Die letzten Rätsel des Weissdornwegs

Es war ein Film, der mich tief berührte, als ich ihn einst im Kino sah, entführte er mich doch ins Reich der Kindheit, und da war es egal, ob die Geschichte in Amerika spielte oder am Weissdornweg. „Stand By Me“. Ein paar Jungs machen sich auf den Weg in einen Wald nahbei, und entdecken eine Leiche. Rob Reiners Geschichte habe ich auch später immer wieder mal gesehen, und er meinte, der Erfolg des Filmes habe auch damit zu tun, dass es an einer Stelle heisse, solche Freundschaften, wie man sie mit zwölf Jahren habe, gäbe es nie wieder. Sentimental oder nicht, ich würde dem zustimmen, machte ich mich doch vor Jahr und Tag auf die Suche nach meinem einstigen besten Freund in Volksschulzeiten. Dass sie Schule Brüder Grimm-Schule hiess, hätte auch Stephen King gefallen, der die Vorlage für Rob Reiners Film lief. Meine kleine Detektivstory kann hier jeder nachlesen, der unter suchen „Im Club der Fische“ eingibt, vier Teile finden sich da mindestens.

Und es hatte etwas Tragisches, dass ich ihn nur ganz knapp, etwa um drei Häuser, verfehlte, meine besten Freund, weil ich meine Suche an einem bestimmten Punkt abbrach. Ich hätte ihn beinah noch einmal angetroffen, wenige Monate vor seinem Tod. Wäre es zutiefst bewegend gewesen, keine Frage, ja! Bestimmt auch befremdlich für Mattes, wenn da plötzlich ein Zeitreisender vor der Tür gestanden hätte, und ich aus Verlegenheit mit dem Finger in die Richtung der Weissen Taube gezeigt hätte, wo uns zwei Kids 1966 völlig humorlos mit einem Messer bedroht hatten.

Dafür begegnete ich andern aus meiner ersten Schulzeit, Zurli, Klaus, und vielleicht bald auch Zurlis Schwester, die das lebende Gedächtnis der Siedlung im Weissdornweg in Dortmund zu sein scheint, wenn Zurli mal so ins Reden komm. Es gäbe noch einige Geheimnisse zu lösen, ein paar verdammt offene Fragen, und wenn wir einfach mal einzelnen Puzzlestücken hinterhergingen, und unsere Erinerungen wie durchsichtige Polaroids übereinanderlegten, köme vielleich das eine oder andere heraus. All das brachte sich mir in Erinnerung, als ich gestern vom gewaltsamen Tod Rob Reiners las, und von den hässlichen Worten, die ihm der Abschaum von einem amerikanischen Präsidenten hinterher geschickt hatte.

Die gute alte Singerhoffstrasse. Eine Art Hörspiel mit Zurli.

(einfach auf die obige Zeile klicken und auf halbswegs tauglichen Lautsprechern laufen lassen.)

Ein Kommentar

  • Michael Engelbrecht

    Hier, liebe B., noch etwas Erinnerungsstoff…

    1960 / 1961

    Aus irgendwelchen Gründen gab es für mich keinen Kindergarten, also sass ich morgens lange alleine auf einem roten Kissen neben dem Kohleofen und hörte leidenschaftlich gern Musik aus einem alten Radio mit grünem Auge. Grosse Freude: es gab Schlager, in denen ferne Welten vorkamen, Italien etwa, oder Mexiko. Ich mochte das Gebläse vom Kurt Edelhagen Orchester nicht sonderlich, und spielte damals schon Musikkrtiker.

    1965

    Die Welt änderte sich, als ich meine erste Single kaufte: Rock‘n‘Roll Music von den Beatles. John Lennon sang einen Song von Chuck Berry, und ich war verloren. Es folgten in jener Zeit, als jeder Tag eine Reise war, ich einen Blutsbruder fand, meinen BVB, und ich mich nacheinander in Frau Funke (Dortmund-Körne), Frau Sonnabend (Haus Westfalen, Langeoog), Margarete Scheibelhut (die so frph umd tragisch ums Leben kan, dein Bruder erzählte es mit), und Jutta Kortmann (beide Mitschülerinnen in der Brüder Grimm Volksschule) verliebte, noch lange vor dem ersten Sex.

    ich hörte „You Really Got Me“, und es fuhr mir durch alle Sinne, ich hörte „All Day And All Of The Night“, und die Welt drehte sich doppelt. Ich hörte abends auf Radio Luxemburg das allererste Mal „Mr. Pleasant“ von den Kinks, kam aus meiner Begeisterung über Tage nicht heraus, und verschlang in der „Bravo“ alle Stories über die beste Band der Welt. In dem Sommer, in dem „Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band“ erschien, hörte ich das Album in den grossen Ferien jeden Morgen zweimal hintereinander, mit einem vollen Teller Honig Pops.

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