Bright Spirit

(English see here, please)

Vielleicht bin ich ja ein bisschen altmodisch, aber ein neues Album von Gong ist noch immer ein Grund, neugierig zu sein — jedenfalls für mich. Eine Single-Auskopplung war schon seit Januar zu haben („The Wonderment“), jetzt ist das Album da:

Wie die Band auf ihrer Bandcamp-Seite selbst sagt, „the longest running line-up of this legendary international psychedelic band, comprising members hand-picked by founder Daevid Allen, intending that his mystical vision continues“: Kavus Torabi, Gesang, Gitarren, Synthesizer und Harmonium; Fabio Golfetti, Gesang und Gitarre; Cheb Nettles, Drums und Gesang; Dave Sturt, Bass und Gesang; Ian East, Blasinstrumente. So stabil wie diese war tatsächlich keine der diversen Besetzungen unter Allens Regie.

Was sofort auffällt: Der Band ist offenkundig völlig egal, welche Trends derzeit den Musikmarkt beherrschen, aber man fühlt sich sofort zu Hause. Dennoch hört sich Bright Spirit anders an als die Vorgänger. Während das letzte Studio-Album mich noch stark an Zappa erinnert hat, fühlte ich mich jetzt schon im ersten Track („Dream of Mine“) zurückversetzt in eine Melange aus Embryo und der Steve Hillage Band der mittleren Siebziger, auch Anklänge an Soft Machine sind zu hören. Und das ist nicht negativ gemeint; die Band kann spielen, und offenkundig wusste sie auch, wohin sie wollte. 

Meditativ-psychedelische Layers wechseln sich ab mit ungeraden Taktarten, dazwischen funken Gitarrenriffs, Glissando-Gitarre (seinerzeit Daevids Spezialität) und Keyboard-Einsprengsel. Einzig der Gesang überzeugt mich nicht durchgehend; irgendwie hat man dauernd das Gefühl, jetzt müssten Daevid Allens oder Steve Hillages Stimmen kommen, aber sie kommen nicht. Womit nicht gesagt sein soll, dass der Gesang schlecht ist; es ist einfach der Aufbau des Albums, der eine Atmosphäre hervorruft, die solche Erwartungen nahelegen. Einige der Stücke könnten vielleicht auch eine Minute kürzer sein. Das ist aber auch schon alles, was es aus meiner Sicht zu kritisieren gibt.

Bright Spirit ist auf den üblichen Streamingdiensten und via Bandcamp bereits zu hören, die Hardware (CD, LP in schwarz und LP in transparentem Türkis) folgt Ende des Monats.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert