Seefeel: Sol.Hz

Da kehren sie zurück: zwei Helden aus dem Jahrzehnt der Dekonstruktion musikalischer Gewissheiten. Beheimatet im Warp-Label, für mich so stilbildend für die Neunziger wie Impulse! drei Jahrzehnte zuvor. Zunächst Seefeel mit „Sol.HZ“, dann Ende Mai „Inferno“ von Boards of Canada. Fast zu schön, um wahr zu sein.

Die ersten Klänge von „Ever No Way“ auf Sol.HZ dehnen sich über den gesamten geisterhaften Song und stehen exemplarisch für das Klanguniversum von Seefeel: herzschlagnahe Rhythmen, repetitive Synthesizertexturen, aus denen mehr Wärme als Technik spricht, ätherische Stimmen, sich auflösende Gitarren. Assoziative Musik, irgendwo zwischen Postrock und Electronica verortet, in guter Gesellschaft mit My Bloody Valentine, Cocteau Twins und King Tubby.

Mit „Falling First“ gibt es auf dem neuen Album sogar einen Dreampop-Ohrwurm.

Es fühlt sich gut an, dass diese zeitlose Musik im Kontext der Gegenwart wieder aufflammt: entrückte Schlaflieder für unruhige Zeiten.

(Thomas P.)