“Elevation“

Nach der Produktion der „Minnesota-Kathmandu-Connection“ fiel ich in ein kleines Loch. So wohltuend die Umgebungen waren, an denen ich Steve Tibbetts‘ Musik hörte und mich dann ans Schreiben, Schreiben, Schreiben machte, so erschöpft war ich erstmal. Ich hatte mir nämlichnden Anspruch gestellt, dass mein letztes Portrait im Deutschlandfunk mein so ziemlich bestes werden sollte, und als durchaus zur Selbstkritik fähiges Individuum war das Feilen an den Sätzen und Wörtern, ein echt anstrengender „flowworker“-Job.

Ein Symtom meines Groggyseins war, dass ich so gut wie keine Musik hören konnte (nicht mal die anstehenden neuen Werke von Sunn O))) und Bill Callahan), und jede Menge Leerlauf erlebte, was nicht unbedingt zu schönen Aha-Erlebnissen führt, sondern zu Mattigkeit, Müdigkeit, Regression, Langeweile. Gestern endete diese kleine Phase, die auch von den Schreckensmeldungen aus Minneapolis gefüttert wurde, als ich im Plattenschrank ein altes Exemplar von Pharoah Sanders‘ „Elevation“ fand, und auf einmal unheimliche Lust verspürte, das Ding zu hören.

Es hat Jahrzehnte in meinem Archiv geschlummert, ist immer noch in prächtigem Zustand, und produzierte bei mir genau das, was für Pharoah titelgebend war, „Elevation“. Eine neue alte Leichtigkeit erfüllte mich, und auch wenn ich nicht von meiner petrolfarbenen Couch abhob, ergrifft mich die Musik – ich bemerkte, wie sich neben zeitweiliger Gänsehaut auch ein paar Tränen ihren Weg bahnten. Ich hatte diese Schallplatte im Jahr ihre Erscheinens in Würzburg gekauft, und manche Erinnerungen wurden beim Wiederhören wach, neben der Wucht, die diese fabelhafte Musik sowieso und nach wie vor hat. HIER ist ein Beitrag aus Dereks Musikblog, der „Elevation“ in den Kontext der Musik von Pharoah stellt. Ich liebe seine Musik! Ich habe so ungefähr ein Dutzend seiner Alben, und die Klanghorizonte haben immerhin dazu beigetragen, dass Martina W. sein Debut „Tauhid“ entdeckte – ein all time classic! In den letzten Jahren sind manche seiner Live-Konzerte aus den 1970er und 1980er Jahren ans Tageslicht befördert worden, auch ein wunderbarer Auftritt in der Hamburger Fabrik.

6 Kommentare

  • Michael Engelbrecht

    Und heute, einen Tag später, lieber Olaf OFF RECORD von Makaya McCraven, die tollen Seiten 3 und 4 des Doppelalbums. Ein Stück klingt wie eine klangluch sehr errfindungsreiche Hommage an Weather Report.

    Und dann, auch noch heute, ETHIOPIAN KNIGHTS von Donald Byrd, auf Anraten von Aquarium Drunkard. Back on Boogie Street😉🌠

    Hier der AD Text, ein wirklich toller Musikblog ais L.A. – die zehn Euro pro Monat investiere ich gerne…

    While Miles burned the candle at both ends on his electrified path to reinvention, trumpeter Donald Byrd traced a similar, albeit more approachable arc from the opposite coast. A mirror world of stunning, inventive LPs cutting an alternate road from slow burn inner journey soundtracks to dancefloor-destined bangers. An artistic crossover that, unlike Miles’, eventually reached the commercial promised land.

    Tucked between Byrd’s magnificent Bitches Brew-adjacent Electric Byrd and his string of genre-refining mid-decade LPs with the Mizell brothers lies 1972’s Ethiopian Knights – a transitional freakoff that quietly stands among the trumpeter’s best work. After a decade of output from Van Gelder’s Studio in Englewood Cliffs, NJ, Ethiopian Knights is where Byrd first plants his flag on the west coast, allowing him to escape Miles’ long shadow in sun-kissed Los Angeles. The album’s assembled cast overlaps significantly with Bobby Hutcherson’s recent cool out, San Francisco, pulling in its core of Hutcherson on vibes, Harold Land on tenor and the reliably funky Joe Sample on organ. The quartet swells with Rhodes, trombone, a trio of guitarists, electric bass, and percussion to form a lineup built less for speed than extended travel.

    The result is an album that acknowledges the gravitational pull of early 70s jazz funk but revels in exploring the turf that lies at its edge. Bookended with a pair of extended jams with no particular destination in mind, Ethiopian Knights rests comfortably in the improvisational sweet spot where Mwandishi and Peter Green’s End of the Game converge. Searching, textural mood music where the groove reigns and egos cease to exist. Hutcherson owns its 15-minute opener “The Emperor”, his vibes weaving space with Rhodes and organ overtop an unrelenting “Sex Machine” groove, while Bird, Land and trombonist Thurman Green dip in like seabirds diving for prey. Side A closer, “Jamie”, is the album’s essential counterpoint – a sophisticated four-minute palette cleanser injected to suggest Byrd & Co. could play it straight; they simply prefer not to.

    Sidelong closer, “The Little Rasti”, unfolds like a lost Parliament instrumental, unfussy, unhurried and captivating with plenty of room for its eleven soloists to properly stretch out. An exceptional turn from Sample on organ and a round on fuzz bass from Wilton Felder (who’d later lay it down with Marvin Gaye, Joni, and Steely Dan) give way to an Echoplex-soaked reprise from Byrd before the affair crashes under its own weight. Casual and self-assured, Ethiopian Knights is 36 minutes of proto jazz funk that Byrd could have mined for years. The fact that he left it to stand alone only sweetens its appeal. | j erwin

  • Olaf Westfeld

    Das Makaya Album ist wirklich sehr gut und wird auf Seiten 3&4 immer erfindungsreicher 👍

  • Michael Engelbrecht

    Indeed.

    Ich bin gespannt, welche Alben mich bis zu meinen Mai Horozonte packen und gut kompiliert werden können. Die März Uncut bringt mucb auf ein paar Ideen, aber bisher sind die Favoriten Hen Ogledd, Sunn O))) und Björn Meyer.

    Es gibt Neues von Shabaka, aber der erste Eindruck lässt mich noch leicht unterkühlt zurück: ob sein Einsatz von Elektronik funktioniert neben seinem Saxofon – ich werde es herausfinden.

    Ich höre mir Cindytalk an, Iron & Wine und ein paar andere Alben. Die neue Jonathan Richman finde ich beeindruckend, aber sie ist internatuonal schon lange raus. Die Cd allerdings kriege ich erst morgen.

    Eine reissue von Toumani Diabate auf Vinyl lockt mich.

    Ansonsten wieder 39 Platten verkauft heute bei Black Plastic für 350 Euro. Mein Archiv ist bald auf die essentials reduziert, wobei ich mich über Aufregend-Neues weiterhin freuen werde.

    Und was lese ich neben ASA? Auf krurzreisen derzeit ein Sachbuch, sehr schwer, sehr üppig und ih haltich sehr beeindruckend. Die Geschichte der Wings. Multiperspektivisch, und als „neuer Fan“ ihres Albums BAND ON THE RUN bin icb natürlich auf die Stories rundum das weitgehend in Afrika entstandene Album sehr gespannt, an dem ich wirklich einen Narren gefressen habe.

  • Martina Weber

    „Tauhid“ hat es sogar aufs ipod geschafft und gehört zu den Alben, die einst zur Verlängerung meiner Joggingstrecke beigetragen haben.

  • Michael Engelbrecht

    @ Martina: es heisst ja auch LANGspielplatte. Den Kalauer leiste ich mir mal.

    A propos Paul:

    Rezensentin Viola Schenz hat viel Freude mit diesem Buch, das die Geschichte der von Paul und Linda McCartney gegründeten Band Wings als Oral History erzählt. Zahlreiche Zeitzeugen kommen in transkribierten Interviews zu Wort, so Schenz, außerdem enthält das Buch bislang unbekannte Fotos, ausführliche Biographien und anderes – nicht zuletzt auch ein ausführliches Vorwort von Paul McCartney höchspersönlich.

    Durchaus lustvoll wühlt sich der Musiker hier ein weiteres Mal durch die eigene Biografie, so Schenz, die auf einige der im Buch beschriebenen Episoden kursorisch eingeht, McCartneys Tochter Stella etwa erzählt von ihrem Leben auf Tour, die Aufnahmen zum Album „Band on the Run“ in Nigeria kommen vor, ebenso wie ein Fotoshooting in den Schweizer Alpen. Nicht zuletzt geht es, fährt die Rezensentin fort, immer wieder um die Beatles, die auch in dem Buch über ihre Nachfolgeband eine starke Präsenz haben. Schenz erfreut sich an dem Blick auf das legere, unkonventionelle Leben damals.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert