“Dieses Sommergefühl“

Es passiert das Schlimmste, wenn man nicht damit rechnet. Und manchmal auch ein Glück. Zwischen diesen Polen entfalten sich die gesammelten Flüchtigkeiten, die leisen Töne dieses Reigens aus Melancholie, Unruhe und Trost. Der dritte Film von Mikhaël Hers, den ich in kurzer Zeit erlebe, sein Stil ist nicht zuletzt von der magischen Alltäglichkeit eines Eric Rohmer beseelt , und so überzeugend wie „Mein Leben mit Amanda“ und „Passagiere der Nacht“. Es passt alles in diesem schönen Film über Verlust, „in dem die Lebenden unter der Sonne wie getriebene Schatten unter der Sonne umherirren, wo das Glück Unschlüssigkeit und die Schönheit menschenleerer Großstädte Trost bedeutet“. Schön gesagt. Und immer wieder diese doppelten Böden und Untertöne der Songs und „instrumentals“. Selbst „Teenage Kicks“ von den Undertones findet seinen idealen Platz in all diesen Schwebungen des Seins zwischen New York, Berlin und Paris. Und, ganz gross, das allerletzte Lied der Sorte „mir komplett unbekannt und auf Anhieb völlig vertraut“. (Auf DVD ist der Film erhältlich, wie die beiden anderen auch.)
2 Kommentare
Martina Weber
Wunderbar atmosphärische und doch auch etwas analytische Beschreibung. Ich las, das Licht würde auch eine besondere Rolle spielen. Das klingt für mich nach einem Film, den man auswählt, wenn man sich danach nicht einige Tage oder Wochen damit beschäftigen will, weil er einen umhaut, sondern den man einfach schaut und auf sich wirken lässt.
flowworker
So ist das in diesem Film: als Zuschauer nehme ich am Leben anderer Teil, das in manchen Momenten auch meins sein könnte – oder einmal gewesen war. Aber auch Filme, die mich umhauen, beschäftigen mich nicht bewusst tage- oder wochenlang. Das übernimm mein Unbewusstes. Passiert hier auch. Manchmal fallen mir einzelne Szenen ein, Songs, Momente… sanftes Nachwirken.
Die Filme, die mich umhauten, in letzter und vorletzter Zeit:
Das rote Eichhörnchen (all i need from movies!)
Sirāt (der Film würde von mir zehn Oscars kriegen.)
Passagiere der Nacht (sanft ungehauen)
Absolute Giganten (vor einem Monat mal wieder gesehen, und der Film bringt meinen eigenen Abschied vom Kindheit und Jugend so rüber wie kaum ein anderer. Mehr noch als der US Film mit dem jungen Richard Dreyfuss oder Stand By Me.)
Vor wenigen Tagen habe ich Schluss gemacht mit der einzigen Frau hier in Aachen, die eine Anwärterin war auf den Titel: beste neue Freundin. Aber dann merkte ich die Förmlichkeit in der Herzlichkeit, und sagte freundlich byebye. Sokche Ilusionen von Nähe brauche ich nicht.