This Will Be Our Year
Gestern habe ich damit angefangen, nochmal die letzte Staffel von MAD MEN anzuschauen. Diese spielt Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre und passt damit zeitlich in meine Serie „Verweigerung des amerikanischen Traums“, von der es noch weitere Folgen geben wird. Am Ende der zweiten Episode mit dem Titel „A Workday“ fährt Don Draper seine Tochter Sally von New York City aus zurück in ihr Internat. In einem Diner erzählt er ihr, dass er schon seit längerer Zeit von der Arbeit freigestellt ist und warum. Und dass er nicht weiter weiß. Darauf gibt auch Sally ihre bockige Haltung auf. Sie verabschiedet sich mit den Worten „Happy Valentine’s Day. I love you.“ Und dann beginnt der Song, der die Episode beendet, während der Abspann läuft: „This Will Be Our Year“, gespielt von The Zombies. Ganz wunderbar wird hier die Leichtigkeit, Aufbruchsstimmung und Energie am Anfang einer Verliebtheit transportiert. Wie eine unerwartete Begegnung, denn ein direkter Bezug zu konkreten Personen der Episode ist nicht erkennbar. Wahrscheinlich soll allgemein an den 14. Februar angeknüpft werden. Just enjoy the mood.
3 Kommentare
flowworker
Wer auf „This will be out year“ klickt, kann den Song der Zombies hören.
Ich erinnere mich dunkel an die Episode. Songs in Filmen / Serien zu hören, die nicht direkt mit den Figuren verbunden sind, ist oft reizvoll. Vielleicht ist es hier eine Art Affirmation, das Jahr möge gut werden nach all den harten Zeiten, die hinter dem Protagonisten leben.
Umvergesslich, wie die Macher von Mad Men für viel Geld den Beatles-Song Tomorrow Never Knows kauften, für teures Geld, um in einer Episode mit ihm eine LSD Erfahrung filmisch umzusetzen.
Eine der grossen Serien allemal, die gewis auch das erneute Sehen belohnen. (me)
Martina Weber
Absolut. Mich interessiert am meisten der Umgang Dons mit seiner Situation, aber es gibt so vieles andere. Und sowieso ist es super Sprachtraining.
Jan Reetze
Auch wenn der Post nur kurz ist, er macht doch Lust, sich die Serie mal wieder anzusehen. Ich habe Mad Men bis jetzt zweimal komplett gesehen. Beide Male hatte ich den Eindruck, dass die Serie ab Season 5 auseinanderzufallen beginnt, weil sich der Charakter Don Draper immer mehr vom Mittelpunkt der Spielhandlung zu einer Art Folie entwickelt, auf die alles mögliche projiziert werden kann. Vielleicht sollte ich mir gerade diese Staffeln nochmal ansehen und dabei von meiner Konzentration auf die ursprüngliche Spielhandlung abrücken. Wie ja überhaupt gerade diese kleinen Einsprengsel in der Story sind, die reizvoll sind, gerade weil sie etwas nur andeuten, weil sie nirgendwo hinführen oder weil sie nirgendwo beendet werden.
Interessant ist natürlich der Einsatz der (insbesondere nicht-diegetischen) Musik. Denn die erfüllt ihre intendierte Funktion ja nur dann, wenn der Zuschauer selbst etwas mit ihr verbindet. Mir ist bei dieser Gelegenheit aufgefallen, wie viele große Hits es in den USA gegeben hat, die hier jeder kennt, die es aber nie nach Europa geschafft haben.
Mad Men ist wie ein guter Roman, in dem man beim zweiten oder dritten Lesen immer noch neue Aspekte bemerkt, die einem beim ersten Lesen nicht aufgefallen sind. Allerdings bemerkt man dann auch, dass einige der Charaktere zunehmend ins Unlogische driften und manches Mal in der Handlung eine Reißleine gezogen wird, um aus einer Situation rauszukommen. Es spricht aber deutlich für diese Serie, dass man das bei Mad Men überhaupt bemerkt; bei den meisten anderen Filmen und Serien habe ich den Inhalt bereits vergessen, während der Abspann noch läuft.