Als ich dann Tom Verlaine hörte, war Ende Gelände
Vielleicht hat das alles damit zu tun, dass
ich heute Müll aus fünf Jahren auf meine Deponie brachte,
und dabei das ganze Album Too-Rye-Aye hörte,
ohne es zu wollen besteige ich dabei ein Luftschiff,
dass mich ins Jahr 1982 transportiert
unweit der tschechischen Grenze, Gllückstaumel
und Desaster insclusive Aber allles, alles mit dem Verve
der Stimme von Kevin Rowland. Also legte ich los,
im Grunde zu müde, mit dem Film „Passagiere der Nacht“,
und war von der ersten Minute an in Paris, oder voll
durch den Wind, in jeder Szene, in einem alten
Jahrzehnt, und nicht weil es um Nachttadio geht, oder Charlotte
Gainsbourg den Blues hat. Als ihr Sohn Mathias klopfte
und Talulah (eine Fast-Verlorene, die ganz zu Anfang
aus dem Nichts auftauchte) die Tür öffnete, und ich dachte,
scheisse, das kenne ich doch und Talulah sagte: das ist Television,
schossen mir die Tränen aus den Augen. Ich war so müde und so
anwesend in diesem kleinen Wohnzimmer, dass ich
das Gefühl hatte, ich sehe mir selber zu, meinen gesammelten
Träumen, meinem beiläufigen Scheitern, meinem unheimlichen Glück,
meiner Blindheit und, dass Magie seltener ist als Schnittwunden,
Narben, plötzliches Verschwinden, gruselige Gutenacht-Geschichten –
oft genug nur eine Handweit, einen unglaublicher Satz, zwei Blicke entfernt.
7 Kommentare
Olaf Westfeld
Starker Text, intensiv.
I remember how the darkness doubled
I recall lightning struck itself
I was listening listening to the rain
I was hearing hearing something else.
Michael
Ich habe immer wieder intensive Zeiten mit dem ersten Television Album verbracht. Seit der Woche des Erscheinens. Ich weiss heute noch, wie ich mich fragte, was begeistern sich die englischen Gazetten so, und beim zweiten Hörrn machte es zackbum.
Marquee Moon bedeutet mir so viel wie mein Lieblingsalbum von Bob Dylan, Desire, das fast niemandes favourite von Dylan ist. Komisch, woll, ich habe nie einen tieferen Zugang zu Blood on the Tracks bekommen.
Ich kann ein ganzes Lied von Marquee Moon mitsingen, Wort für Wort. Das galt zuvor nur für Tell Me Why von Neil Young, Jahre zuvor.
I remember how the darkness doubled.
Und der Regen, den er hörte, das war etwas anderes.
Heute musste ich erstmal ein anderes Lied hören, Quiet Heart, von den Go-Btweens. Auf 16, Lovers Lane. Eines der schönsten Lieder von Grant. Live hat es etwas wilder gesungen. Die Spex hat damals das Album verrissen, ich hab es von Anfang an geliebt.
Das Lied von den Go-Betweens hilft, die Dunkelheit zu halbieren. Obwohl, so leicht tst es auch nicht … 😉
Olaf Westfeld
Es muss 15 Jahre her sein – oder länger. Und vielleicht habe ich schon mal darüber geschrieben.
Jedenfalls wache ich mitten in der Nacht auf. Meine Frau werkelt in der Küche und hört Radio. Die Akkorde, die ich ausmachen kann, sind hypnotisch. Komische Dinge passieren mit meinem Bewusstsein, bevor ich wieder einschlafe. Am nächsten Morgen schreibe ich eine Email an den Deutschlandfunk, dass ich gerne wüsste, was da gespielt wurde. Ich bekam einen Link zur Antwort, konnte ausmachen, dass es sich um Marquee Moon handelte und kaufte mir sogleich die CD. Großartiges Album, hat mich seitdem auch nicht verlassen. (Und ich frage mich, ob ich da eventuell Klanghorizonte gehört haben lkönnte).
Michael
Das ist ja eine rührende Story. Ich tippe mal, das es zu 90 Prozent von meinen Klanghorizonten kam.
Ich verabschiede mich an dieser Stelle vom altem Jahr und bin nun 16 Tage in einem, wie es so schön heisst, „retreat“ (ein freigeistiges, kein religiöses) und am Meer). In der Zeit no mails, no phones please. Danach gerne wieder regularly…
Ich mache noch unterwegs die Kolumne mit den monatlichen Empfehlungen fertig, und melde mich erst wieder mit Texten und comments am 16. Januar.
Der Vorhang fällt, ein paar Fragen bleiben offen,
Hinterher sagen wir, mal heiter, mal betroffen,
„Ist lange her – das grosse weite Meer!“
(Das war jetzt weniger tiefgründig, mehr Stegreiflyrik 😉🎸)
🎡
Mein einziges posting werden die monthly revelations sein, hoffentlich vor dem 1. Januar.
Kommt gut ins neue Jahr!!
Olaf Westfeld
Safe journey!
Martina Weber
Eine ergreifendere Musik- und Filmerfahrung wie in deinem Text ist kaum denkbar. Have a good time and take care!
flowworker
Ich habe dem Film in einer völlig anderen Zeit vermutet. Er spielte januqch in einem alten Paris, als Mitterand noch an der Macht war. Bundesweiter Kinostart: Januar 2023. well, well, ein etwas anderer Fall von „Zeitlosigkeit“😉 …
Klar, dass eine Talilah mitspielt, und die Go Betweens dann auch auftauchen, wie eines der schönsten Lieder von John Cale, Dying on the Vine.
Was für ein wunderbarer leiser Film!