Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent
Ein wenig traditionell, und viel Kostüm, das in etwa dachte ich, als dieser Truffautfilm, ich war so ungefähr 18, im Fernsehen meines alten Kinderzimmers zu sehen war. Ich war hochaufmerksam, sah ihn bald darauf nochmal, und versuchte einmal mehr, der Magie von Truffaut in diesem etwas altmodisch wirkenden Streifen auf die Spur zu kommen. Wo war hier wenigstens ein Hauch der „nouvelle vague“? Irgendwann fiel der Satz „Lass uns leben, das Etikett kleben wir später drauf!“, und ich hatte eine Parole gefunden, die ich dann und wann bei „Hals-über-Kopf“-Anwandlungen zur Anwendung brachte. Tausend Jahre später stand ich vor dem Grab der alten Meisters in Paris, dessen Gespräche mit Hitchcock ich einst während eines Norseeurlaubs auf Wangerooge verschlungen hatte (ein Heyne-Taschenbuch, das ich selbst beim abendlichen Gang zu den Wellen bei mir trug), und eine Italienerin mit gutem Schulfranzösisch hatte einen kurzen Liebesbrief für Francois hinterlassen. In dem Augenblick fühlte ich ein unsichtbares Band zwischen mir und der Fremden, die höchstens zehn Minuten vor mir an diesem Ort war, weil die vielen kleinen Windböen das Blatt Papier, nur durch einen leichten Kieselstein beschwert, noch nicht fortgeweht hatten. (m.e.)