Fly The Ocean…

Es gibt grossartige Musikalben, die so ganz anders klingen als Lieder und Instrumentalstücke, die sie wesentlich inspiriert haben. Die Byrds haben über Wochen „A Love Supreme“ gehört, bevor sie „Eight Miles High“ einspielten. Brian Eno verlor sich in den Räumen von Miles Davis‘ „He Loved Him Madly“, als er über Jahre hinweg an „On Land“ arbeitete. Und Pan American aka Mark Nelson hörte bei der Arbeit an seinem neuen Werk , wieder und wieder, bis er jeder Windung dieser Songs in seinem Inneren nachspüren konnte, „Promised Land“ von Chuck Berry, und „You Belong To Me“ von Jon Stafford. Vielleicht schwebten diese beiden Lieder auch von Anfang allein durch sein viszerales Gedächtnis. Es ist ein unfassbar persönliches (aber nicht im Privaten verharrendes) Album geworden, ohne eine einzige greifbare Songzeile – hier und da auftauxhende Stimmen wie dem Horizont abgelauscht. Der Titel des Albums, Fly The Ocean In A Silver Plane“, stammt aus dem Song von Jo. (m.e.)
“Fly The Ocean In A Silver Plane“
„Zwei Lieder bildeten das Rückgrat dieser Musik. Lieder, die ich schon immer geliebt habe – es scheint, als hätte ich sie schon geliebt, bevor ich sie überhaupt gehört hatte. Das erste, und die Quelle des Titels, ist „You Belong to Me“ von Jo Stafford. Abgesehen von den für unsere modernen Ohren unübersehbaren kolonialen Anklängen ist es auch eine wunderschöne Romanze aus der Mitte des Jahrhunderts – und eine Ode an die Bedrohung durch eine immer kleiner werdende Welt. Das Lied beschwört die Einsamkeit und das Geheimnisvolle des Alleinseins und des Zurückgelassenwerdens. Der Sänger bittet seinen Geliebten nicht, den Horizont zu verschließen, sondern erinnert ihn lediglich daran, zurückzukehren, wenn die Reise vorbei ist. Der „Silver Plane“ des Übergangs, der Veränderung und des Dazwischen beiseite zu lassen zugunsten der Geborgenheit fester Erde.“ (Mark Nelson)
„Der zweite Song ist „Promised Land“ von Chuck Berry. Auch hier geht es um eine Reise, und auch dieser Song bewegt sich mühelos zwischen Allegorie und Erzählung. Der Sänger ist unterwegs durch das von Rassentrennung geprägte Amerika und versucht, das gelobte Land Kalifornien zu erreichen. Der Song ist sowohl eine abenteuerliche Geschichte, die an Mark Twain erinnert, als auch ein amerikanisches Epos, das sich gut in die Reihe von Herman Melville einreiht. Als der Held es endlich nach Kalifornien schafft, ist sein erster Impuls, zu Hause anzurufen und der Alten Welt zu versichern, dass er sicher in der Neuen angekommen ist.“ (Mark Nelson)