Wochendausflug nach Osnabrück
Von Hannover ist es nur ein Katzensprung nach Osnabrück, zudem ist die Stadt an der Hase meine alte Heimat. Als ich dort am ersten Weihnachtstag abends kurz mit Freunden in einer Kneipe saß, lag auf dem Tisch ein Flyer: Jazzfestival Osnabrück, 13.–15. März. Angekündigt war unter anderem das Jakob Bro Trio. Noch 2025 habe ich mir ein Festivalticket besorgt.
Am Freitagabend standen drei Formationen auf der Bühne: das Aaron Parks Trio, Enji und Re:Calamari. Veranstaltungsort war das Blue Note, ein kleiner, intimer Club mit Baratmosphäre, der mich an beiden Abenden mit einem ungemein transparenten, sehr präzisen Klang überraschte.
Nach einer Fahrradfahrt durch strömenden Regen traf ich mich um 19:00 mit A., gerade als die erste Anmoderation vorbei war und das Aaron Parks Trio die Bühne betrat. Es war ausverkauft; wir wussten zunächst nicht recht, wohin, wurden aber sofort sehr gastfreundlich auf zwei freie Stühle an einem Tisch hingewiesen.
Kaum hatten wir Platz genommen, begannen die drei zu spielen: Klavier, Schlagzeug, Bass – sehr lyrisch. Jede*r bekam viel Raum, und doch hörten die Musiker einander aufmerksam zu. Schon zu Beginn ein echtes Highlight. Der lange Applaus bestätigte das.
Das zweite Konzert war von der mongolischen Sängerin Enji, die von Kontrabass und einer erzählenden Gitarre begleitet wurde. Ganz feine Klänge wurden hier gewoben; viel Raum zwischen den Tönen, die Musik konnte atmen – und das Publikum ließ ihr gebannt diesen Raum. Kaum Husten, kaum Gläsergeklirr, kaum Gerede. Die Entscheidung der Veranstalter, den Getränkeausschank während der Konzerte zu unterbrechen, konnte ich spätestens jetzt gut nachvollziehen: Die Nebengeräusche wären viel zu laut gewesen. Insgesamt war das wunderbare Konzert der Formation um Enji mein Favorit des Abends.
Das letzte Konzert spielten Re:Calamari, ein Fusion-Jazz-Quartett aus Köln. Sehr treibend und energetisch: abgefahrene Synthesizerklänge, virtuose Soli, Schlagzeug und Bass als Groove-Maschine. Ganz anders als die eher leisen Künstler zuvor – aber kaum weniger begeisternd.
Am nächsten Tag hörte ich mir um 17:00 ein Podiumsgespräch mit dem Titel „Jazz zur Sprache gebracht“ an. Kundig und unterhaltsam wurde anhand von Klangbeispielen – von Eric Dolphy über Django Reinhardt und Mary Halvorson bis zu Shake Stew – über Jazz gesprochen. Ein besonderes Highlight war eine unveröffentlichte Aufnahme des skandinavischen Keith Jarrett Quartetts aus dem NDR-Archiv.
Das Jakob Bro Trio war der eigentliche Anlass für meinen Besuch. Ich habe die Formation, Jakob Bro an der Gitarre mit Thomas Morgan am Bass und Joey Baron am Schlagzeug, vor ein paar Jahren in Hannover gesehen. Damals gefiel mir das Konzert sehr, doch der Samstag hat das noch einmal deutlich übertroffen. Über zwei Stunden betrieben die drei konzentrierte Klangforschung: spannungsgeladene, feine, leise (Zwischen-)Töne. Nach der Pause wurde es kurz einmal laut und krachig, meistens lauschte die Musik aber der Stille. The most beautiful sound next to silence.
Das Konzert der Band „Hilde“ am Sonntag habe ich dann nicht mehr mitgenommen – zu verführerisch war der freie Nachmittag zu Hause, sodass ich schon um kurz nach 11:00 wieder in der Regionalbahn saß.
Insgesamt ein sehr lohnendes Wochenende. Osnabrück ist zu wünschen, dass dieses kleine Festival zu einer festen Tradition wird und sein fantastisches Niveau halten kann.