„Lux“
Ich habe den „heiligen Gral“ von Roedelius verkauft, sein Tonbandarchiv. Nach dem Gespräch mit dem Käufer (auch hier führt wieder mal ein Weg nach Ostfriesland) blicke ich nach draussen – alles schneeweiss. Es dunkelt, zwei Kerzen, und ich lege mal wieder „Lux“ von Brian Eno auf. Vier Plattenseiten fesselnde „Ambient Music“ aus den 2010er Jahren. Horizont und zugleich Heimat.
Michael, you know, the music doesn’t progress, per se; instead, Brian’s meditative blend of wafting keys and sporadic bass stabs are mentally rejuvenating. There’s an overwhelming sense of calm here, and the album remains intriguing, though it never strays far from its sonic centre. Through it all, Lux harbours a big sound through a minimal existence.

In dem Restaurant nahe des Jardin du Luxembourg (25, rue Servandoni) fand ich mich am frühen Mittag ein, an einem heissen Sommertag des Jahres 2013, um noch einen der begehrten Tische zu ergattern. Ich hatte dem Tip von einem Freund bekommen, weil die Besitzerin mittags gerne, kein Scherz, keine Fantasie, Enos Ambient Music auflegte, im Hintergund, wo sonst, und es lief tatsächlich Lux“. Nur einmal hat mich Enos Musik an einem öffentichen Ort dermassen überrascht – in den Jameos Del Agua auf Lanzarote gehörte „Music For Airports“ zum Inventar des guten Tons im Café oberhalb der Höhle.
Und hier nun „Lux“. Das Interieur der Gastatätte liess ans Paris der 50er Jahre denken, und die gleichermassen herbe, in die Jahre gekommene, unnachgiebige Schönheit der Chefin ein altes Paris wachwerdrn, das Robert Wyatt einst besungen hat. Leicht konnte ich mir vorstellen, wie sie einst Julio Cortazar eine krosse Entenbrust servierte, und Erik Satie auflegte. Zu Beginn ein Gazpacho, das alles in den Schatten stellte, was ich mir bisher unter einer erfrischenden Gemüsesuppe (mit ungekochtem Gemüse) vorstellte. Und dann der Hauptgang: zuvor hatte ich mit meinem Schulfranzösisch identifiziert, dass es sich um Kalbsfleisch handelt, mit Pfifferlingen, in Madeira geschmort oder flambiert. Und, als ich es mir munden liess, wusste ich sofort: nur ein unangefochtener Meisterkoch bringt eine solch abgerundete Komposition zustande, das Fleisch „au point“, auf den Punkt gebraten – die Pointe aber war, schlicht und ergreifend: ich mag keine Kalbsniere. Dessen ungeachtet, kann ich „La Cuisine du Philippe“ wärmstens empfehlen. Falls alle noch leben, und es den Laden im Winter 2026 noch immer gibt. Allein daran habe ich meine Zweifel.