„Everybody loves Mavis, don‘t they?“
An diese Stelle möchte ich mich bedanken, dass mir Richard Williams erlaubt, was auch immer, aus seinem Blog „The Blue Moment“ zu übersetzen. Ich kenne seine Texte über Musik seit den goldenen Jahren des „Melody Maker“ in den „wilden Siebzigern“. Auch seine Konzerterichte sind wunderbar zu lesen. Einmal, vor kurzer Zeit, war er auf einem Doppelkonzert von Patty Smith und Al Stewart. Zwei Überlebende aus der Zeit von „Horses“ und „Year Of The Cat“. Ich hätte nach London fliegen sollen! Hier eine Passage aus seinem aktuellen Text, einmal mehr „two survivors“: Boz Scaggs und Mavis Staples. (m.e.)
Nach Alben mit Ry Cooder, Jeff Tweedy und Ben Harper als Produzenten ist nun Brad Cook an der Reihe, der unter anderem für Bon Iver und Nathaniel Rateliff and the Night Sweats verantwortlich zeichnet, Mavis Staples’ neues Album zu produzieren. Er enttäuscht sie nicht.
Die Songauswahl auf Sad and Beautiful World ist durchdacht und einfühlsam, angefangen mit dem bewussten Boogie-Shuffle von Tom Waits und Kathleen Brennans „Chicago“ über Gillian Welch und David Rawlings‘ „Hard Times“, Curtis Mayfields „We Got to Have Peace“ und Leonard Cohens „Anthem“ bis hin zu Eddie Hintons „Everybody Needs Love“ und einigen mir weniger bekannten Stücken. Am auffälligsten ist dabei „Godspeed“ von Frank Ocean und James Ho, das in einem dichten Instrumentalgeflecht alle besten Elemente der Americana zu einem perfekten Arrangement vereint.
Die vielen hervorragenden Musiker, die an den 10 Titeln mitgewirkt haben, geben sich nicht mit Effekthascherei ab, aber ich liebe Derek Trucks‘ wunderschöne Slide-Gitarre, die „Hard Times“ verziert, und die glitzernde Pedal Steel von Colin Croom in „A Satisfied Mind“, dem wunderschönen Country-Song von Red Hayes und Jack Rhodes, dessen zahlreiche Coverversionen bis ins Jahr 1954 und zu Mahalia Jackson zurückreichen – vielleicht das Vorbild, das Mavis im Sinn hatte. Und zum Abschluss gibt es in „Everybody Needs Love“ einen Hintergrundchor, bestehend aus Bonnie Raitt, Patterson Hood, Kate Crutchfield und Nathaniel Rateliff.
Soweit Richards fröhliches „name dropping“! Von einem „meiner“ mit Jazz- und andern Sendungen belieferten Sendungen (once upon a time) wurde ich (wie alle paar Jahre) nach drei Alben befragt, die ich für musikalisch extellent, durchaus zugänglich und im freiesten Sinne „weihnachtlich“ halte, „ohne dass sie explizit weihnachtlich sind“, und da fiel mir die Wahl leicht: Mavis Staples: Sad And Beautiful World, Brian Eno & Beatie Wolfe: Luminal sowie Steve Gunn: Daylight Daylight!