killer songs on their raw, punky, garage rock of their debut album were enough to know, this band would stay with me. „16, Lovers Lane“ got a bad review in Spex“, the German rock magazine who celebrated them from earl years on, but they were wrong – be careful with experts! Activating my critical eye, here is my highly sober rating of them all:
Send Me A Lullaby (1981) – ***
Before Hollywood (1983) – ****
Spring Hill Fair (1984) – *****
Liberty Belle and The Black Diamond Express (1985) – *****
Tallulah (1987) – ***
16, Lovers Lane (1988) – *****
The Friends Of Rachel Worth (2000) – ***1/2
Bright Yellow, Bright Orange (2003) – ****
Ocean‘s Apart (2005) – ****1/2
Thomas Pannhorsts Liste:Send Me A Lullaby (1981) – ***
Before Hollywood (1983) – ****
Spring Hill Fair (1984) – *****
Liberty Belle and The Black Diamond Express (1985) – ****1/2
Tallulah (1987) – ***
16, Lovers Lane (1988) – *****
The Friends Of Rachel Worth (2000) – ***1/2
Bright Yellow, Bright Orange (2003) – ****
Ocean‘s Apart (2005) – *****
Seit den frühen 1980er Jahren begegnet mir immer wieder der Name Mat Snow. Ein Musikjournalist meiner Generation, und wir waren uns bei vielen Alben absolut einig. Unvergesslich, sein persönlicher Zugang zur Musik, der nie die musikhistorische Absicherung im Visier hatte. Danmals, 1983, kannte kaum jemand The Go-Betweens, als er für den NME das zweite Werk des Trios aus Brisbane besprach.
„From The sleeve‘s studious allusion to Dylan‘s 1965 covers to the final dedication „to our parents“, this record looks back to the past – childhood, lost love, and lost Utopias. These are fragile feelings, hard to express, but The Go-Betweens fly straight to the heart with passion and intelligence. „Before Hollywood“ contains some of the most beautiful music I‘ve ever heard.“