Tagesausflug nach Hamburg
Tagesausflug nach Hamburg, anlässlich eines Solokonzerts von Brad Mehldau in der Elbphilharmonie, im Rahmen des mehrtägigen „Reflektor“-Programms, vier oder fünf Tage lang Mehldau-Konzerte und andere Veranstaltungen. Die Karte hatte ich schon vor fast einem Jahr gekauft, speziell weil auf dem Programm eigentlich „Improvisationen“ stand; und da ich Mehldau noch nie solo auf der Bühne erlebt habe, seine vielen improvisierten Solo-CDs, besonders auch die Konzertalben, aber stets ganz hervorragend sind, musste ich diese Gelegenheit einfach wahrnehmen.



Solche Tagestrips nach Hamburg sind immer ganz schön; mit dem Flix-Bus oder -Zug kostet das fast nichts, und die günstigen Elbphilharmonie-Karten sind auch auch im großen Saal eigentlich immer gut; da gibt’s nichts zu bemängeln; Sicht und Klang sind auch vorne im A-Block für die Superreichen nicht wesentlich besser. Die Berliner Philharmonie, neben der ich wohne, sollte sich von der Hamburger Preispolitik mal eine Scheibe abschneiden.
Vor zwei Tagen dann eine Infomail:
„Bitte beachten Sie: Brad Mehldau hat das Programm seines Solo-Konzerts angepasst. Er spielt nun insgesamt vier Eigenkompositionen (ursprünglich waren für nach der Pause »Improvisationen« angekündigt).“
PROGRAMM
Brad Mehldau
Fantasy for Piano
Fourteen Reveries– Pause –
Brad Mehldau
L.A. Pastorale
April 2020Mehldaus etwas zu nette, gleichwohl ein wenig angestrengte „Neo-Klassik“-Kompositionen zählen leider größtenteils nicht zu den Höhepunkten im seinem Schaffen, und so war das Programm dann erwartungsgemäß nicht ganz so toll, wie ich mir das beim Kartenkauf erhofft hatte. Aber was soll man machen? Immerhin ist es Brad Mehldau. Ich dachte kurz dran, dass ich andere Klavier-Impro-Meister wie Jarrett nie live erleben durfte; da will man dann auch nicht meckern. Mehldaus Meisterschaft liegt vor allem im freien Neu- und Uminterpretieren von bekanntem Material aus allen möglichen Stilen und Genres, wie viele seiner Alben und zuletzt das Triokonzert, das ich vor wenigen Jahren im Konzerthaus Berlin besuchte, wieder belegt hatte. Und so waren dann auch die Zugaben – nach dem knapp zweistündigen Hauptprogramm – der Höhepunkt des Abends. Ich war sicher nicht allein mit der Ansicht, dass ein ganzes Programm dieser Art zweifelsfrei toll gewesen wäre – auch wenn sich zwischen den vielen recht leisen und zurückhaltenden Stücken auch zwei, drei flottere versteckten.
Nur: Dieses entsetzliche Gehuste immer! Da spielt der Mann schon so leise, und dann wird das den ganzen Abend über von allen Seiten rücksichtslos zugehustet. Entsetzlich.
Die Zugaben, von der Elbphilharmonie-Webseite zitiert, Classic Mehldau:
Bob Telson Calling You
Brian Wilson God only knows
Nick Drake Things behind the Sun
Oscar Levant Blame it on my Youth
Der Hamburg-Tagesausflug bot ansonsten eine sehenswerte, umfangreiche Ausstellung im Gegenwarts-Haus („Hier ist die Gegenwart“), inkl. 1996 fest eingerichteter Werke etwa von Richard Serra; dort stieß ich unerwarteter Weise auf Caspar David Friedrichs Wandersmann über den Wolken. Überhaupt ist das Kunstmuseum ein Kessel Buntes. Ein Raum Weimarer-Republik-Malerei war auch ganz spannend, gerade im Jahr 2026, mit Blick auf die Vorstellungen der Regierung unter Trump und der AfD-Klientel.

Und dann in den Deichtorhallen die angeblich erste – europaweit erste? – Einzelausstellung mit Fotografien von Philip Montgomery, „American Cycles“. Hervorragend, die so in diesem Umfang und dieser Größe und erstaunlichen Qualität der Abzüge, nebst umfangreichem Textmaterial zu sehen. Ein Glücksfall. Und so up to date wie selten im Museumskontext, chapeau! Kann ich nur nachdrücklich empfehlen. Wer’s bis Mitte Mai nicht in die Ausstellung schafft, möge sich immerhin den Fotoband „American Mirror“ besorgen; auch da gibt’s wertvolle Textbeiträge.



»I’m very interested in getting at the truth and or a semblance of the truth. And I think right now, more than ever, the truth that exists within my photographs is really important given our current moment.« – Philip Montgomery
Dokumentarfilm
Das Jahr ist bereits drei Wochen alt, wie ich feststelle, und die Tage sind gerade immer zu kurz. Meine alljährliche Anstellung bei der Berlinale hat bereits begonnen, auch wenn der Januar meist nur von einfachen und überschaubaren Vorbereitungen geprägt ist. Gestern wurde das Programm veröffentlicht, und ich freue mich besonders auf einen Dokumentarfilm über Siri Hustvedt, der glücklicherweise auch am ersten Tag in „meinem“ Kino (d.h. für das ich leitend verantwortlich bin während des Festivals) gezeigt wird. Nicht weiter überraschend wurde mein eigener Dokumentarfilm nicht eingeladen, aber es ist auch kaum möglich, mit Filmen über renommiertere, weltbekannte Künstler/innen zu konkurrieren, wie in diesem Jahr eben Siri Hustvedt (interessanterweise eine deutsche Produktion) und Douglas Gordon. Beide natürlich ungleich teurer als mein kleiner Film.
Allerdings habe ich gerade in den letzten zwei Wochen viel Zeit damit verbracht, ein Konzept für einen komplexen Dokumentarfilm zu schreiben, das ich seit einem Jahr im Sinn hatte und nun endlich mal niedergeschrieben habe. Und dieser Film hätte eine eine sehr bekannte Persönlichkeit im Zentrum bzw. im Fokus. Es ist (bzw. wäre) allerdings kein klassisches Künster-Porträt (oder gar „Musik-Doku“, wie mancher ja gerne despektierlich sagt), sondern ein Film über die Vereinigten Staaten und über die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft (also konkret in der amerikanischen, aber letztlich natürlich auch im weiteren Sinne) — und natürlich auch über Musik und großes Songwriting. Zweieinhalb Stunden Laufzeit habe ich veranschlagt; und schon das scheint mir fast zu kurz, für mein Konzept mit 12 Kapiteln und bis zu 100 in der aktuellen Erzähl-„Roadmap“ integrierten Songs; das gibt viel her.
The film unfolds in 12 chapters, loosely chronological in historical time but associative in cinematic logic; the film privileges thought over plot, accumulation over explanation, and cultural resonance over biography. (…) Like Alexander Horwath’s film about Henry Fonda, my film treats its subject less as an individual than as a cultural instrument—a vessel through which a nation speaks, often against itself. (…) The film asks: what kind of country speaks through these songs, and what remains unsaid?
The intention is to re-politicize listening. To hear familiar songs not as nostalgia, but as historical testimony. To place culture back into the flow of labor, policy, violence, and consequence. And to ask whether remembering—clearly, honestly—can still be a political act.
Das Konzept hatte ich eigentlich fürs erste als weitaus weniger umfangreich geplant, aber da mir über die letzten Wochen fast jeden Tag neue Überlegungen ein- und auffielen, gerade auch beim Hören durch das Werk und beim Lesen verschiedenster Primär- und Sekundärquellen und das Thema und der Stoff so viel hergeben, ist es letztlich fast ein Drehbuch geworden. Mit einem persönlichen Brief und ein paar weiteren Zusatzmaterialien (eigenen Filmen und so) habe ich das 70-seitige Dokument – 10 Seiten Projektbeschreibung mit „Director’s Note“, „Why this film, why now“, warum es noch keinen vergleichbaren Film gibt + 50 Seiten „Roadmap“-Drehbuch-Treatment-Mix + 10 Seiten Anhänge über die Songs und Themen im Film) gestern an den Protagonisten tbc verschickt.
Fürs erste wissen nur ganz wenige genaueres; ich werde berichten, sollte es weitergehen.
2025 sum-up: best albums of the year



- Valerie June: Owls, Omens and Oracles – forward-thinking Americana soul-pop album that treats optimism as an active, hard-won stance, shaped by M. Ward’s warm, textured production.
Americana with folk, pop, blues, gospel, soul inflections. - Eliana Glass: E – an austere, intimate piano-led songwriting debut inspired by Carla Bley, Annette Peacock, and Nina Simone that makes reinterpretation feel like autobiography through phrasing, silence, and minute emotional shading
- Saba Alizadeh: Temple of Hope – A tense electro-acoustic collage that fuses kamancheh, modular synths, and historical radio into music suspended between rebellion and hope.
Avant-garde electronic, ambient, modern classical, drone, Middle Eastern traditions - Vijay Iyer and Wadada Leo Smith: Defiant Life – Trumpet and keys meet in long-form conversations that feel like politically attentive essays in sound, dedicated to liberation histories and lived resilience.
Spiritual jazz, free improv, chamber jazz. - Robert Plant: Saving Grace – Plant’s late-career reinvention leans into a rootsy touring band and cover versions, prioritizing communal feel over legacy spectacle.
Folk, blues, gospel, acoustic roots reinterpretations. - The Weather Station: Humanhood – A continuous, improvisation-informed flow that braids acoustic instruments and synth textures into an unusually vivid portrait of breakdown and tentative repair.
Folk-rooted art pop with jazz-leaning ensemble movement. - James Brandon Lewis: Abstraction Is Deliverance – surprisingly ballad-leaning quartet record that keeps the tenor intensity, but lets melody, patience, and space do the persuasive work.
Modern jazz in John Coltrane tradition, spiritual jazz, post-bop. - Amina Claudine Myers: Solace of the Mind – a distilled personal statement that threads gospel, blues, and jazz lineage into a direct, expressive document led by Myers’ keyboard language and voice.
Spiritual jazz, gospel-rooted jazz, blues. - Benedicte Maurseth: Mirra – Hardanger fiddle, wildlife sound, and subtle electronics create a specific landscape listening experience centered on the Hardangervidda plateau and wild reindeer.
Contemporary Norwegian folk, Nordic ambient folk, electro-acoustic chamber jazz. - Maiya Blaney: A Room with a Door that closes – challenging and slow-burning, both intimate and nervous record where small timbral details and restraint are the main drama.
Electronic Indie folk/rock, singer-songwriter from Brooklyn. - Barker: Stochastic Drift – A kickless techno/electronic album that uses harmonic surprise and “drift” as structure, making each track feel guided by curiosity rather than grid.
Ambient techno, experimental electronic, IDM with jazzy elements. - Goldie presents Rufige Kru: Alpha Omega – a drum&bass veteran’s update of classic jungle urgency that stresses long-form momentum and modern sound design over nostalgia
- billy woods: Golliwog – dense, horror-tinged rap album that turns dread and history into sharply lit scenes over a wide, unsettled palette of production.
Underground / alternative hip-hop - Saya Gray: Saya – shape-shifting set that splices folk guitar intimacy and studio mutation into songs that keep re-forming midstream.
Art pop, indie, folk, experimental singer-songwriter hybrid. - FKA twigs: Eusexua – club-minded pop record where precision dance production and elastic vocals make sensuality feel engineered and cinematic at once.
Alternative pop with electronic and dance orientations. - Erkki-Sven Tüür: Aeris – Tüür’s Symphony No. 10, scored for horn quartet and orchestra, unfolds as a single drama of shifting energies with seamless transitions.
Orchestral modernism, ECM New Series.
Contemporary chamber jazz, electro-acoustic piano, ambient minimalism. - Maria Iskariot: Wereldwaan – punchy Dutch-language punk album that pairs blunt hooks with a restless, DIY bite.
- Kronos Quartet and Mary Kouyoumdjian: Witness – A testimony-driven chamber work where spoken voice and string writing function like documentary memory, not decoration.
Contemporary chamber music, string quartet, documentary composition. - Signum Quartett: A Dark Flaring: Works from South Africa – a sharply curated set of contemporary South African string works, played with clarity that makes timbre and tension the narrative.
- John Glacier: Like a Ribbon – Rap treated as texture and atmosphere, where fragmented images and production detail carry as much meaning as plot.
Experimental UK rap, ambient-leaning electronic hip-hop. - Anika: Abyss – guitar-heavy, confrontational turn that amplifies Anika’s speak-sing into a raw rock record that stares back rather than soothing.
- Little Simz: Lotus – confessional UK hip-hop that threads jazz, punk, afrobeat, and funk into tightly written narratives about fallout and renewal.
- Annahstasia: Tether – Neo-folk debut anchored by an unmistakable low-register voice that makes quiet acoustic songs feel physically close and emotionally decisive.
- Loraine James: Whatever the Weather II – electronic miniatures indexed by temperature readings that feel like diaries of shifting states, porous between IDM, ambient, and pop fragments.
IDM, ambient electronic, experimental pop abstraction. - Rosalía: Lux – Structured in four movements and sung across many languages, Lux reframes orchestral pop as a modern oratorio that roars through genre, romance, and religion.
- Lonnie Holley: Tonky – Spoken-poetry narratives ride lush collaborative arrangements, turning autobiography into communal protest, grief, and tenderness.
Experimental folk-soul-jazz collage, spoken word, art-rock-adjacent production. - Christian Wallumrød: Percolation – Piano pieces that pivot from bent-note, church-tinged harmonies into playful experiments with synth sounds, beats, and treated autoharp.
Post-jazz, electro-acoustic, modern chamber ambient. - Jon Balke: Skrifum – Solo piano treated as an environment, with monophonic focus and processed space turning “writing” into audible texture.
- Jonny Greenwood: One Battle After Another – nervy, motif-driven film score whose string writing and tension architecture can stand as album listening, not just accompaniment.
- Meredith Monk: Cellular Songs – late-career summit that builds organism-like vocal pieces from simple motifs, expanding “cellular” logic into rich ensemble form.
Bonus Tracks:
Elton and Brandi: Who Believes in Angels? – Classic songcraft that thrives on contrast, pairing Elton’s melodic theatricality with Brandi Carlile’s direct, narrative drive.
Sokratis Sinopoulos and Yann Keerim: Topos – Lyra and piano trace a meeting point between Greek folk memory and chamber-jazz restraint. A beautiful, moving , intimate duo.
- Valerie June: Owls, Omens and Oracles – forward-thinking Americana soul-pop album that treats optimism as an active, hard-won stance, shaped by M. Ward’s warm, textured production.
Sentimental not sentimental
Letzte Woche saß ich in Bergen spät im Hostel mit ein paar anderen (jüngeren) Übernachtungsgästen am Tisch, und eine junge Norwegerin fragte mich, ob ich den Film „Affeksjonsverdi“ gesehen hätte. Ich musste nachfragen, konnte den Titel nicht zuordnen. Ich sagte, nein, aber ich hätte zwei Tage zuvor einen anderen norwegischen Film gesehen, über einen Vater und zwei Töchter, aber der Titel fiel mir nicht mehr ein. Dann sagte sie, doch das sei der Film, den sie meine. Sei sehr gut. Den habe sie eben gesehen. Ich sagte, nein, der Film hieß anders, es ging um einen Vater mit Problemen und seine zwei Töchter, der Film spielte in Oslo… und sie sagte, ja genau, ein Vater und zwei Töchter, spielt in Oslo. Ich war verwirrt, war ich schon so neben mir oder habe ich so schlechte Ohren? Es war klar, dass ich nicht den Film mit dem unaussprechlichen Titel gesehen hatte, kam aber nicht auf den Titel des Films, den ich in Oslo gesehen hatte. Ich beschrieb den Inhalt etwas genauer, es ging um Weihnachten und um zwei Töchter, und um einen Weihnachtsmarkt. Dann sagte sie: „Stargate heißt der Film.“ Sei nach einem erfolgreichen Buch. Ja, kein Wunder, dass ich mir den Titel nicht merken kann. Wer nennt einen Weihnachtsfilm auch „Stargate“? Was ein Unfug. Da denkt doch jeder, es wäre ein Film von Roland Emmerich. Ihren Film konnte ich noch immer nicht zuordnen, sie meinte, Elle Fanning spiele mit, was meine Verwirrung noch steigerte. Elle Fanning in einem norwegischen Film? Das kann doch nicht sein… macht sie sich über mich lustig?. Erst nach weiteren Details stellte sich raus, wovon sie sprach: Ich meinte, bei uns heiße der Film, den sie gesehen hatte, „Sentimental Value“.
Heute, also mittlerweile gestern, sah ich dann „Affeksjonsverdi“ bzw. „Sentimental Value“ hier in Berlin, auf dem Papier ein typischer „Europudding“: mindestens vier Länder und mindestens acht Produktionsfirmen und fast nochmal doppelt so viele Filmförderungsanstalten waren daran beteiligt. Ich frage mich: Was soll das? Warum müssen all die Filmfördergelder für deutsche Filmemacher von allen deutschen Filmförderungsinstitutionen so großzügig in alle möglichen Länder verteilt werden (letzte Woche sah ich den herausragenden brasilianischen Film „O Agento Secreto“, der ebenfalls viel Geld von deutschen Filmförderungen bekommen hat), wenn es dann für die deutschen Filmemacher fehlt, gerade wenn die kein Geld von irgendwoher bekommen und mit viel kleineren Summen schon zufrieden wären. Langsam ärgert mich das sehr. Jeder sagt, wie schwer es ist, in Deutschland Geld von der deutschen Filmförderung zu bekommen, weil man so viele Faktoren beachten muss, etwa, dass es deutsche Themen sein müssen, deutsche Regie oder Drehbuchautorenschaft, deutsche Handlungsorte, Drehorte in Deutschland, deutsche Wahrzeichen, deutsche Themen wie deutsche Geschichte oder Politik oder Gesellschaft… usw usf. Was haben „O Agento Secreto“ und „Affeksjonsverdi“ (um nur zwei von unzähligen Beispielen zu nennen), mit all diesen Faktoren zu tun? Gar nichts. Für viele deutsche Filmschaffende ist dies zunehmend ärgerlich. Bei den Filmfestivals in Cannes, Berlin, Venedig, Locarno usw. laufen mittlerweile stets zuverlässig jeweils fünf oder sechs Filme mit deutschen Co-Produzenten und deutschen Filmfördergeldern, die aber von all den von der Filmförderung bei deutschen Filmemachern eingeforderten Bedingungen, nichts vorzuweisen haben. Toll für Claudia Roth und ihren Nachfolger, dessen Namen ich immer wieder vergesse, saublöd für die nationale Filmkultur, die über mangelnde Fördergelder klagt.
Davon abgesehen ist „Sentimental Value“ einer dieser Filme, bei dem mir die Tränen kommen — nicht, weil ich mich aus eigener Lebensgeschichte so sehr mit den Charakteren und ihren Problemen und ihren Familiendramen identifiziere, dass ich aufgrund des sentimental value darin aufgehe und mitleide. Sondern weil der Film einfach so unfassbar gut ist. Oftmals kann ich auch bei sehr guten Filmen, während ich sie sehe, verstehen, wie die Filmemacher da hingekommen sind, also zu dem Ergebnis, das am Ende so gut geworden ist. Aber hier – der Film ist so gut, dass ich nicht mal so richtig verstehe, wie man einen so guten Film machen kann. Okay, Joachim Trier und Eskil Vogt haben zusammen schon einige Filme geschrieben und realisiert, die eigentlich alle mindestens sehr gut waren, teils auch grandios. Aber dieser, „Sentimental Value“, da bleibt mir die Spucke weg. Das ist phänomenal, wie gut das Ganze ist. „Kann man nichts sagen“, würde der Deutsche hier anerkennend sagen. Doch, eine Sache ist mir aufgefallen: Warum setzt Roxy Musics Same Old Scene (immer wieder ein wahnsinnig guter Song) einmal so laut ein, als Stellan „Gustav Borg“ Skargard mit dem Auto fährt? Weder ist es so gemischt, als würde „Gustav Borg“ das beim Autofahren hören (die Situation legt es aber irgendwie nahe), noch ist es schlüssig wieder ausgeblendet, sondern einfach ziemlich ruppig wieder rausgezogen, als Borg an seinem Ziel ankommt und dort das Haus betritt. Also bitte, in so einem makellosen Film hätte man das doch wohl auch noch besser lösen können. Vielleicht aber war das die eine Sache, die ich nicht verstanden hatte?
It’s not a bug, it’s a feature
Manchmal denke ich: wie schade, dass ich nie irgendwo auch mal Filmeinführungen machen darf, wie das viele Kollegen in Kinos bei Vor-, Neu- oder Wiederaufführungen machen (und dann sogar noch dafür bezahlt werden). Ein Film, der mir vorab gar nicht danach aussah, nach dem ersten Schauen dafür umso mehr für eine persönliche Einführung meinerseits, wäre dieses neue, wohl erste „Biopic“ über eine bestimmte Phase und einen Wendepunkt in der Laufbahn von Bruce Springsteen.

Der Titel kommt (im Film selbst) in einem sehr springsteen-typischen Schriftzug in großen, amerikanisch designten Lettern daher: SPRINGSTEEN – ergänzt um den Untertitel „Deliver me from Nowhere“, was ebenso gut der Name eines seiner Alben hätte sein könnte. Die Besprechungen zum Film sind zumeist recht verhalten, und so hatte ich nicht viel erwartet. Allerdings musste ich dann feststellen, dass der Film aus anderen Gründen verhalten aufgenommen wird, als ich dachte. Hier ein Beispieltext, in dem einiges als kritisch vermerkt wird, was doch letztlich positiv zu verbuchen ist – wenn man eben nicht das Konventionelle und Erwartbare im Kino will.
Ich habe mir den Film also angesehen, mit verhaltenen Erwartungen. Und obwohl die verlinkte Analyse irgendwie schon richtig ist, finde ich es seltsam, dass diese Punkte als „Fehler” dargestellt werden, obwohl sie offensichtlich alle beabsichtigt waren. Wenn man sich den Film ansieht, merkt man, dass er sicherlich nicht für ein möglichst großes Publikum gedacht ist wie Bohemian Rhapsody oder Rocketman. It’s not a bug, it’s a feature. Ich war tatsächlich überrascht, dass der Film viel subtiler und interessanter war, als ich erwartet hatte. Gerechnet hatte ich mit einem okayen Film im typischen Arthouse-Mainstream-Stil. Geboten bekam ich aber eine klug gedachte und fein inszenierte Geschichte über künstlerische Schaffensprozesse, über Depression und darüber, wie das Macho-Image, das Springsteen schon damals zugeschrieben wurde, so gar nicht zu seinen eigenen Ansichten, Ansprüchen und Ambitionen als Mann und Künstler passte. „Deliver me from Nowhere“ erzählt eine wirklich ehrliche und offene Geschichte darüber, sich selbst treu zu bleiben, gegen alle inneren und äußeren Kräfte. Und damit kann ich sehr viel anfangen.
Teils kann man wohl einwenden, dass es teils ein wenig unentschieden ist zwischen fein und leise erzähltem Autorenfilm und typischen Arthaus-Konventionen; so ist die Filmmusik an zwei, drei Stellen etwas emotionalisierend, die Auflösung der Vatergeschichte schrammt auch am Kitsch, und ein bis zwei zentrale Nebenfiguren sind vom Drehbuch sehr stark als Erklär-Bären eingesetzt, gerade so, als wären es die „O-Töne“ oder „Talking Heads“, die die nachgestellten, fast dokumentarisch gemeinten Szenen des persönlichen und kreativen Ringens im Rückblick noch einmal für alle im Publikum sauber erklären. Aber diese – sicher auch nachvollziehbare – Unschlüssigkeit hält sich dann doch in Grenzen. Und so möchte ich fast sagen, in dem Film verbirgt oder versteckt sich eigentlich ein anderer.
Dramaturgisches Gerüst im Zentrum der Geschichte ist eine ganz interessante, auch ungewohnt – aufrichtig und ernst – erzählte Männerfreundschaft. Und auch darüber hinaus scheint mir sehr interessant, wie dieser Film von Männerbildern und Männerrollen erzählt. Es geht ja, wie man aus dem Trailer und der ersten Szene im Film sofort erkennt, um Bruce Springsteens Beziehung zu seinem Vater — und darum, wie die Erziehung, die Kindheit und in diesem Fall im Besonderen das Verhältnis zum Vater einen Mann prägt, und was man daraus macht, zum einen als Künstler, in einer künstlerischen Form, zum anderen was man biografisch daraus macht, in seinem Leben. Für sich genommen wäre das ein alter Hut.
Auf der erzählerischen Oberfläche geht es somit um künstlerische, kreative Prozesse und um den Schaffensprozess hinter dem Album „Nebraska“, und das macht der Film schon ganz gut und überzeugend: Man glaubt sofort, dass es wirklich so gewesen sein könnte, approved by Bruce Springsteen. Es geht darüber hinaus aber vielmehr um das Ringen der Hauptfigur mit bestimmten Fragen, die in eine recht lose (fast möchte man sagen: dürftige) Story mit eher unspektakulären Konflikten eingebettet ist. Und so habe ich mich beim Schauen gefragt, wie es Leuten wohl geht, die mit Springsteens Werk und Biografie nicht so wirklich vertraut sind. Zuerst dachte ich, der Film müsste in diesem Fall total langweilig sein, weil sonst ja eigentlich nichts Sehenswertes erzählt wird. Zum einen haben Leute, die Springsteen kennen und den Film deshalb sehen wollen, sicher eine bestimmte Erwartungshaltung — auch wenn man gerade seit der Veröffentlichung seiner dicken Autobiografie und vielen anschließenden Interviews um seine Depression weiß und um sein Ringen um Selbstbild und dem Star-Image, für das er viele Jahrzehnte lang stand.
Doch was die Depressionen mit ihm gemacht haben, gerade auch im Kontrast zu dem markigen, männlichen Image, das er so lange verkörpert hat, hat Springsteen seither offen berichtet, ist daher für jene, die sich in den letzten Jahren einmal mit seiner Biografie befasst haben, keine Neuigkeit, Und doch finde ich bemerkenswert, wie dieser Film davon und von Männerfiguren in Amerika erzählt – und das auch unerwartet unaufdringlich tut. Dass der Film mit dem Versprechen, dass man jetzt ein, zudem vom Protagonisten selbst autorisiertes, Biopic zu sehen bekommt, wirbt, aber uns dann letztlich einen Film über Männerbilder – auch über die Generationen und Zeiten hinweg sozusagen – und über einen „starken“ Mann, der sich eine Depression eingestehen muss, bietet, fand ich unerwartet. Und offenbar nicht nur ich, denn dieser sehr ruhige, ja bedrückte Film war kein Erfolg an den Kinokassen. Denn wer sollte ihn auch schauen? Für viele Springsteen-Fans ist all das kaum attraktiv für einen Kinobesuch, denn der Film bedient so gar nicht die „Big Star“- und „American Hero“-Geschichte; und Leute, die für Springsteen aufgrund seines Images ohnehin nicht gerade viel Interesse übrig haben, ja auch nicht. Beide würden eben einen anderen Film erwarten.
Daher ist es eben vielleicht gerade ein Film für jene, die mit derlei Erwartungshaltung gar nicht erst vorbelastet sind. Letztlich ist es ein viel kleinerer „Indie“-Film, als man erwartet, gerade auch im Zuge der vielen (sehr erfolgreichen und groß angelegten) Biopics über andere Stars der populären Musikwelt in den letzten Jahren, die stets klangvoll damit enden, dass der Star am Ende mit dem großen Erfolg aus der Krise hervorgeht. Wie es 1984 mit Springsteen weiterging, das wissen wir; der Film erzählt es aber nicht.
Wim
Zu meinem Kurzbesuch in Bonn kam ich zwar pünktlich nach Zeitplan an, hatte mir dreieinhalb Stunden für die Wenders-Ausstellung in der Bundeskunsthalle eingeplant, stellte dann aber bei meiner Ankunft vor Ort fest, dass direkt gegenüber im Kunstmuseum gerade eine Retrospektive mit Werken von Gregory Crewdson stattfindet (wohl aus Wien herüber gewandert). Dass ich mir das entgehen ließe, stand außer Frage, und sei es nur für einen etwas beschleunigten Besuch. Wie oft kann man diese spektakulären Bilder schon im Original sehen? Und dann gleich noch als Karriere-Überblick!
Nach einer knappen Stunde, natürlich unverschämt kurz für die 70 gezeigten Werke des Bildkünstlers, für dessen Arbeit seit langem eher die Bezeichnung Regisseur als die des Fotografen passt, kam ich nicht umhin, zwei Bildbände zu kaufen, da die überraschend bezahlbar waren. Auch als Recherche für meine weiteren Überlegungen für einen Dokumentarfilm über einen Fotografen sicher von Nutzen.
„Was macht die Qualität eines Filmes aus? Natürlich gibt es objektive Qualitätsmerkmale, die man auch sehen lernen kann. Vor allem aber ist ,Qualität' eine subjektive Wahrnehmung. Ein Film kann den einen begeistern oder berühren und die andere eben gar nicht. Das mag damit zu tun haben, dass wir in Filmen oftmals unser eigenes Leben reflektiert sehen, dass wir uns aus den unterschiedlichsten Gründen mit einzelnen Figuren identifizieren, oder dass Filme Wünsche oder Sehnsüchte in uns wecken können, von deren Existenz wir bis dahin keine Ahnung hatten. Am besten lässt sich erkennen, wie gut ein Film (für uns) war, wenn er noch lange in uns nachklingt, wenn wir uns an den Film oder an Szenen des Films erinnern, als wären es unsere eigenen Erfahrungen, als wäre der Film ein Teil unseres Lebens geworden ..."



Also blieben mir noch zweieinhalb Stunden für Wenders, direkt gegenüber, und das schien mir noch bei den ersten Ausstellungstücken auch eine gut ausreichende Zeit zu sein, doch wird die Ausstellung, je weiter man durch sie hindurchgeht, immer zeitverlangender. Man trifft auf viele sehr gut kuratierte Filmausschnitte und beeindruckend umfangreiche Materialien aus Wims Laufbahn: etliche Gemälde aus seiner Frühzeit, die vielleicht nicht weltbewegend sind und denen man ihre Einflüsse auch deutlich ansieht, die allerdings zumindest ich zuvor aber nie gesehen hatte, unzählige Recherchematerialien von allen möglichen Projekten vom Debütfilm Summer in the City bis zum bisher letzten, Perfect Days, Fotografien in allen vorstellbaren Größen und Qualitäten, Arbeitsfotos, private Stücke und Einblicke in seine Inspirationen und Einflüsse … usw.…. dann gibt es auch ein paar 3D-Filme zu sehen, die man sonst kaum einmal zu Gesicht bekommt und von denen ich nicht einmal wusste… es gibt vier von Wenders eigens für diese Ausstellung editierte Multikanal-Installationen, die vielleicht nichts eigentlich Neues bieten (doch, ich entdeckte unter den vielen verarbeiteten Ausschnitten einen Filmtitel, von dem ich wohl noch nie gehört hatte), aber in der Neuanordnung und vor allem der monumentalen Größe und der dazu editierten Musik doch beeindruckend sind – darunter eine wilde Collage zum Thema Fahrten und Reisen zur Musik von Canned Heat.



Und dann gibt es am Ende auch noch zahlreiche Drehbuch-, und Arbeitsseiten zum Lesen, nebst Briefkorrespondenzen mit Leuten wie Willy Brandt, Nick Cave, Lou Reed… einen Darstellervertrag mit Gorbatschow (In weiter Ferne, so nah), Original-Drehbücher aus Wims Studienzeit, von teils verschollenen Filmen, weitere Nebenwerke wie ungewöhnliche Werbefilme und einen Kurzfilm zum 80. Jahrestag der Kapitulation (auch im „Zeit“-Podcast angesprochen), alles in Form von Bildschirmen mit Kopfhörern, Interviews… und einiges mehr… ich konnte am Ende dann doch nicht mehr alles ordentlich betrachten, durchlesen und anhören, diese vielen Materialien in den unmittelbaren Schreib- und Vorbereitungsprozess konnte ich leider nicht mehr ausreichend betrachen (und mein Smartfon hatte längst keinen Akku mehr, um noch etwas abzufotografieren) und wurde um 18 Uhr als letzter aus den Ausstellungsräumen hinauskomplimentiert. Daher habe ich sogar vergessen, wenigstens einen Blick auf die große Wand mit den Trophäen zu werfen. Nur den Goldenen Löwen habe ich im Vorübergehen gerade so gesehen.



Wenn die Ausstellung in wie auch immer veränderter Form im nächsten Jahr nach Frankfurt wandert, muss ich wohl noch einmal hin. Wie man auch zu diesem oder jenem einzelnen Film von Wenders stehen mag, der unglaubliche Reichtum allein seines Kinoschaffens und der von ihm (und ggf. Kameraleuten) geschaffenen Bilder ist wohl in dieser Form und Fülle ohne Vergleich. Ein großes, vielschichtiges Werk sondergleichen, quer durch die Jahrzehnte und Themenabschnitte auch von Wim selbst kommentiert, so zum Beispiel hier über Orte und Amerika im Speziellen und über das Reisen.
Saving Grace

Gestern habe ich mir mal ein paar – zumindest für mich – ganz neue Neuerscheinungen aus dem (auf den ersten Blick) Classic-Rock-Segment zugelegt: neben dem Tweedy-Dreier-Album die toll kuratierte 2-CD-Kompilation mit 38 Songs aus 60 Berufsjahren Ronnie Woods, die von einer Wood-Komposition der Birds 1965 bis zu vier bislang unveröffentlichten Stücken reicht – Fearless: Anthology 1965-2025 – mit einigem ziemlich Bekanntem (’ne Handvoll Faces-Klassiker, ’ne Handvoll Stones-„Deep Cuts“ mit Wood-Co-Writing-Credit, die Jeff Beck Group, drei klasse Rod-Stewart-Perlen usw.) und einigem weniger Bekanntem, bspw. einem Duett mit Mick Jagger aus dem Jahr 1974, also vor Ronnies Zeit bei den Stones (von seiner ersten Solo-Scheibe I’ve Got My Own Album To Do) und einigen weiteren Stücken von seinen Solo-LPs, darunter auch Dylans Seven Days).
Vor allem aber die neue LP von Robert Plant: Saving Grace – und die ist fantastisch. Sehr intensiv, sehr eigen, sehr berührend, bin begeistert, wird garantiert in meiner Jahres-Top10 auftauchen. Schade, dass Plant nur noch so selten neue Platten macht – aber wie toll, dass die dann zuverlässig so große Klasse sind.
Plants letztes Soloalbum war Carry Fire, und dass das bereits 2017 war, überraschte mich selbst gerade. Für manche Leute sind acht Jahre ja ein kompletter Karrieren-Zeitraum. Auf Saving Grace widmet sich Plant weiter seinem Herzensprojekt seiner späteren Jahre, die Traditionen US-amerikanischer Musik auf raffinierte, berührende Weise in die Gegenwart zu holen. Vielleicht nur Dylan gelangen vergleichbar zeitlos klingende Neuaufnahmen uralter Songs jenseits von Folk und Gospel. Dass neben Memphis Minnie (die älteren von uns erinnern sich an When The Levee Breaks vom vierten Zeppelin-Album) und Blind Willie Johnson auch mal wieder eine Nummer von des (mittlerweile nicht mehr existenten) Duos Low aus Dylans Heimatstadt Duluth, Minnesota, dabei ist, fällt einem erst einmal gar nicht auf. Zehn meisterlich arrangierte Stücke, die gewissermaßen eine intensive Reise durch ein Jahrhundert US-Roots-Musikgeschichte bieten und Türen in alle möglichen Richtungen öffnen.
Iskra

I first heard Olga Anna Markowska’s pieces this spring at mi-so, which is a small store and exhibition space that Erik Skodvin of miasmah recordings and his partner Monique Recknagel of the label sonic pieces started a few years ago here in Schöneberg where I have been living for the past 20 years. More recently they have been inviting friends and other musicians they find interesting to perform in their store for an audience of around 15 people.
Erik, or miasmah, now released Olga’s debut album, Iskra, which has a great record cover that doesn’t give away anything. The image is a photo by Olga, transformed into a kind of dream image by Erik who worked as a graphic designer for many years, designing also a huge amount of surreal album covers.
The concert was really fascinating, creating a unique atmosphere, and I could see everyone in the audience being very intrigued and moved by the sounds and energy Olga created with those instruments she brought. While she is first of all a cello player, then a visual artist working with photography and installations, she also uses some additional electronics, and she also bought a kind of zither on a flea market and then taught herself to play it – so it now takes a central role in the unique sound world of her album, opening up a kind of timeless, placeless kind of music. Her sound feels somewhere in a dreamlike, elusive space between acoustic and electronic.
It is very exciting to see how her music relates to her visual work, and it’s been quite inspiring to visit her website and wander through the photographic and installation works she documents there. For example, Iskra seems to communicate really well with the Borderland or 6 Years projects, maybe also some parts of Map of the Memory, all of which you can find on her website. I think Olga’s work invites us into a very personal sphere, and – even though she doesn’t show herself – we are trying to figure out where we can find her in there, and then also ourselves. I am also quite intrigued by how the work draws from specific places and then draws me towards them.
When I talked to Olga, she explained how she worked and lived with the music on this album for quite many years, and through different (even difficult) times of her life, including moving though different periods of her life, …moving from one Polish city to another and also to some residencies in other European countries. I quite loved how she struggled to categorize her music into a genre or style, and the influences or inspirations she mentioned can also be misleading when people cannot hear the music. I am listening to an album by Evgueni Galperine at this moment, Theory of Becoming, which to me feels grounded in a somewhat similar intangible sound world between electronic and acoustic (at least the LP’s A-side), between ancient and avant-garde, between eastern and western sensibility. Some people may think there’s not much to hear there, but then, when you let yourself fall into it, it opens up huge spaces.



