• Bright Spirit

    (English see here, please)

    Vielleicht bin ich ja ein bisschen altmodisch, aber ein neues Album von Gong ist noch immer ein Grund, neugierig zu sein — jedenfalls für mich. Eine Single-Auskopplung war schon seit Januar zu haben („The Wonderment“), jetzt ist das Album da:

    Wie die Band auf ihrer Bandcamp-Seite selbst sagt, „the longest running line-up of this legendary international psychedelic band, comprising members hand-picked by founder Daevid Allen, intending that his mystical vision continues“: Kavus Torabi, Gesang, Gitarren, Synthesizer und Harmonium; Fabio Golfetti, Gesang und Gitarre; Cheb Nettles, Drums und Gesang; Dave Sturt, Bass und Gesang; Ian East, Blasinstrumente. So stabil wie diese war tatsächlich keine der diversen Besetzungen unter Allens Regie.

    Was sofort auffällt: Der Band ist offenkundig völlig egal, welche Trends derzeit den Musikmarkt beherrschen, aber man fühlt sich sofort zu Hause. Dennoch hört sich Bright Spirit anders an als die Vorgänger. Während das letzte Studio-Album mich noch stark an Zappa erinnert hat, fühlte ich mich jetzt schon im ersten Track („Dream of Mine“) zurückversetzt in eine Melange aus Embryo und der Steve Hillage Band der mittleren Siebziger, auch Anklänge an Soft Machine sind zu hören. Und das ist nicht negativ gemeint; die Band kann spielen, und offenkundig wusste sie auch, wohin sie wollte. 

    Meditativ-psychedelische Layers wechseln sich ab mit ungeraden Taktarten, dazwischen funken Gitarrenriffs, Glissando-Gitarre (seinerzeit Daevids Spezialität) und Keyboard-Einsprengsel. Einzig der Gesang überzeugt mich nicht durchgehend; irgendwie hat man dauernd das Gefühl, jetzt müssten Daevid Allens oder Steve Hillages Stimmen kommen, aber sie kommen nicht. Womit nicht gesagt sein soll, dass der Gesang schlecht ist; es ist einfach der Aufbau des Albums, der eine Atmosphäre hervorruft, die solche Erwartungen nahelegen. Einige der Stücke könnten vielleicht auch eine Minute kürzer sein. Das ist aber auch schon alles, was es aus meiner Sicht zu kritisieren gibt.

    Bright Spirit ist auf den üblichen Streamingdiensten und via Bandcamp bereits zu hören, die Hardware (CD, LP in schwarz und LP in transparentem Türkis) folgt Ende des Monats.

  • Ausgewählte Übertreibungen

    Ja, dieser Mann kann durchaus auch mal Unsinn reden. Solange er trotzdem mit Gedankenblitzen aufwarten kann, soll das meinetwegen so sein. Und dafür, dass er es kann, ist dieses Buch ein weiterer Beleg.

    „Ausgewählte Übertreibungen“ ist nicht neu; das Buch stammt von 2013. Das Alter merkt man ihm aber nicht an. Es enthält, wie der Untertitel schon ahnen lässt, Interviews und Gespräche — dreiunddreißig an der Zahl, dreißig Interviews stammen aus deutschen und ausländischen Zeitungen und Magazinen, drei Gespräche sind Protokolle aus Symposien, Kongressen et cetera, geführt zwischen 1993 und 2012. Einiges davon hatte ich schon damals gelesen, anderes war mir neu. Die Sammlung ist nicht vollständig — natürlich nicht, denn tatsächlich existieren wohl an die 300 Interviews, da musste eine Auswahl getroffen werden.

    Ausführlich, meist sachlich, oft in weit ausholenden Kurven, mäandernden gedanklichen Schleifen und wilden Assoziationsketten, manchmal unterlegt mit einem Schuss Schelmentum, spricht Peter Sloterdijk über buchstäblich Gott und die Welt. Nicht selten fühlt man sich an die „Zeilen und Tage“ erinnert; Grundlage der Interviews sind aber meist Sloterdijks in den jeweiligen Jahren erschienene Bücher, insbesondere die „Sphären“-Trilogie (1999 bis 2004) sowie das auf ein Rilke-Zitat Bezug nehmende „Du musst dein Leben ändern“ von 2009. 

    Sei es über seine Zeit beim Baghwan, sei es über die von ihm aus heutiger Sicht selbst so empfundenen Schwachstellen seines Opus 1, „Kritik der zynischen Vernunft“ (die inzwischen freundliche 43 Jahre auf dem Buckel hat), sei es seine Ansicht über die Kollegen Habermas und Luhmann, seien es die heutigen Angebote der elektronischen Medien oder die Kunst des Designs, kaum ein Aspekt wird ausgelassen. Zum Interessantesten gehören Sloterdijks Ausführungen über das „heilige Feuer der Unzufriedenheit“ — richtig, es geht um das Zustandekommen des Phänomens „Fortschritt“. Was ist das, wer legt aufgrund welcher Qualifikationen fest, was fortschrittlich ist, und ist Fortschritt per se überhaupt etwas Gutes? 

    Immer wieder bringt Sloterdijk Aspekte ins Spiel, die die eigenen Standpunkte auf den Prüfstand stellen, und genau das macht ihn lesenswert. Dass ihn speziell dieses Fortschrittsthema immer wieder beschäftigt, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass in diesen Interviews schon manches vorweggenommen wird, das er 2023 in „Die Reue des Prometheus“ in aller Deutlichkeit konkretisiert hat.

    Wie in Interviews nicht anders zu erwarten, sind die Antworten manchmal sprunghaft, oftmals seitenlang, und sie werden in diesem Buch ohne Absätze wiedergegeben. Da fühlt man sich latent an Thomas Bernhard erinnert, bei dem solche Bleiwüsten allerdings künstlerische Absicht waren — hier aber war das wohl eher nicht der Fall.

    Manchmal allerdings würde man sich wünschen, der Mann würde wenigstens gelegentlich an irgendeiner Stelle, auf irgendeine Frage einmal sagen: „Weiß ich nicht, keine Ahnung, da müssen Sie mal jemand anderen fragen.“ 

    Aber darauf kann man bei Sloterdijk wohl lange warten.

    Peter Sloterdijk:
    Ausgewählte Übertreibungen
    Gespräche und Interviews 1993 bis 2012
    Herausgegeben von Bernhard Klein
    Suhrkamp 2013, 478 Seiten 

  • Unterricht

    And now for something completely different: Vor einigen Tagen war im „Tagesspiegel“ dieser Schnipsel zu sehen und ging durchs Web:

    Den habe ich auf meiner Facebookseite gepostet und ein wenig flapsig kommentiert. Das hat zu Antworten geführt, die wiederum mich dazu veranlasst haben, meine Ansicht zu verdeutlichen. Diesen meinen Kommentar stelle ich jetzt mal hier hinein: 

    Man kann darüber streiten, ob Texte wie der „Faust“ oder die Grimmschen Märchen heute noch Teil des Unterrichts sein sollten. Wenn man sich aber dafür entscheidet, dann bitte richtig, und das heißt: anhand des Originals. Wer meint, dass das die Schüler überfordert, unterschätzt sie. „Faust“ liefert ja nicht einfach „Content“, dem man Genüge tut, wenn man den Fakteninhalt halbwegs rüberbringt. Es geht bei Goethe (wie bei allen guten Autoren) um den Zusammenklang von Inhalt, Erzählstruktur, Wortwahl, Formulierung, Schreibweise und Orthografie. Wenn man einen dieser Faktoren verändert, liest man nicht mehr Goethe, sondern einen Verlagsredakteur.  

    Ich habe neulich hier in diesem Blog einen Text darüber geschrieben, weshalb ich es lohnend finde, auch heute noch Thomas Mann so zu lesen, wie er es geschrieben hat. Seine Werke sind sprachlich-musikalische Kompositionen, die bis ins letzte Komma ausgefeilt sind. Wer nicht bereit ist, sich damit auseinanderzusetzen oder diese Sprache auf sich wirken zu lassen, kann ja von mir aus etwas anderes lesen. Man kann der bequemeren Lesbarkeit wegen auch auf die Idee kommen, in Thomas Bernhards Texte Absätze zu hauen, aber das Leseerlebnis wäre dann ein anderes, und man soll dann nicht glauben, ihn zu kennen.

    Dass man komplexe Musikwerke auch anhand eines Klavierauszuges analysieren kann, ist in Ordnung und kann zum besseren Verständnis beitragen. Es ersetzt aber nicht die Kenntnis des vollinstrumentierten Werkes.

    Wie weit das alles in der Realität an den Schulen noch zu leisten ist, ist eine andere Frage. Wenn die halbe Klasse kein Deutsch spricht, man es mit Eltern zu tun bekommt, die ihre Brut entweder für hochsensibel oder für hochbegabt halten, wenn Schüler beim Übergang zum Gymnasium die Grundrechenarten nicht beherrschen, nicht wissen, wie man einen Stift hält, oder nicht in der Lage sind, die zweite Seite eines Textes mit der ersten in Verbindung zu bringen, dann könnten meine Überlegungen ziemlicher Luxus sein. Dieses Problem löst man dann aber nicht dadurch, dass man die Anforderungen immer weiter senkt, nur um möglichst viele Abiturienten zu erhalten.

  • Kollaps

    (English version here)

    Offenkundig hat man im Hause Bloomsbury entschieden, die bekannte 33 1/3-Serie um regionale Ausgaben zu erweitern; unter dem Oberbegriff „33 1/3 Global“ sind bis jetzt Bücher über Werke aus Brasilien, Japan, Ozeanien, Europa und Süd-Asien erschienen. Zu den ersten Veröffentlichungen des Europa-Zweiges gehört das Buch über das Album Kollaps von 1981 der Einstürzenden Neubauten.

    Kollaps war nicht das erste Klangsignal der Einstürzenden Neubauten. Vorher, um 1980/81, gab es bereits eine Reihe von Cassettenveröffentlichungen (Stahlmusik; Live in Kunstkopfstereo; Chaos-Sehnsucht/Energie) in verschiedenen Besetzungen. Die erschienen auf dem Eisengrau-Label, das so benannt war nach einem Kreuzberger Klamottenladen, betrieben zunächst von den späteren Malaria!-Mitgliedern Bettina Köster und Gudrun Gut, später dann von Blixa Bargeld übernommen; auch Frieder Butzmann, die Tödliche Doris und einige andere starteten dort. Auch Beate Bartel, Alexander Hacke und N.U. Unruh liefen dort herum, man sieht schon da, wie sich die Szene zusammenfand. Es war kein großes Kunststück, schon rein räumlich konnte man sich kaum verfehlen. 

    Die West-Berliner Szene jener Zeit erinnert stark an das New York der 1970er Jahre: Auch dort fand man leere Fabriketagen und andere, oft bereits in Zerfall übergehende Gebäude, die man kapern oder für wenig Geld mieten konnte. Diese Umgebung, diese Arbeitsatmosphäre führte fast zwangsläufig zu künstlerischen Darstellungsformen, die anderswo kaum so hätten entstehen können. Die Stahlmusik wurde vermutlich im damaligen „Proberaum“ der Band im Inneren einer Autobahnbrücke aufgenommen. Man erinnert sich an einen TV-Bericht, der das zeigte — der Hohlraum war ungefähr anderthalb Meter hoch und fünfzig Meter lang, die Stahlträger wurden zur Percussion; entsprechend war die Akustik — der Titel war Programm. (Kann aber auch sein, dass das schon damals nur Futter für die Medien war, who knows.) Die Auflagen der resultierenden Tapes dürften jeweils um die 20 Stück gewesen sein. Es gab damals auch andere Bands, die diesen Weg gegangen sind; ich kannte ihn vor allem von Ost-Berliner / Prenzlberger Untergrundbands wie etwa dem Freien Orchester, deren Westkontakt ich eine Zeitlang war.

    1981 erschien dann Kollaps, das erste „offizielle“ Album der Neubauten, veröffentlicht auf Alfred Hilsbergs frisch gegründetem Zickzack-Label. Auch dieser Platte haftete das Gerücht an, sie sei in jener Autobahnbrücke entstanden, aber das ist nicht richtig. Die LP wurde weitgehend im Hamburger Hafenklang-Studio aufgenommen. Der Tonmann ließ die Band machen, und da sie tagelang auf Speed aufnahmen, resultierte das Ganze in Einspielungen, die, sagen wir mal, unter normalen Studiobedingungen nicht entstanden wären. Die ungeheure Radikalität dieser Platte beeindruckt noch heute. Gleichwohl ist sie ein Kind ihrer Zeit; dass sie Staub angesetzt hat, ist unüberhörbar. 

    Die Produktion und Rahmenbedingungen ihrer Entstehung kann man jetzt in einem Buch aus der Reihe „33 1/3 Europe“ nachlesen. Titel für Titel arbeiten sich die Autoren durch das Werk, wobei sie nicht nur Fakten darlegen, sondern das Album auch in den Kontext der damaligen Jahre stellen und darüber nachdenken, was es uns heute noch zu sagen hat. Und das ist nicht wenig. Vor allem wird klar, dass die Rolle West-Berlins, Kreuzbergs, kaum hoch genug eingeschätzt werden kann. In München oder Frankfurt wäre eine Gruppe wie die Einstürzenden Neubauten nicht entstanden, auch nicht in Düsseldorf. — Typisch wiederum für Hamburg, dass der Großregisseur Peter Zadek die Band für seine „Andi“-Inszenierung ins Deutsche Schauspielhaus holte, was letztlich dazu führte, dass die Neubauten mit ihrer Musik nicht nur erstmals ein paar Mäuse verdienten, sondern die Leiter zum Kunstprojekt erklimmen konnten. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

    Kleine Kritik am Rande: Anscheinend ist man beim Verlag dem Irrtum aufgesessen, eine serifenlose Schrifttype wirke moderner als eine klassische Buchschrift. Tatsächlich macht sie das Lesen zur Tortur und nervt sehr schnell ganz ungeheuerlich. 

    Melle Jan Kromhout & Jan Nieuwenhuis:
    Kollaps
    Reihe 33 1/3 Europe, Bloomsbury Academic 2024
    120 Seiten
    ISBN 978-1-5013-8750-0 

  • The New Yorker At 100

    Der „New Yorker“ ist 100 Jahre alt. Es ist schon verblüffend, wie stark sich dieses Magazin über die Jahre treu geblieben ist: Sei es das stets gezeichnete oder gemalte Coverbild, seien es die legendären seitenlangen Bleiwüsten, in denen man sich dann aber doch festliest, seien es die manchmal tatsächlich lustigen Karikaturen oder die seitenbegleitenden Vignetten, oder sei es auch die speziell für den „New Yorker“ entworfene Typografie und der hauseigene Styleguide, der einige Eigenarten des Blattes in Sachen Orthografie und Zeichensetzung vorgibt.

    Jedes Jahr, wenn die Rechnung kommt, denken wir daran, das Ding endlich abzubestellen, aber wir haben uns doch nie dazu entschließen können. Auf Netflix gibt es eine 97-minütige Dokumentation (Trailer), die gerade mal wieder klarmacht, warum man den „New Yorker“ letzten Endes doch weiterlesen möchte. Ein Trip durch die Jahrzehnte und die Redaktionsräume. (Die Doku müsste auch im deutschen Netflix zu sehen sein.)

  • The Art of Darkness

    (In deutsch: hier)

    „Thick enough to stun an ox,“ Laurie Anderson once said about a book. This one, at 738 pages, certainly fits that description. Nearly a hundred of those pages are dedicated solely to sources, author’s notes, and the index of names and titles. It took me about four weeks to read the book, but despite some slow patches, it was ultimately worthwhile.

    However, it’s important to know what the book is actually about. The Art of Darkness – The History of Goth only indirectly discusses Gothic culture as a scene. That would indeed be a very broad field with many branches. There is no single „scene,“ and the scenes in England, the USA, and Germany have certainly not developed identically. John Robb therefore focuses on a specific area: the music. He describes its development largely organized by the cities of the featured bands and musicians.

    He does this with great care and considerable research. The number and detail of the interviews Robb conducted himself with bands and musicians is remarkable (and at times, quite lengthy). I was particularly surprised whom he includes in the precursors of Goth rock: The spectrum ranges from David Bowie, T. Rex, Led Zeppelin, The Doors, Grace Jones, Lou Reed, Brian Eno, Roxy Music, Kate Bush, and Kraftwerk, all the way to the Glitter Band, Suzi Quatro, and The Sweet – the influences from which Gothic rock emerged. And while this might initially seem surprising, Robb’s presentation usually makes sense.

    The main focus, however, is on the encyclopedic-essayistic accounts of the bands and artists that one would typically categorize as Gothic: From Bauhaus, The Cure, The Damned, Siouxsie & The Banshees, Killing Joke, the Sisters of Mercy, Throbbing Gristle, Philipp Boa, Depeche Mode, Blixa Bargeld and Einstürzende Neubauten, to (repeatedly) Nick Cave & The Birthday Party, all the usual suspects are present. This is highly interesting in parts, especially the early stages; however, the lengthy reproduction of the interviews is sometimes a little tedious and not always productive.

    It’s fascinating to trace how the various bands, artists, styles, and local characteristics gradually come together and merge into a recognizable whole without losing their individual identities. Different genres also converge: New Romance, Industrial, Electronic, Punk, but also simply Pop. Significant differences between Europe and the USA are also evident.

    Some names one would expect to find are dealt with surprisingly briefly, such as Lydia Lunch, Ultravox!, Nico, or Diamanda Galás, or they are completely absent, such as Wolfsheim, De/Vision, Lacrimosa, London After Midnight, or Anne Clark, to name just a few. But I know it’s impossible to list them all; doing so would exceed the scope of even these 738 pages, and I don’t know of any more extensively researched book on the subject anyway.

    John Robb:
    The Art of Darkness — The History of Goth
    Manchester University Press 2023
    ISBN 978-1-5361-7676-9
    This book is now also available in a German translation, but I don’t know it.

  • Jan R.s Top-Alben 2025

    (For English remarks, please go here.)

    Wieder einmal ist es Nikolaus, und deswegen folgen hier meine Top-Alben des Jahres 2025. Die Top-Liste bitte nicht zu wörtlich nehmen; die Rangfolge könnte schon morgen anders aussehen.

    Alben 2025

    Für eine Top Ten hat es dieses Jahr nicht gereicht, aber diese acht immerhin sind hörenswert.

    1. Sharon Mansur: Trigger
    2. Ryuichi Sakamoto: Opus
    3. Peter Gordon & David Cunningham: The Yellow Box
    4. Keith Jarrett: New Vienna (At the Musikverein 2016)
    5. Nick Cave & The Bad Seeds: Live God
    6. Steve Reich: Jacob’s Ladder / Traveller’s Prayer 
    7. Stereolab: Instant Holograms on Metal Film
    8. Talking Heads: Live on Tour 1978 

    Mansur: Elektrisierend und virtuos, eine überraschende Entdeckung. +++ Sakamoto: Sein Abschiedsauftritt, die Zeit steht still +++ Gordon/Cunningham: Die alten New Yorker No-Wave-Kempen. Sie haben nichts verlernt. +++ Jarrett: Movement 1 kann man überspringen, alle anderen Tracks sind faszinierend, inklusive „Somewhere Over the Rainbow“ +++ Cave: Ich ärgere mich bis heute, sein Konzert hier verpasst zu haben. Dies ist kein schlechter Ersatz. +++ Reich: Der Puls erwischt mich immer. +++ Stereolab setzen da an, wo sie zuletzt aufgehört haben. Macht Spaß. +++ Talking Heads: Live noch in purer Viererbesetzung, es funktioniert und klingt kein bisschen angestaubt.

    Auch gut

    Alphabetisch einige Alben, die auch auf meiner Liste standen, die es aber nicht ganz in die Tops geschafft haben.

    • Anouar Brahem: After the Last Sky
    • David Byrne: Who Is The Sky?
    • Lana Del Rey: Henry Come On (Single)
    • Brian Eno & Beatie Wolfe: Lateral / Liminal / Luminal
    • Klaus Schulze: Bon Voyage (Live, Audimax Hamburg 1981; CD + DVD)
    • Peter Thomas Sound Orchester: The Tape Masters, Vol. 2: Soul Power West Germany 
    • Steve Tibbetts: Close
    • Tortoise: Touch

    Brahem: Ein stilles, schönes Werk, für mein Gefühl aber nicht ganz so aus einem Guss wie Blue Maqams. +++ Byrne: Zurück auf der Szene, gesund und munter, aber dazwischen einige Löcher. +++ Del Rey: Ein neues Album ist für Januar 2026 angekündigt; dieses Jahr gab es nur diese Single. Musikalisch nicht übermäßig herausragend, der Text allerdings läuft einem kalt den Rücken hinunter, wenn man mal verstanden hat, was da erzählt wird. +++ Eno/Wolfe: Drei Alben, gewohnte Qualität, aber nichts grundlegend Neues. +++ Schulze: Seine erste Tour mit dem neuen GDS-Computer. Mir vor allem deshalb aufgefallen, weil ich damals selbst in dem Konzert war. Als Gast dabei der Gitarrist Manuel Göttsching, der allerdings nicht einfach herauszuhören ist, da er einen Gitarrensynthesizer spielt. Als Zugabe gibt es das Konzert als DVD; ein Video, das eigentlich nicht zur Veröffentlichung vorgesehen war und recht statisch ist. +++ Thomas: Im Gegensatz zu den Tape Masters Vol. 1, bei der es sich um unveröffentlichte Archivmusik handelte, sind diese Aufnahmen zum Teil schon anderswo erschienen. Nicht alle Tracks sind wirklich interessant, aber mehrheitlich schon. Eine Sammlung von souligen Filmmusiken, unter anderem ist Donna Summer dabei. Von Titeln wie „Haschkeller“ oder „Lesbische Nummer“ darf man sich nicht stören lassen; Peter Thomas hat so gut wie jeden Auftrag angenommen und nur ganz selten mal wirklichen Schamott geliefert. +++ Tibbetts: Ein Gitarrenwerk, das mir bei aller Qualität doch ein wenig richtungslos erscheint. Hörenswert aber allemal. +++ Tortoise: Eine runde Angelegenheit, wäre aber noch besser, wenn die Gruppe nicht dauernd am Fuzzpedal ausgerastet wäre. Das verdirbt ein wenig den Spaß am Hören.

    Reissues

    Dieses Jahr sind mir nur wenige Wiederveröffentlichungen aufgefallen.

    • Rainer Brüninghaus: Freigeweht (1981)
    • Haruomi Hosono: Tropical Dandy (1974)
    • Steely Dan: The Royal Scam (1976)
    • Tangerine Dream: Phaedra – 50 Years Edition (1974) 

    Brüninghaus: Schlicht ein Meisterwerk, wiederveröffentlicht in der ECM-Reihe Luminessence. +++ Hosono: Ein Werk zum Schmunzeln. Etliche Klassiker der Unterhaltungsmusik werden von dem späteren YMO-Bassisten durch eine fast parodistische Mangel gedreht. +++ Steely Dan: Zu diesem Album muss man nichts mehr sagen, es verblüfft lediglich, dass es gelungen ist, die Tonqualität nochmal wieder ein bisschen zu verbessern. Und das will bei Steely Dan etwas heißen. +++ Tangerine Dream: Ihr erstes Album, das nicht mehr in der Regie von Rolf-Ulrich Kaiser produziert wurde. Ein bahnbrechendes Werk, auf dem die Jungs entdeckten, was man mit einem Sequencer anfangen kann. Und damit war ihr Sound geboren, mit dem sie berühmt wurden. Es gab damals einfach nichts Vergleichbares. Hier gibt es noch etliches Bonusmaterial, das allerdings (mit Ausnahme des Dolby-Atmos-Mixes) bereits in dem Boxset In Search of Hades von 2019 enthalten ist. 

    Wiederentdeckt

    • Willy DeVille: Live in the Lowlands (DVD, 2006)
    • Keith Jarrett: Hymns Spheres (1976)
    • György Ligeti: Ligeti Edition Vol. 6: Keyboard Works (1997)
    • David Van Tieghem: Strange Cargo (1989)
    • Eberhard Weber: Chorus (1985)   

    DeVille: Der Willy ist einfach unkaputtbar. Mit einer wie immer erstklassigen Band, mitgeschnitten im Amsterdamer Paradiso. Gibt es als CD und als DVD, ich empfehle letztere. +++ Keith Jarrett hier einmal an der Orgel. +++ Ligeti: Macht wieder einmal klar, weshalb dieser Mann einer der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts war. +++ Van Tieghem: Ein Drummer, bei dessen Nennung ich immer hellhörig werde. Gehörte zum Love of Life Orchestra, in dem auch der obengenannte Saxophonist Peter Gordon spielte. Es gibt nur wenige Solowerke von David, seine Hauptarbeit besteht in Theater- und Bühnenmusiken, auch für die Werbung ist er aktiv, und auch durch Laurie Andersons United States und Home of the Brave kennt man ihn. Strange Cargo, behaupte ich mal, ist sein bestes Soloalbum, erschienen auf dem New Yorker „Private Music“-Label von Tangerine Dreams Peter Baumann. +++ Weber: Musik für Spätnachts, musikalisch eher einfach, dabei ungewöhnlich formstreng, Jan Garbarek spielt dazu ein Saxophon, das mich zeitweise fast an den Gesang eines Muezzins erinnert.

    Und das ist alles für 2025!