Hans Schifferle
Liebe Leser, liebe Flowies. Gestern, als ich Roedelius’ alte Tonbänder nach Bonn brachte, zeigte mir TP ein neues Filmbuch, das spätestens auf der Rückfahrt viele Erinnerungen in Gang setzte. Natürlich kannte ich Texte und Kritiken von Hans Schifferle (1957–2021), vor allem aus der Süddeutschen Zeitung und bis zurück in die zweite Hälfte der 1970er Jahre. Und ich mochte sie sehr, ihren schrägen unkonventionellen Blick auf die Dinge, wie sowieso die ganze Bande um Michael Althen, HG Pflaum, Peter Buchka und Co. Dieses Filmbuch werde ich ganz sicher lesen, durchforsten, und es wird mich dazu bringen, alte und neue Spuren aufzuspüren. Und ich glaube, ich werde hier nicht ein einsamer Leser dieser Werkschau sein. Alles andere als trockene akademische, schulgebundene Kost erwartet euch hier. (m.e.)

„Hans Schifferle schrieb sein Leben lang über Filme. Sein Verhältnis zum Kino war von existenzieller Natur. Er wollte Kino erleben und nicht nur Filme schauen. Hans Schifferle akzeptierte keine Genregrenzen und fand auch in vermeintlich zweit- und drittklassigen Filmen einen Reichtum, den andere nur in anerkannten Klassikern sehen wollten. Dank seines immensen film- und kulturhistorischen Wissens, seines Stilbewusstseins, seiner analytischen Fähigkeiten und nicht zuletzt seiner konzentrierten Hingabe an den jeweiligen Film entstanden unter seiner Autorenschaft Filmkritiken und Essays, die lustvoll zu lesen sind und den cineastischen Horizont erweitern. Prägend für Schifferles Akkulturation war die Münchner Kinoszene der 1980er Jahre, als mit dem Filmmuseum und dem Werkstattkino zwei außergewöhnliche Bildungsstätten auf sich aufmerksam machten, ein „Living Cinema“, das darüber hinaus eine neue Generation von Filmkritikern hervorbrachte. Schifferle veröffentlichte reichhaltig und breit gestreut: Er schrieb für die „Süddeutsche Zeitung“, den „Kölner Stadt-Anzeiger“, für „epd Film“, diverse Stadt- und Lifestyle-Magazine, er publizierte in Filmbüchern, Festivalkatalogen, in Publikumszeitschriften und cinephilen Spezialjournalen. Der vorliegende Band enthält zahlreiche Texte von Hans Schifferle, Fotos und Dokumente sowie einen Essay von Ulrich Mannes.“ (Pressetext des Verlages)
13 Kommentare
Thomas
Lieber Michael,
die Texte von Hans Schifferle sind eine Fundgrube des Kinos und der Lebenskunst. Ich empfehle als Einstieg seinen Text über die Filme von Julio Medem. Der Spanier ist auch ein Lebenskünstler, seine Filme sind physisch und poetisch und handeln immer von den Möglichkeiten der Liebe. Das rote Eichörnchen mit der wundervollen
Emma Suárez ist besonders wild 😎
Michael E
Eine gute Empfehlung. Habe den Schifferle heute bekommen, und Das Rote Eichhörnchen als dvd via ebay ebenso.
Ich liebe die Medem Filme Die Liebenden des Polarkreises, Lucia und der Sex – sowie, last but not least, Tierra. Diese drei Filme sind lifers, Thomas. Und heute nachmittag tauchte ich tief ein in Das rote Eichhörnchen (bis vor kurzem, lief es ja noch auf arte, aber da hatte ich es verpasst)
Wundervoll. Emma S. spielt ja auch in Tierra mit.
Die beidem Filme sind ein Traum. Oh wow!
Ich stöberte erst mal in dem Buch von und mit und über Hans Schifferle. Ich werde das lange Vorwort lesen (die erste Seite ist schon super!😉), und dann „Landkarten der Sehnsucht“, seinen Text über Julio Medems Kino.
Als Einstieg wählte ich seinen Nachruf auf Michael Althen. Sehr bewegend.
Ein Fundgrube, so empfinde ich es jetzt schon 🎡
Martina Weber
Verheißungsvoller Pressetext. Ich habe das Inhaltsverzeichnis des Buches angeschaut, kenne leider kaum einen dort erwähnten Film. „Lucia und der Sex“ hattest du, Michael, vor langer Zeit in den Klanghorizonten erwähnt und ich hatte den Film daraufhin aus einer Videothek ausgeliehen. Ich habe gerade nachgeschaut. Der Film ist von 2001, es ist also 25 Jahre her. Das Buch werde ich mal in der Bibliothek bestellen. Ich finde es immer interessant, wie jemand über Filme schreibt, wie viel jemand verrät, wie sinnlich und analytisch ein Text ist.
Michael Engelbrecht
Und derzeit überlege ich, wie ich Das rote Eichhörnchen in den Horizonten platzieren könnte… 😉
Martina Weber
Über das rote Eichhörnchen muss ich noch nachdenken.
Wolltest du nicht auch den Soundtrack von Sirat, der am 20.3. erscheint, von Kangding Ray, in deine Sendung einflechten?
Anonym
Das ist nur ein bisschen Brainstorming … und am Ende sieht es wieder ganz anders aus… ich habe ja nicht die Soundtracks der Filme… und leider ist das rote Eichhörnchen nicht mehr in der Arte Mediathek …
Bisher ist nur ein Snare Drum Soloplatte gesetzt, und vielleicht Björn Meyers Elektro Bass Solo Platte …
Martina Weber
Klar. Wie gesagt erscheint der Soundtrack zu Sirat auf CD am 20. März. Das Genre Drum Soloplatte klingt vielversprechend. Es erinnert mich gleich an den Film Whiplash.
Thomas
Ergänzend Hans Schifferles 22 Lieblingsfilme, die in der aus meiner Sicht besten deutschen Filmzeitschrift steadycam (Nr. 40, Frühjahr 2000, Catch22) herausgebracht wurden:
1. The Addiction
2. La Ardilla Roja
3. Backbeat
4. Broken Hearts
5. Chongqing senlin
6. The Crow
7. De sueur et de sang
8. Les Equilibristes
9. Fargo
10. Gas Food Lodging
11. Great Expectations
12. Havana
13. Ja chotela uvidet angelov
14. Liebestraum
15. Light Sleeper
16. Map of the Human Heart
17. One False Move
18. Prinzenbad
19. [safe]
20. La 2 volta
21. Se7en
22. Toutes peines confondues
Thomas
…Lieblingsfilme der Neunziger…
Thomas
Und noch aus der letzen steadycam Ausgabe Nr. 50, Sommer 2007 eine Liste seiner all time favourites. Die Lust an der Liste 😅
1. Les yeux sans visage
2. Vertigo
3. Murder by Contract
4. The Searchers
5. Meshes in the Afternoon
6. Rose Hobart
7. Detour
8. Scorpio Rising
9. The Four Horsemen of the Apocalypse
10. Grosse Freiheit Nr. 7
11. Profondo Rosso
12. Chongqing senlin
13. Rabid
14. The Hustler
15. Track of the Cat
16. Night Tide
17. Drei Unteroffiziere
18. Jet Generation – Wie Mädchen heute Männer lieben
19. The Wedding March
20. Breakfast at Tiffany’s
21. La ardilla roja
22. Reisender Krieger
23. Rocker
24. The Tales of Hoffmann
25. Tiara Tahiti
26. Maskerade
27. Raw Deal
28. Dip hyut shueng hung
29. The Small World of Sammy Lee
30. Yukoku
Michael Engelbrecht
Da kenne ich etliche nicht.
Zu meinen 101 filmen ever and always gibt es zwei Überschneidungen mit seiner all time Liste:
Breakfast at Tiffany’s
La ardilla roja
Und hier verrate och noch einen: EIN KURZER FILM ÜBER DIE LIEBE von Krzysztof Kieslowski. Der geschätzte Schriftsteller, Filmnarr, ECM- Jazz und Necks Fan Geoff Dyer findet den Film ganz schrecklich😉
Michael Engelbrecht
P.S. Ich mag Schifferles eigensinnige Besprechungen sehr. Von seinem B MOVIE Text über Wildwestfilme der 1950er Jahre kam gestern in einer überraschend feinen DVD Edition DER SCHWARZE MUSTANG an. Im Original: STRANGER AT MY DOOR
Thomas
Sehr schön. Ich schaue mir Stadt ohne Sheriff an, ein Western über Liebe und Tod 😏