• KI generierte Musik

    Gestern erhielt ich ein Musikvideo von einer Freundin, über das ich mich sehr freute, weil es einen Song über El Hierro enthielt. Es gibt kaum Lieder über die Insel, ausser natürlich die folkloristischen Melodien. Ich hörte mir den Song mehrmals an, weil er einen auffallend schönen Text über die Insel enthielt. Dann achtete ich auf die Filmaufnahmen, die aufgrund ihrer Farbigkeit die hiesigen Landschaften besonders attraktiv zeigen. Ich kenne alle Videos über El Hierro, aber einen so hervorragenden Film hatte ich bisher noch nicht gesehen. Ich hörte den Song mehrmals, weil ich nicht sicher wusste, ob es sich um einen Sänger oder eine Sängerin handelte. Ich fragte meine Freundin, wer der Interpret des Songs sei, sie schrieb zurück: Jorge Luis- Ich googelte, fand keinen Jorge Luis, aber einen José Luis, der über Hierro singt. Ich schaute mir seine Videoclips an, das war aber nicht der Sänger, der das wunderschöne Hierrolied sang. Meine letzte Hoffnung war Torsten de Winkel, der hier das jährliche Jazzfestival initiiert, er kennt sich in der lokalen Musikszene sehr gut aus. Er konnte sich auch nicht erklären, wer das sein könnte. Wir diskutierten zum ersten Mal die Frage, ob es sich hier um ein KI generiertes Musikstück handelt.

    Ich war wie gesagt begeistert von der Qualität des Musikfilms. Ich beschäftige mich schon länger mit KI und benutze auch Chatjpd. Ich lese die Antworten kritisch und bedachtsam. Die Begegnung in der Musik ist neu für mich, auch, dass sie mich so fasziniert. Natürlich kenne ich die Bedenken was das Urheberrecht betrifft und die Konkurrenz zu der menschlich gemachten Musik.

    Mich würde Eure Meinung zu diesem Thema sehr interessieren.

    Lajla Nizinski

  • Bücher zum Neuen Jahr

    Mein Wunschzettel war nicht Zettel’s Traum, mein Buchstabenbegehren zielte auf reale Befriedigung.

    Als das Wünschen noch geholfen hat und Paare, Passanten von der schönen neuen Welt tuschelten, bat ich Kairos jetzt zu bestellen. Es kamen

    Liebe in Zeiten des Hasses von Florian Illies (sehr unterhaltsam)

    Die Spielerin von Isabelle Lehn (wenn kluge Frauen über kluge Frauen schreiben, dann prechtalts)

    Die Frau an der Haltestelle von Peter Schneider ( wer die SDS Sprache nochmal auffrischen will, bitte lesen)

    Die Zeit der Verluste von Daniel Schreiber ( Nachruftrauer auf den Vater, aber schöne Passagen über Venedig)

    Barbara Bleisch: In der Mitte des Lebens

    Huch Josten: Die Gleichzeitigkeit der Dinge

    Botho Strauß: Das Schattengetuschel

    Die letzten 3 Wörterbündel liegen beim spanischen Zoll und warten auf die Reise um die Welt, wahrscheinlich dann in 80 Tagen lesebereit halten.

    (Lajla Nizinski)

  • Goth

    Goths might tilt towards being even more tender. Darnielle uses music and memory as jumping-off points for telling compelling short stories about unique, vulnerable, complex human beings. The characters include Andrew Eldritch, lead singer for Sisters of Mercy, moving back to his hometown as his career winds down; somebody getting arrested while listening to Siousxie and the Banshees on KROQ; adults looking back at their goth youth, with pride and wonder; rocker Pat Travers, trying to make sense of the new scene; a goth fan reading about other cities’ scenes in magazines; and, on the last song, a band everyone forgets, Gene Loves Jezebel. The last words on the album are, “The world will never know or understand / the suffocated splendor of the once and future goth band.” (Dave Heaton, PopMatters)


    Hier das Cover der deutschen Ausgabe von John Robbs Buch, das im Juni 2025 erschien. Hat einer von de flowies eine engere zu „Goth“ gehabt? Ist ja wohl eher historisch. Ich kann mich für einige Alben von Nico begeistern, aber, was diese Szene angeht, habe ich herzlich wenig Musik aus diesem Genre in meinem Archiv. Aber dafür das hier:

    Ich mag die Art total , wie Johne Darnielle mit seinen Mountain Goats einzelne Figuren Randaspekte und Stories jener weitgefächterten Szene auf GOTHS Revue passieren lässt (bis hin zu poettugiesischen Metal Goth Bands😉) , ein Album übrigens ohne Gitarren ausser einer Bassgitarre) – und wie gewohnt mit exzellenten Lyrics! „Goths sounds nothing like goth rock, but maybe, Darnielle seems to suggest, every goth rocker is destined to write their own bookish, soft-rock opus about nights doing cocaine while listening to Bauhaus.“ Der Satz bringt es auf den Punkt.

    Kleine Abschweifung: das ganz neue Mountain Goats Album ist ein kleines oder grosses Meisterwerk, das sich durchaus goth-verwandten Themen (Tod, Einsamkeit etc.) mit musical-affinen Passagen annähert. HIER eine mir aus dem und sprechende „Besprechung“. Die das Album auch mal in den Kontext der Geschichte von John Darnielle rückt. Ein raffiniert konstruiertes, existenzielles, humanes Album. Das ich jedem Flowie und wohlgesonnenen Lesern ans Herz legen würde – es könnte ein neues Lieblingsalbum werden von Bernhard, Olaf Ost, Lorenz, Ingo, und vielleicht auch von Olaf West! Als CD und DoppelLP erhältlich! „Through The Fire Across To Peter Balkan“ is that good.


    Keine Spur hingegen von ironischen Brechungen oder schwarzen Humor bei Lucrecias neuem Streich: es wäre spannend, mal mit Lucrecia Dalt, der neuen besten Freundin von David Sylvian (zu seinen Konzerten kamen ja auch gerne viele schwarzgekleidet), ein Interview über ihre Beziehung zu „Goth“ zu führen. Ihre Erinnerungen, ihre Geschichten dazu. Eine Spezialistin für Horrorfilme ist sie allemal. „A Danger To Ourselves“ ist eines der grossartigsten Alben des Jahres 2025, nicht nur in meinen Ohren, und mit einem Cover, das noch jeden ehemaligen „Grufti“ hinterm Ofen hervorlocken würde. Im Ernst, ein klanglich restlos faszinierendes Werk. HIER das Video zum Song „Divina“. Übrigens ist fas Cover eine Hommage an David Lynchs „Twin Peaks“. Zum Titel des Albums sagt sie:

    Das alles ist hier nur ein kleines Echo auf Jans Text. (m.e.)

  • Richard Williams‘ 15 albums of 2025

    1 Ambrose Akinmusire: Honey From a Winter Stone (Nonesuch)
    2 Mavis Staples: Sad and Beautiful World (Anti-)
    3 Henriksen / Seim / Jormin / Ouaskari: Arcanum (ECM)
    4 Masabumi Kikuchi: Hanamichi / The Final Studio Recording Vol II (Red Hook)
    5 The Necks: Disquiet (Northern Spy)
    6 Patricia Brennan: Of the Near and Far (Pyroclastic)
    7 Amina Claudine Myers: Solace of the Mind (Red Hook)
    8 The Waterboys: Life, Death and Dennis Hopper (Sun)
    9 Peter Brötzmann: The Quartet (Okoroku)
    10 Chris Ingham Quintet: Walter / Donald (Downhome)
    11 Vilhelm Bromander Unfolding Orchestra: Jorden Vi Ärvde (Thanatosis)
    12 Nels Cline: Consentrik Quartet (Blue Note)
    13 Bryan Ferry & Amelia Barratt: Loose Talk (Dene Jesmond)
    14 Lucy Railton: Blue Veil (Ideologic Organ)
    15 Charles Lloyd: Figures in Blue (Blue Note)

  • Wir sind alle eine Bettwurst

    Dietmar Kracht, isch liebe disch so unwahrscheinlisch, versank im Wannsee, tagelang ging ich durch den Grunewald, voll der Trauer um ihn. Der Film von Rosa von Praunheim “ DIE BETTWURST“ lief bei uns in der WG in Freiburg in den 70ern. Ich hatte Besuch von meinem besten Freund aus Saarbrücken. Er ist Cineast und damals Undergroundfilmspezialist. Er empfahl der WG den Film zusammen anzusehen. Es sei ein Higherlebnis ohne Drogen. Während des Films lagen wir lachend am Boden, ahmten den unverwechselbaren Mannheimer Dialekt nach und spielten in den nächsten Tagen die Staubsaugerszene durch. Mich interessierten die Filme von Rosa, die über das Thema Homosexualität gingen nur politisch, ich sah sie mir an, fand aber keinen Bezug dazu. Rosa bewunderte ich immer, traf ihn mehrmals. Er war (sic) ein schöner Mann, voller Energie und mit einem verführerischen Lächeln. Ich bewunderte seine hohe Produktivitätskraft und sein Brennen für die Rechte der Homosexuellen. Dass er doch noch geheiratet hat, mag ein Hochzeitsgeschenk an seinen langjährigen Partner gewesen sein bzw. , in meiner Denke, viceversa, die Bitte, ihn bei seinem Tod zu assistieren. In einem letzten Interview hörte ich Rosa sagen, dass er den Tod liebe, sich auf das lange Schlafen und das Träumen freue. Das wünsche ich ihm jetzt. (Lajla Nizinski)

  • Lajlas Lieblingsgeräusche von 2025

    Man muss immer trunken sein, das ist die einzige Lösung, um nicht das furchtbare Joch der Zeit zu fühlen, das eure Schultern zerbricht und euch zur Erde beugt, müsset ihr euch berauschen. Doch womit? (Baudelaire)

    Ich habe mich mit folgender Musik berauscht:

    Brian Eno und Beatie Wolfe Luminal
    The Allman Brothers Drunken Hearted Boy
    Kurt Rosenwinkel Deep Sing
    Grateful Dead Morning Dew
    Sophie Hunger Le vent nous portera
    Jorge Pardo Djinn
    German Lopez Maridaje
    Dhafer Youssef Shiraz
    Belen Alvarez Doreste Lajalada
    Claudia Alamo Llama a mi mama

    und alles wie immer von Anton Bruckner

  • Ella Edelmann erlebte Radiohead in Berlin

    Es war ein ganz wunderbares Erlebnis, wobei „Wunder“ und „bar“ beide gleichermaßen Teil dieses besonderen Abends waren. Irgendwie verwunderlich in seiner Eigenart und gleichzeitig bar jeden Zuviels, genau richtig in seiner Schlichtheit – sofern sich das von einem Arena-Konzert sagen lässt.

    Interessant fand ich die Art Gaze-Leinwände, hinter denen die Band anfangs eingeschlossen war, und die – obwohl teiltransparent – später auch als Videoleinwände dienten. Das erste Lied („2+2=5“) spielten sie noch komplett hinter dieser Art Netz. Ich empfand das erst als sonderbare Distanz zwischen Performenden und Publikum, als die Wände dann aber später angehoben wurden, kam mir doch der Gedanke, dass es eigentlich ganz passend ist, das Erscheinen auf der Bühne durch dieses Zwischenelement nochmal um einen Schritt zu erweitern und sich so auch sichtbar dem Publikum zu öffnen.

    Die Leinwände waren das ganze Konzert über sehr geschmackvoll eingesetzt. Oft finde ich es ein bisschen schade, wenn die Leinwände einfach in groß das zeigen, was man von seinem hinteren Platz sonst eben nicht erkennt, zumal ich mich dann oft dabei erwische, wie ich nur noch die Leinwand anstarre.

    Das war diesmal anders. Die leinwandübertragenen Sequenzen waren immer wieder verfremdet, teilweise auch gedoppelt oder schnell nacheinander wiederholt. Das hat das Element der Konzertleinwand, finde ich, hier viel interessanter gemacht.

    Musikalisch hat es mir sehr gut gefallen. Anfangs hatte ich das Gefühl, den Gesang etwas leise zu hören – das hat sich aber schnell gegeben.

    Die Band hat toll gespielt und die Songs teilweise auch in Versionen präsentiert, die ich nicht direkt so erwartet hätte. Manchmal war rhythmisch etwas anders oder es wurden synthetische Intermezzos eingefügt und/oder ausgedehnt.

    Besonders begeistert und eingenommen hat mich auch die Bühnenpräsenz Thom Yorkes. Er hat sich tatsächlich viel bewegt und getanzt, wie auch in den Kritiken, die ich vorher gelesen hatte, beschrieben. Ich fand das ungemein passend. Es hatte eine Leichtigkeit und ich hatte das Gefühl, er performt all diese Songs sehr bewusst, ohne aber irgendetwas bestimmtes darstellen zu wollen. Seine Art die Bühne zu bespielen, hatte meines Empfindens nach eine große Authentizität. Gleichzeitig fand ich die Art, wie er bei den vielen düsteren Texten damit auch Leichtigkeit und Freude vermittelt hat, sehr taktvoll.

    Für mich persönlich war es besonders schön die vielen Songs aus „In Rainbows“ zu hören. Jetzt nach diesem Live Erlebnis finde ich mich nochmals darin bestätigt, dass es wohl mein Lieblingsalbum von Radiohead bleibt.

    Es hat mich sehr berührt, zu spüren, dass diese Lieder mehr oder weniger einem ganzen Stadion viel bedeuten und ich fand es schön, in diesem Moment ein Teil davon zu sein.

    Auch schön war, dass in meinem Hostel nahezu ausschließlich KonzertgängerInnen unterschiedlichsten Alters untergekommen waren. Mein Zimmer teilte ich mir mit einer Gruppe junger FranzösInnen, die extra aus Lyon für das Konzert angereist waren. Im Aufzug hatte ich mich am Abend noch mit einer Gruppe älterer Herren (Sie dürfen niemals erfahren, dass ich sie so genannt habe, da sie sich schon an meinem Siezen gestört haben – sagen wir also „für mich älter“) unterhalten, die ganz stolz auf ihre Merch-Errungenschaften waren.

    Es ist einfach immer wieder schön zu sehen, welche verbindende Kraft Musik hat. Das habe ich gestern wirklich nochmals in aller Deutlichkeit erlebt.

  • Stephan Kunze‘s (ambient) album of the year

    Jefre Cantu-Ledesma – Gift Songs (Mexican Summer)

    Even if I’ve loved it from the start, this record has grown so much on me since its release in May 2025. There’s an undeniable magic about this unassuming work that made me keep coming back to it. Whenever I needed a sonic equivalent to a soothing weighted blanket, I could rarely resist the call of that infectious 20-minute piece on the A-side, “The Milky Sea”.

    Shortly before the album release, I interviewed Jefre Cantu-Ledesma for the Buddhist magazine Tricycle. He’s an experienced experimental musician who’s originally from Texas but has been living on the Westcoast for a long time and has now been based in Upstate New York for a while, working by day as a Zen Buddhist priest and hospice chaplain. This gentle acoustic ambient record is an offering and an expression of his compassionate worldview – an fascinating kaleidoscope of timbres, tones and textures, based on decades of mindful improvisation practice.

    (Written by the man behind Zen Sounds)

  • Norbert Ennens Top 10 ohne Reihenfolge

    Natural Information Society & Bitchin Bajas – Totality
    Caroline – Caroline 2
    Ambarchi, Berthling, Werliin – Ghosted II
    Alan Sparhawk With Trampled By Turtles
    Ben Lamar Gay – Yowzers
    Enji – Sonor
    Daisy Rickman – Howl
    The Necks – Disquiet
    Gwenifer Raymond – Last Night I Heard The Dog Star Bark
    Joannne Robertson – Blurrr

    response from flowflowHQ:

    Moin, Norbert! The world of 2025 is full of wonderful music we simply don‘t know. From your list I did hear exactly 5 of 10, and on a little afternoon walk I listened for the first time to that pastoral song meditations by Daisy Rickman. Afterwards I found a package from Italy at my door, exactly 90 minutes ago. I listened to it and thought, well, a perfect pair, Daisy and Massimo. So i highly recommend this album to you. Probably too late for the Christmas tree. Massimo Silverio‘s Surtùm is a discovery for me as is the lady from Cornwall. Coincidence or convergence? Thank you, and good evening. (m.e.)