Flanieren, mit einem besonderen Blick für Pfirsiche



Auf dem Weg zurück nach A., legte ich „Sushi. Roti. Reibekuchen.“ mit J. Peter Schwalm, Brian Eno und Holger Czukay in den Cd-Player meines Toyotas, brauste über die Autobahn, und fühlte mich an ein paar warme Augusttage des Jahres 1998 versetzt. Irgendwo schwirrt noch die Aufnahme meines damaligen  „public talks“ mit Brian herum, der während seiner „future light-lounge proposal“-Multimedia-Installation stattfand, in der Bundeskunsthalle Bonn. Eine Passage des Gesprächs könnte ihren Weg finden in meine Klanghorzonte am 26. Juli. On va voir. Die hier auf der CD dokumentierten Sessions erhielten eine dezente Portion von leicht abstraktem Funk dank zweier Mitglieder von Schwalms damaliger Formation „Slop Shop“. 

„On a hill, under a raven sky / I have no idea exactly what I’ve drawn“ (Brian Eno, Spinning Away)

Es war, nach 25 Jahren, Enos erster Live-Auftritt, allerdings ohne grosses TamTam  als Ambiente dargeboten zu erstklassigem Futter. Solch köstliche Roti bekam ich erst Jahre später wieder vorgesetzt, in Dishoom’s, 2, Upper St. Martin Street. Jan Bang kennt den „Inder“ auch. Bei diesen Jams mischten sich ausgehdehnte Suchaktionen, mal irrlichternd, mal leerlaufend, mit rundum erfüllten Passagen. Holger Czukay hatte seine Freude am Einstreuen obskurer Sprach-Samples, und  all dem, was sein Weltempfänger aus dem Äther fischte. Und so nahm diese aussergewöhnliche „Dinner Music“ ihren Lauf, der erst nach Stunden von der Polizei der Stecker gezogen wurde. Das wird jetzt nicht unter meinen Top 25 von Brians Werke-Verzeichnis landen, ist aber, in der richtigen Stimmung, lustvolles Hörfutter, zum Beispiel bei langen Nachtfahrten („under the night sky of Arles“, oder sonstwo). Lesenswert die Liner Notes von Wyndham Wallace, der das Geschehen musikhistorisch klug einzuordnen weiss. 

„To boldly go where no one has gone before“
(Captain Kirk, Raumschiff Enterprise) 

Solche Expeditionen ins Unbekannte wird man eher mit Brian Enos élan vital verbinden, als mit  meinem morgigen Trip an die Côte d‘Azur, nahe Hyères. Ein wenig hat mir das Katja Eichingers Reisebüchlein „Das grosse Blau“ eingebrockt. Es ist schon speziell, wenn man diesen besonderen Erdwinkel  zwischen Glamour, Reichtum und traumschönen Landschaften vorrangig aus Bildender Kunst, Erzählwerken und Filmen kennt. Ich habe mir ein ganz kleines Häuschen gemietet (die obere Hälfte), direkt am Meer (wahrscheinlich die Langzeitresonanz von Lajlas Finca auf Hiero), fernab von allem Rummel. Kein  Nizza, kein  Marseilles, kein Flowworker-Blog. Die Cds sind rasch zusammengestellt, neben Beth Gibbons und John Cale ist noch William Parker dabei. Enos „Thursday Afternoon“. Dies und das, handverlesen. Und, sowieso, en voyage a la France, Jacques Brels letztes Album (das mich schon mehr als ein halbes Leben begleitet) – so erhält mein eingerostetes Französisch etwas Schwung. 

„Down at the beaches, just looking at all the peaches.“
(The Stranglers, Peaches)

Wenn ich mich nicht im Ultramarinblau des Himmels auflöse oder von einem weissen Hai grefressen werde, bin ich kurz vor Monatsende zurück. Ab dem 22. Juni mag jeder Flowworker nach Gusto die Juli-Kolummen („Monthly Revelations“) bestücken, und, was sich dort findet, streichen, oder auf den Junianfang transportieren  – ansonsten hole ich das ratzfatz nach. Emails erreichen mich, und werden beantwortet, vielleicht schreibe ich mal wieder Postkarten. Loslassen, Alter, und freundlich sein zu Fremden, und streunenden Hunden sowieso.

Ein Kommentar

  • radiohoerer

    Hallo Michael.
    Ich wäre gespannt, was du von William Parker mitnimmst.
    Vielleicht das Heart Trio?
    Und das letzte Album von Jacques Brel ist einfach ein Traum.
    Ich wünsche dir eine gute Zeit.

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