Binge

Families Like Ours


Herr Vinterberg, nach bald 30 Jahren als Kino-Regisseur legen Sie mit „Families Like Ours – Nur mit Euch“ Ihre erste eigene Serie vor. War dieses Format ein lange gehegter Traum von Ihnen?

Tatsächlich hat es mich eigentlich schon immer interessiert, mal eine Serie zu drehen. Schon damals bei meinem Film „Das Fest“ dachte ich darüber nach, vielleicht aus diesen Figuren und mit dem Ensemble mehr zu machen. Dass nun „Families Like Ours“ zu einer Serie statt einem Film wurde, lag allerdings vor allem daran, dass es mir nicht gelang, alle meine Ideen für diese Geschichte in einem Film unterzubekommen. Das Material war zu ausufernd, also musste es eine Serie sein. Ich hatte wirklich eine große Freude daran, meiner Ambition nachzugehen, tatsächlich einmal eine richtige Saga zu erzählen.

Fühlte sich die Arbeit daran letztlich an wie ein langer Film oder war die Erfahrung doch eine andere?

Es war tatsächlich so, als würden wir einen langen Film drehen. Da habe ich leider keine spannendere Antwort. Aber die Dauer machte am Ende dann doch auch einen Unterschied. Als Künstler liebt man es ja, wenn man in einen Flow kommt, wo man im Grunde nicht mehr nach links oder rechts guckt, sondern nur noch mit der eigenen Arbeit beschäftigt ist. Diesen Zustand erreiche ich in der Regel erst nach einigen Wochen, und bei einem Film ist dann der Dreh meist schon fast zu Ende. Dieses Mal ging es dann noch einige Wochen weiter, was ich sehr genossen habe. Auch wenn es fürchterlich anstrengend war, schließlich bin ich inzwischen auch nicht mehr der Jüngste.

Ihre größte Sorge, so haben Sie vergangenes Jahr gesagt, war weniger die Anstrengung als die Frage, ob sich die Zuschauerinnen und Zuschauer auf die Prämisse einlassen. Immerhin geht es um ein „Near-Future“-Szenario, bei dem Dänemark vor der Überschwemmung steht und die Bevölkerung ihre Heimat verlassen muss. Was haben Sie unternommen, damit das Publikum diese Geschichte glaubt?

Ich habe viel recherchiert und mir große Mühe gegeben, nie zu reißerisch zu werden. Riesige Flutwellen in den Straßen und ähnliches galt es zu vermeiden, denn wir drehten keinen Katastrophenfilm. Ich habe wirklich versucht, so realistisch – und damit erschreckend – wie möglich einzufangen, wie ich mir eine solche Situation in Dänemark vorstellen würde. Und weil wir nun einmal ein sehr organisiertes, geordnetes Volk sind, würde bei uns vermutlich nicht das große Chaos ausbrechen, sondern alles recht gut geregelt und besonnen abgewickelt werden.

An andere Stelle sprachen Sie schon von einer Zeitlupen-Katastrophe, weil eigentlich alle frühzeitig wissen, was passieren wird, aber letztlich dann doch niemand wirklich vorbereitet ist.

So würde es auch sein, denke ich. Die meisten Ideen, die in dieser Serie stecken, sind schon fünf oder sechs Jahre alt. Als dann die Corona-Pandemie ausbracht, sah in unserer Realität plötzlich vieles so aus wie das, was wir uns ausgemalt hatten. Menschen, die die Supermärkte stürmen, um Toilettenpapier zu bunkern, zum Beispiel. Solche Dinge haben wir dann aus den Drehbüchern wieder gestrichen, weil diese Szenen zu sehr an Nachrichtenbilder erinnerten, die wir mit einem Mal alle im Kopf hatten.

(ein Interview aus der Frankfurter Rundschau)