Dokumentarfilm
Das Jahr ist bereits drei Wochen alt, wie ich feststelle, und die Tage sind gerade immer zu kurz. Meine alljährliche Anstellung bei der Berlinale hat bereits begonnen, auch wenn der Januar meist nur von einfachen und überschaubaren Vorbereitungen geprägt ist. Gestern wurde das Programm veröffentlicht, und ich freue mich besonders auf einen Dokumentarfilm über Siri Hustvedt, der glücklicherweise auch am ersten Tag in „meinem“ Kino (d.h. für das ich leitend verantwortlich bin während des Festivals) gezeigt wird. Nicht weiter überraschend wurde mein eigener Dokumentarfilm nicht eingeladen, aber es ist auch kaum möglich, mit Filmen über renommiertere, weltbekannte Künstler/innen zu konkurrieren, wie in diesem Jahr eben Siri Hustvedt (interessanterweise eine deutsche Produktion) und Douglas Gordon. Beide natürlich ungleich teurer als mein kleiner Film.
Allerdings habe ich gerade in den letzten zwei Wochen viel Zeit damit verbracht, ein Konzept für einen komplexen Dokumentarfilm zu schreiben, das ich seit einem Jahr im Sinn hatte und nun endlich mal niedergeschrieben habe. Und dieser Film hätte eine eine sehr bekannte Persönlichkeit im Zentrum bzw. im Fokus. Es ist (bzw. wäre) allerdings kein klassisches Künster-Porträt (oder gar „Musik-Doku“, wie mancher ja gerne despektierlich sagt), sondern ein Film über die Vereinigten Staaten und über die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft (also konkret in der amerikanischen, aber letztlich natürlich auch im weiteren Sinne) — und natürlich auch über Musik und großes Songwriting. Zweieinhalb Stunden Laufzeit habe ich veranschlagt; und schon das scheint mir fast zu kurz, für mein Konzept mit 12 Kapiteln und bis zu 100 in der aktuellen Erzähl-„Roadmap“ integrierten Songs; das gibt viel her.
The film unfolds in 12 chapters, loosely chronological in historical time but associative in cinematic logic; the film privileges thought over plot, accumulation over explanation, and cultural resonance over biography. (…) Like Alexander Horwath’s film about Henry Fonda, my film treats its subject less as an individual than as a cultural instrument—a vessel through which a nation speaks, often against itself. (…) The film asks: what kind of country speaks through these songs, and what remains unsaid?
The intention is to re-politicize listening. To hear familiar songs not as nostalgia, but as historical testimony. To place culture back into the flow of labor, policy, violence, and consequence. And to ask whether remembering—clearly, honestly—can still be a political act.
Das Konzept hatte ich eigentlich fürs erste als weitaus weniger umfangreich geplant, aber da mir über die letzten Wochen fast jeden Tag neue Überlegungen ein- und auffielen, gerade auch beim Hören durch das Werk und beim Lesen verschiedenster Primär- und Sekundärquellen und das Thema und der Stoff so viel hergeben, ist es letztlich fast ein Drehbuch geworden. Mit einem persönlichen Brief und ein paar weiteren Zusatzmaterialien (eigenen Filmen und so) habe ich das 70-seitige Dokument – 10 Seiten Projektbeschreibung mit „Director’s Note“, „Why this film, why now“, warum es noch keinen vergleichbaren Film gibt + 50 Seiten „Roadmap“-Drehbuch-Treatment-Mix + 10 Seiten Anhänge über die Songs und Themen im Film) gestern an den Protagonisten tbc verschickt.
Fürs erste wissen nur ganz wenige genaueres; ich werde berichten, sollte es weitergehen.