• Vor und nach Beth (erster Teil – Vor Beth)


    Der Taxifahrer stimmte mich schon mal auf das ganze Leben ein. „Ce qui has a good humour, toujours finds solutions“, radebrechte er zwischen Englisch und Französisch, auf dem Weg zum Motel One. Und unterwegs tischte er mir Erlebnisse mit berühmten Geistern auf, in einem solchen Affentempo, dass mir sicher manche Pointe entging, denn öfter besorgte er das Lachen allein. Aber immerhin, unvergessen, der Auftritt von James Brown, der kostenlos spielte, nachdem er erstmal von der Polizei wegen Drogenbesitz gekascht wurde. Und er war begeistert von Joe Jackson und den Harlem Globetrotters. Mit Handschlag verabschiedeten wir uns, und ich kundschaftete schon mal den Königlichen Zirkus aus. Hintereingang, Soundcheck. Presseausweis. Ein paar überzeugende Sätze, und ich war drin. (Was dann kam, der Stoff, aus dem Weihnachtsgeschichten sind.) Als ich abends meinen Platz einnahm in dem Rondell, bühnennah, war noch viel Zeit, bis die Ereignisse mit einem „acoustic showase“ von Bill Ryder-Jones loslegen sollten. Und was hörte ich da im weiten Rund erschallen, nahezu die komplette wundervolle erste Seite von Fripp & Enos „Evening Star“, „Wind On Water“ usw. Obwohl ich diese Seite 1 des alten Vinyls in- und auswendig kenne (und immer noch unheimlich gerne höre), dauerte es eine halbe Minute, bis ich diese Musik an diesem völlg fremden Ort „unterbrachte“. Ich ging zu den zwei Herren am Mischpult, die aber das Gerät eher bewachten als betreuten, und etwas stoffelig waren, als ich nach der Playlist fragte und ob ich mir mal den Computer näher anschauen könne. Denn ganz deutlich war auf dem Screen zu lesen „Mellow Beth“, und also hatte die Südengländerin ein sorgsames „Tape“ eingerichtet, um uns Besucher akustisch einzufangen, mit durchweg feiner Musik, etwas Tönzerisch-Luftig-Leichtem von Steve Reich (glaube ich), ein Instrumentalstück der herrlichen zweiten Seite von David Bowies „Heroes“, ein Stück, das ein so betörendes Spoken-Word-Ding war, dass es sofort in meinen nächsten Klanghorizonten landen würde, wenn ich es bloss erkannt hätte. Ich sprach dann mit den beiden Mädels, neben mir, die erklärte Bill Ryder-Jones Fans waren, und pünktlich um acht verdunkelte sich der riesiggrosse Raum.