• Fiona Shepherd über das neue Album von Iron and Wine

    Viele Künstler wurden durch den Verlust von Arbeit, Einkommen und Sinnhaftigkeit, den die Covid-Pandemie mit sich brachte, zutiefst erschüttert. Für Sam Beam war die Auswirkung lähmend. Da er nichts schreiben konnte, was nicht vom Schatten des Lockdowns überschattet war, zog er sich zurück und genoss stattdessen die kostbare Zeit mit seiner Familie. 

    Der Damm brach 2022, als er in Memphis „Lori“ aufnahm, eine EP mit Coverversionen von Lori McKenna. Beams eigenes Songwriting nahm daraufhin eine spielerische, ja sogar leichtfertige Wendung, und Musik machte wieder Spaß. Er betitelte sein Comeback-Album von 2024 „Light Verse“ wegen seiner „Nimm’s locker“-Qualitäten.

    Sein Folge- und Begleitalbum „Hen’s Teeth“ fängt etwas Seltenes und Kostbares ein: einen üppigen Geist, der sich nicht allzu sehr anstrengen muss, um den Zuhörer zu verführen. Und das Verschwenderische hat Substanz. Beide Alben wurden zeitgleich in Dave Ways privatem Studio in Laurel Canyon mit einer Gruppe von Musikern aus Los Angeles aufgenommen, die Beam als seine „Traumband“ bezeichnet, darunter der exezellwnte Gitarrist David Garza.

    Sam Beam begeisterte sich in jener Zeit einmal mehr für „Astral Weeks“ und ließ sich von dessen berauschendem Stilmix inspirieren. Kurz gesagt: Beam verstand etwas von Jazz. Er hatte bereits zuvor mit Jazzmusikern zusammengearbeitet, etwa 2007 bei der politischen Parabel „Shepherd’s Dog“ und dem entspannten „Ghost On Ghost“ – subtile Abweicher in einem Werkverzeichnis, das den Lo-Fi-Folk, auf dem Iron & Wine gegründet wurden, die ausgefeilteren Pop-Arrangements von „Kiss Each Other Clean“ und die Rückkehr zum weder brutalen noch epischen „Beast Epic“ umfasst.

    „Light Verse“ war ein weiterer sanfter Überraschungszug, der mit dem luxuriösen Balsam von „Taken By Surprise“ und den John-Martyn-artigen Melodien von „Tears That Don’t Matter“ den Weg zu „Hen’s Teeth“ wies; doch erst auf „Hen’s Teeth“ nutzt Beam wirklich die Möglichkeiten, einfache Songs intuitiven Musikern in den Schoß zu legen und sich an dem zu erfreuen, was dabei entsteht. 

    Der Opener „Roses“ beginnt mit einfachen Akkorden und Beams einladender Stimme, die leicht rau, zitternd und in ihrer Phrasierung fast gesprächig wirkt, bevor sich der schrille Klang der Gitarre, sanftes Schlagzeugspiel und subtile Taktwechsel darüberlegen und so eine immersive Klangwelt erschaffen. Das Arrangement bewegt sich mit dem Text von sanfter Selbstbeobachtung hin zu einem eher beunruhigenden Klangwirbel und mündet schließlich in mitreißendes, symphonisches Country-Terrain.

    In „Paper And Stone“ reduziert Beam alles auf das Wesentliche, gräbt in Erinnerungen, philosophiert vage („say who we are“) und assoziiert frei über beruhigender Gitarre und einsamer, spiralförmiger Violine. Bei „Robin’s Egg“ bleibt er in der Natur, wo die starke Verbindung zu Laurel Canyon durch den Hintergrundgesang von I’m With Her noch verstärkt wird, die das Geschehen mit gefühlvoller Schärfe aufwerten, bevor sie in einen verträumten Refrain übergehen und sich dort ausbreiten, wohin die Binnenreime – von „namby pamby“ bis „loosey goosey“ – sie führen. Ihr anderer Beitrag, „Wait Up“, lässt vermuten, dass diese Stimmen verschreibungspflichtig sein müssten. 

    In dem bezaubernden „Singing Saw“ greift Beam auf sein gefühlvolles Falsett zurück; der Song entfaltet sich wie eine von David Crosbys psychedelischen Fantasien, angereichert durch dramatische Einstiche durchdringender Violinen und stöhnender Bässe, während Beams älteste Tochter Arden für die duftende stimmliche Ausgewogenheit sorgt. „Grace Notes“ besticht durch enge Vater-Tochter-Harmonien, begleitet von einer Solovioline, dem Trillern einer Mandoline und einem unerwarteten Lounge-artigen Klavier sowie einem Western-Swing-Streicherbreak. 

    Der luftige 70er-Jahre-Country-Rock von „In Your Ocean“ klingt in dieser Zusammenstellung zwar geradlinig, doch es gibt nie einen schlechten Zeitpunkt, sich in den massierten Gesängen und subtilen Hammond-Licks zu verlieren. Extrovertierter wird das Album an keiner anderen Stelle, doch der zarte Gesang, die Jazz-Basslinie und die durch und durch an Nick Drake erinnernde Träumerei von „Dates And Dead People“ üben ihre eigene Anziehungskraft aus, während sich der Song zu einem anschwellenden, perkussiven Walzer steigert. 

    Das wohl fesselndste Beispiel für Beams musikalische Befreiung ist „Defiance, Ohio“. Vergessen Sie den Mittleren Westen – dieser Track gehört mit seinem unbeschwerten Pfeifen, der funkelnden Kalimba, der zarten Gitarre und den cineastischen Streichern an einen brasilianischen Strand. Nachdem er so süß in den Gewässern der Tropicália gepaddelt ist, ist es kein Wunder, dass Beam am Ende von „Hen’s Teeth“ so glückselig und zufrieden klingt und im letzten Stück „Half Measures“ mit sich selbst im harmonischen, trägen Country-Rhythmus verschmilzt. 

  • „B-Western: Showdown der gebrochenen Herzen“

    Hans Schifferle hätte ich gerne mal, damals in den 1970er und 1980er Jahren, als ich öfter in München war, kennengelernt. Als mir Thomas P. das neue „Schifferle-Buch“ zeigte, erinnerte ich mich sofort, wie bereichernd die Filmbesprechungen der SZ in meiner Studentenzeit in Würzburg waren auch später in Furth. I.W., und sowieso sonstwo, als eine „alte Bande“ von Filmkritikern, zu denen auch irgendwann Hans S. zählte, mich auf viele Filme abseits des Mainstreams neugierig machte, mit einem unverbrauchten, lebendigen Schreibstil. Unvergessen, wie ich 1976 und 77 öfter vor Ort war, mit der schönsten Frau des östlichen Ruhrgebiets an meiner Seite, und in einem kleinem Theater Urs Widmers Theaterstück „Stan und Ollie in Deutschland“ sah und am Abend darauf in Schwabing in einem Uraltkino Robert Altmans „Nashville“. Vielleicht sass Hans Schifferle nur zwei Reihen hinter mir. Mit C. landete ich in jenen Tagen natürlich auch in der Gleichmannstrasse 10 bei „Jazz By Post“, wo ich Paul Bleys Solopianoalbum „Alone Again“ kaufte (kann man ohne Zögern seinem Meisterwerk „Open, to love“ an die Seite stellen)!

    Hans Schifferle hatte stets ein Faible für das Kino abseits des Mainstreams, für B-Movies, „Schmuddelfilme“, „alte Serien aus der goldenen Zeit des TVs“, Horrorfilme, Krimis, Erotikfilme, den ganzen schönen Unrat, der ihm einen unverstellten und unschuldigen Blick auf die Dinge verriet, abseits der landläufigen Abkanzelung sog. „zweitklassiger Filme“ mit dem Werkzeug eines arroganten Traditionalismismus oder einer rigiden Psychoanalyse, die überall nur männliche deformierte Psychen aufdeckte, reaktionäre Frauenbilder u.v.m. Auch John Wayne hat in tollen Filmen mitgespielt, auch wenn wir James Stewart fast alle lieber mochten, klar, als Kinder den 1960er, 1970er Jahre. Eine von Hans Schifferles letzten Veröffentlichungen war ein Text über alte, fast vergessene Western, die im Schatten der arrivierten Regisseure ihren eigenen Underground kreiierten. Seine Zeitreisen war stets eine Fundgrube von Entdeckungen. In dem ihm gewidmeten Buch „Berufung:Kritiker“ entdeckte ich einen durchaus lyrischen Text über den Schauspieler Lex Barker, der eine Jugenderinnerung heraufbeschwörte: wie ich ihn in einem abgelegenen Hotel auf Mallorca früh in den 1970er Jahren am Swimmingpool, neben Maria Adorf sitzend, ablichtete. Der kurze Höhepunkt meiner Karriere als Paparazzo. Leider ist das alte Dia verloren gegangen. (m.e.)

    Beim Filmfestival von Venedig hat der Western mit den neuen Filmen der Coen-Brüder und von Jacques Audiard eine kleine Renaissance erlebt. Die Liebe zu diesem Genre scheint ungebrochen. Die komplexe Geschichte des Genres, auf der auch die Venedig-Filme basieren, ist lebendig im cinephilen Alltag. Es gibr zurzeit kaum eine Filmgattung, die auf dem DVD- und Blu-ray-Markt mit so vielen Neuerscheinungen von alten, klassischen Filmen aufwarten kann wie der Western. DVD-Labels wie Koch Media, Filmjuwelen, White Pearl Classics oder Western Perlen lassen mit ihren Wiederveröffentlichungen und Neuentdeckungen von kleinen und vergessenen Western vor allem aus den 50er und frühen 60er Jahren die Geschichte des Westerns in einem neuen Licht erscheinen. Zu diesem Thema ist kürzlich auch ein Buch erschienen: Gregor Hausers »MÜNDUNGSFEUER«, eine kenntnisreiche labour of love über »Die 50 besten B-Western der 50er Jahre und ihre Stars«.

    Es versetzt in Erstaunen, dass man selbst als Cinephiler beim Betrachten dieser vielen wieder zugänglichen Filme erkennen muss, dass der gute alte amerikanische Western tatsächlich ein terrain vagueist, eine geradezu unbekannte filmische Gattung. Natürlich, man kennt die großen Western von John Ford, Raoul Walsh, Howard Hawks und William A. Wellman, auch die Westernperlen von Anthony Mann, Budd Boetticher, Sam Fuller, Nicholas Ray, Jack Arnold oder Joseph H. Lewis. Aber all diese Filme, die uns häufig durch die französischen Kritiker der Autorentheorie vermittelt wurden, bilden nur die Spitze des Eisbergs. Was ist mit Westernspezialisten wie Lesley Selander, Sidney Salkow, George Sherman, Lew Landers oder Joe Kane, dem hyperaktiven Topregisseur des kleinen Republic-Studios? Was ist mit den jüngeren wagemutigen Filmemachern wie Joseph Pevney, Alan H. Miner oder Paul Wendkos? Man kann jetzt den Humus eines Genres entdecken, der die Meisterwerke erst ermöglicht hat, einen vielschichtigen Kosmos aus vitalen kleinen Filmen und größeren Produktionen, die von der Filmgeschichte verschluckt wurden. Ein neues Bild von einem traditionellen Genre entsteht dabei.

    (der Auftakt eines Textes von Hans Schifferle von 2018, HIER in in toto)

    Postscriptum mit einem Hauch Wildwest aus dem tiefen Bayern (als ich mal auf einem anderen Blog Einspruch einlegte gegen Standard-Abkanzelungen alter Western, flogen mir gleich einige Bleikugel um die Ohren):

    Ganz witzig finde ich, wie schlecht hier oft Filme bei Uschi abschneiden, die ich ganz famos oder erschütternd oder sonstwie gelungen finde, beispielsweise Anora… undundund … Uschis verallgemeinernde Abfertigung des Westerns als „riesige Spielwiese fürs Macho-Wettpinkeln“, holla-di-ho, was für Entrüstungsarien! (Michael)

    Die seltsame Art des Michael E. etwas „witzig“ zu finden und sich damit gleichermassen wunderbar zu offenbaren, auf der “ … riesigen Spielwiese der Macho-Wettpinkler … “ derjenige zu sein, der am weitesten pinkeln kann, ist auch eine Aussage! (Little Hans)

    Wenn ich mich recht erinnere, wurden Western hier schon differenzierter besprochen und auch positiv konnotiert, z B der Neowestern, die Filme der Coens und das Lied vom Tod waren durchaus keine Verrisse. Uschi meinte mit der Spielwiese wohl eher die B-Movies, den alten John Ford, filmtechnisch durchaus beachtlich, handlungstechnisch eher banal. Oder guckt sich noch jemand freiwillig John Wayne an? Also genauer lesen und dann verreissen. (Jörg R.)

    Da ich aber etwas unpräzise war, kamen da gleich einige dahergesprungen wie aus der Shiloh Ranch, bemühten „Pimmelmetaphorik“, machten aus einer „Arie“ gleich eine „Orgie“, und statt Frau selber sprechen zu lassen (die vielleicht gerade am Herd stand und den Porridge machte, oder Steak mit Bohnen) wurde genaueres Lesen angemahnt, und der humorvolle Kommentator (ich) samt Pimmel des Feldes verwiesen…. Ich sags ja, wie im Wilden Westen!!! Zur Abkühlung der Gemüter empfehle ich allen den grossartigen alten Western „Der Mann, der Liberty Valence erschoss“. (Michael)

  • „Hang on to your dreams“ – Monthly Revelations (March)

    Als Einstimmung auf die Empfehlungen für den März kann man einfach mal das Cover dieses zweiten Duo-Albums „Five Years Later“ von Ralph Towner und John Abercrombie auf sich wirken lassen. Zwei colorierte Liegestühle in einem ansonsten schwarzweissen Foto, weisse Gemäuer, das Meer, der Horizont. Die Liegegelegenheiten gleichsam ausgestellt, normalerweise müssten sie ja zum Meer gerichtet sein. Aber diese Sache kann der, der die Szene betritt, im Handumdrehen selbst erledigen. Vita contemplativa. Im Sommer 1976 sehe ich die beiden Musiker in versunkener Stimmung auf den Frankfurter Jazztagen, im grossen Saal. So spannungsgeladen, dass die feinsten Nuancen selbst um grossen Rund nicht verloren gehen. Im Februar 1982 liegt das kleine Paket von Jazz by Post mit der Schallplatte der Zwei in meinem Briefkasten in Bergeinöden bei Grasfilzing, in der Nähe von Arnschwang. Wundervolle Musik. Ich drehe die Liegestühle um, die Möwen kreischen, der Sound ist auch hier, am Ende der Welt, grossartig.

    album Tinariwen
    film Meredith Monk by Ingo
    prose David Emling by Martina

    talk Oliver Laxe
    radio Tibbetts Towner & Abercrombie by Michael
    binge Small Prophets

    archive Paul McCandless by Brian

  • Approved by Sidd Hartha

    „Das von Jamie Hewlett gestaltete Cover zeigt die vier Bandfiguren auf einem Berg über den Wolken – ein Bild für Übergang und Perspektive. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz sieht Hewlett zwar als mögliches Werkzeug, betont aber die Grenzen: Kunst brauche eine persönliche Handschrift, sonst könne man sich „nicht in sie verlieben“.“

    „Es ist 25 Jahre her, seit Gorillaz ihr gleichnamiges Debütalbum veröffentlicht haben. Ein Projekt, von dem man vernünftigerweise annehmen konnte, dass es sich um einen einmaligen Scherz eines Britpop-Stars handelte, hat stattdessen ein Vierteljahrhundert überdauert – lange genug, damit Damon Albarns und Jamie Hewletts Konzept einer „virtuellen Gruppe” weniger wie ein bissiger Witz auf Kosten der Popindustrie wirkt, sondern seltsamerweise wie etwas Alltägliches: Ihre neueste Veröffentlichung erscheint in einer Welt, in der die Cartoon-K-Pop-Bands Huntr/x und Saja Boys zusammen bereits 100 Wochen in den britischen Single-Charts verbracht haben, in der die Anime-„Vocaloid” Hatsune Miku in der O2 Arena auftritt und in der der gefeierte Produzent Timbaland eine KI-generierte Sängerin namens Tata Taktumi auf den Markt gebracht hat. Mittlerweile umfasst das Werk von Gorillaz neun Alben, an denen etwa 100 Gastkünstler mitgewirkt haben; sie sind das Bindeglied zwischen Carly Simon und Shaun Ryder, Skepta und Lou Reed sowie Bad Bunny und Mark E Smith.“ (Alex Petridis über „The Mountain“ in „The Guardian“)

  • the secret playlist

    PART 1

    MUSIC FOR FILMS brian eno (sparrofall 3) with michael talking 1
    oton (1) robert wyatt speaking (interview 2003)
    CUCKOOLAND robert wyatt (old europe)
    michael 2
    12 CONVERSATIONS sakamoto / noto (no. 9, part 2)
    michael 3
    speaker interview (2000)
    AN ACROBATS HEART annette peacock (over) 3’52 20 min)

    PART 2

    michael 4
    BELLADONNA NOCTURNE daniel lanois (at the foot of the skyway bridge) 3‘21
    michael 5
    PUNCHING THE CLOWN lambchop (stella) 3‘33
    michael 6
    SOL HZ seefeel (humidity switch) 3‘23 (TT2 15 min)

    PART 3

    oton (2) laurie anderson telling the story behind freefall (1994) 4‘25
    BRIGHT RED laurie anderson (freefall) 4‘32
    SPRING BLOOM IN THE MARGINAL ICE ZONE jana winderen (with michael 7) 5‘00
    FRACTAL ZOOM brian eno (fractal zoom) netto zeit 6‘27 (TT3 20 min)


  • Monthly Revelations (February)

    album JONATHAN RICHMAN: ONLY FROZEN SKY ANYWAY
    talk STEVE REICH: CONVERSATIONS
    archive MORTON FELDMAN: ROTHKO CHAPEL / FOR FRANK O‘HARA
    prose CARLOS CASTANEDA: DAS WIRKEN DER UNENDLICHKEIT
    film PASSGIERE DER NACHT
    television ALL HER FAULT
    radio DIE MINNEAPOLIS-KATHMANDU CONNECTION

    (das Albumcover liegt mir schon in sechs audio files vor. Die dazugehörige Musik wird im April mit grosser Wahrscheinlichkeit a) das Album des Monats sein und b) als letztes Stück meiner Klanghorizonte Ende Mai erklingen. Die liner notes stammen von Robert MacFarlane.)


  • In memory of Ralph Towner

    Es ist Teil der Trauer und der Würdigung für viele, wenn einer von unseren Lebensbegleitern in Sachen Musik den Planeten gewechselt hat, ein Lieblingsalbum aus dem Regal zu holen und es in aller Ruhe zu hören. Meine Wahl träfe auf „Diary“, oder „Solstice“ aus den 1970er Jahren. Oder auf „Distant Hills“ – Alben, die immer bei mir geblieben sind. Ich bemühe mich darum, ein altes Radioportrait von Ralph Towner aus dem Archiv des Senders zu besorgen. Steve Tibbetts schrieb mir noch vor wenigen Tagen von seiner ersten Begegnung mit Ralph, dazu ein anderes Mal mehr. Im folgenden Brian Whistlers Besprechung aus dem Jahre 2017 seines letten Soloalbums…


     
    I recently saw Towner perform a stunning solo set at the SF Jazz Center. It was a remarkably fresh set from someone who has been on the scene for some 50 years. Most of the tunes came from the new album.  He did play a few classics such as If and Redial. He also played a beguiling version of I Fall in Love Too Easily.

    At 77, Towner shows no signs of slowing down or losing his edge. He took chances during his 50 minute set, occasionally flubbing a note that he tried to grab, but then, that’s always been Ralph’s style-thank God, he doesn’t play it safe. Of course, sounding  perfect on the solo classical guitar is a challenge that even many of the classical greats fall short of- I have heard Parkening blow a note and even the ever reliable Williams buzz a few on the fretboard. Not that I care personally about such nonsense. Still it makes me laugh to know Ralph’s classical guitar teacher once told him he would never make the cut as a classical guitarist-and in a way he was right: Towner is SO much more than a mere interpreter of written music-he is a major creative force. He has penned literally 100s of compositions, many of which are played by aspiring classical players. As an improviser on the nylon string he is perhaps in a class by himself.

    This may very well be Towner’s strongest solo album yet. The ever prolific master has gifted us with 10 new originals, most written in his neo-classical style. His playing is in top form- indeed Towner is one of those artists who has only improved with age. What you have here is a very listenable album, a kind of rainy day music for thoughtful listeners. It is anything but background music, although I suppose it could be listened to as such-repeated listenings reveal hidden depths.

    The opening piece, Pilgrim, sets the tone for this mostly introspective set. It’s all there: a strong melodic classical piece tinged with contemporary harmony and rhythm, that familiar and specific world that only Towner seems to inhabit. There are two tunes on which Ralph plays his signature 12 string. It’s great to hear that unique sound again. His reading of My Foolish Heart is as sweet and tender as Bill Evans’s classic version at the Village Vanguard, which according to Towner, was the inspiration for choosing to become a jazz musician in the first place. You can certainly feel the Evans influence here. To close out the set, he plays a remarkably complete sounding solo version of his Oregon composition, Rewind.

    I just want to add that this may very well be the best recording yet of Ralph’s custom nylon string. It’s almost as if he’s playing in my living room. Towner is a bit of a reverb freak-it should be noted that his live performance was slathered with was in my opinion, way too much verb.  Thankfully this is not the case on this recording, which has just the right amount of hall ambience to give the recording some needed space around the luscious notes. Kudos to Manfred Eicher and the fantastic engineers at ECM, who continues to outdo themselvs in the production department.

    Towner has done it again. An instant classic.

  • On Learning to Dissect Fetal Pigs, by Renée Nicole Macklin

    i want back my rocking chairs,

    solipsist sunsets,

    & coastal jungle sounds that are tercets from cicadas and pentameter from the hairy legs of cockroaches.

    i’ve donated bibles to thrift stores

    (mashed them in plastic trash bags with an acidic himalayan salt lamp—

    the post-baptism bibles, the ones plucked from street corners from the meaty hands of zealots, the dumbed-down, easy-to-read, parasitic kind):

    remember more the slick rubber smell of high gloss biology textbook pictures; they burned the hairs inside my nostrils,

    & salt & ink that rubbed off on my palms.

    under clippings of the moon at two forty five AM I study&repeat

                   ribosome

                   endoplasmic—

                   lactic acid

                   stamen

    at the IHOP on the corner of powers and stetson hills—

    i repeated & scribbled until it picked its way & stagnated somewhere i can’t point to anymore, maybe my gut—

    maybe there in-between my pancreas & large intestine is the piddly brook of my soul.

    it’s the ruler by which i reduce all things now; hard-edged & splintering from knowledge that used to sit, a cloth against fevered forehead.

    can i let them both be? this fickle faith and this college science that heckles from the back of the classroom

                   now i can’t believe—

                   that the bible and qur’an and bhagavad gita are sliding long hairs behind my ear like mom used to & exhaling from their mouths “make room for wonder”—

    all my understanding dribbles down the chin onto the chest & is summarized as:

    life is merely

    to ovum and sperm

    and where those two meet

    and how often and how well

    and what dies there

  • Richard Williams‘ 15 albums of 2025

    1 Ambrose Akinmusire: Honey From a Winter Stone (Nonesuch)
    2 Mavis Staples: Sad and Beautiful World (Anti-)
    3 Henriksen / Seim / Jormin / Ouaskari: Arcanum (ECM)
    4 Masabumi Kikuchi: Hanamichi / The Final Studio Recording Vol II (Red Hook)
    5 The Necks: Disquiet (Northern Spy)
    6 Patricia Brennan: Of the Near and Far (Pyroclastic)
    7 Amina Claudine Myers: Solace of the Mind (Red Hook)
    8 The Waterboys: Life, Death and Dennis Hopper (Sun)
    9 Peter Brötzmann: The Quartet (Okoroku)
    10 Chris Ingham Quintet: Walter / Donald (Downhome)
    11 Vilhelm Bromander Unfolding Orchestra: Jorden Vi Ärvde (Thanatosis)
    12 Nels Cline: Consentrik Quartet (Blue Note)
    13 Bryan Ferry & Amelia Barratt: Loose Talk (Dene Jesmond)
    14 Lucy Railton: Blue Veil (Ideologic Organ)
    15 Charles Lloyd: Figures in Blue (Blue Note)